Love Parade-Unglück - zwei Monate nach den tragischen Ereignissen - im Internet weitgehend aufgeklärtInhalt abgleichen

Die im Titel dieses Beitrags aufgestellte Behauptung ist bewusst plakativ gewählt und mag auch anmaßend klingen. Ich denke aber, man kann sie in der Tendenz belegen.

Die von den verschiedenen beteiligten "Akteuren" unmittelbar nach den Ereignissen angekündigten Aufklärungsbemühungen zielten von Anfang an v.a. dahin, die Veranwortung auf jeweils die anderen Verantwortlichen abzuwälzen und die eigene Verantwortung zu leugnen oder in Frage zu stellen. Dieses Gebaren ist es, dass die verletzten Opfer und Angehörigen massiv befremdet und empört hat.

Dabei dürfte, wie ein lesenswerter Beitrag zu den rechtlichen Fehlern bei der Genehmigung der loveparade auf docunews richtig ausführt, bei einer gesetzmäßig durchgeführten Planung und Genehmigung einer solchen Veranstaltung die Verantwortlichkeit niemals unklar sein.

Recherchen im Internet (nur einige Beispiele: loveparade2010doku, lothar evers, Dr. Wittsiepe, bluemoonsun) haben schon zu Ergebnissen geführt, die weit detaillierter sind als in anderen Medien bekannt wurde. Die Gründe dafür sind nicht, dass das Internet im Allgemeinen besser geeignet wäre als andere Medien, aktuelle Ereignisse aufzuklären und zu bewerten. Internetforen und blogs haben vielmehr spezifische Schwächen, die einer objektiven Tatsachenermittlung regelmäßig eher abträglich sind: Fehlen einer Organisation, Anonymität der Beiträge, Sammelbecken von abstrusen Verschwörungstheoretikern, Auseinanderfallen von Engagement und Fähigkeiten bei den einzelnen Personen. Zudem zerfasert eine solche Internetrecherche tendenziell häufig zwischen verschiedenen teilweise ideologisch zerstrittenen Plattformen. All das lässt sich auch diesmal finden, aber bei den Recherchen zur Love Parade sind besondere Bedingungen zusammengekommen, die es ermöglichten, wesentlich weiter zu kommen als sonst. Weitere Links zu den wichtigsten dieser Recherchen finden Sie in meinem früheren Beitrag.

1. Die Betroffenen (womit ich hier alle Besucher und Interessierte meine, die potentiell in die Situation hätten kommen können) entstammen ganz überwiegend der Generation, die mit Internetforen, Twitter, Blogs, Videodatenbanken wesentlich mehr anfangen kann als mit Zeitungen, Rundfunk, Fernsehen.
2. Es steht mit den auf youtube und anderen Plattformen hochgeladenen Filmen und Fotos sowie Augenzeugenberichten eine riesige Menge an Datenmaterial zur Verfügung, deren Sichtung und Sortierung (u.a. durch eine aufwändige Synchronisation vieler Besuchervideos) unter den Bedingungen des Internet wesentlich besser gelingen kann als innerhalb eines einzelnen Arbeitsauftrags bei Polizei oder Staatsanwaltschaft. Jeder kann diese Filme anschauen, verifizieren, auf Details hinweisen, Thesen aufstellen, belegen und verwerfen.
3. Die Tendenz einer Zerfaserung - ein spezifisches Problem der Internetrecherche - wurde etwas gebremst durch eine gewisse  Konzentration auf wenige Seiten und die Vernetzung dieser Seiten. Das Ziel der "Aufklärung" hat diese Seiten verbunden. Zudem haben einzelne Rechercheure mit ihren Seiten entscheidende Akzente gesetzt - auch der Einzeljournalismus ist keineswegs überflüssig in den Zeiten des Internet..
4. Das große, nachhaltige Interesse wird durch die ständige Verfügbarkeit aller Texte, Filme, Dokumente verstärkt. Nicht nur, wenn gerade ein Artikel in der Zeitung steht oder ein Filmbericht im TV gelaufen ist, sondern dauerhaft kann sich im Internet jeder informieren über die Fortschritte bei der Aufklärung und kann diese durch Einsicht in die Text- und Bildquellen unmittelbar nachvollziehen. Man kann "am Ball" bleiben, auch wenn das allg. öffentliche Interesse nachlässt bzw. von anderen Ereignissen überdeckt wird.
Ich bin sicher, ich habe noch nicht alle Aspekte aufgeführt.

Nun zur "Aufklärung" des Love Parade-Unglücks, soweit ich sie heute zusammenfassend beschreiben kann (updates sollen nicht ausgeschlossen sein):

Schon bei der Planung der LoPa hat man nicht beachtet, dass der ohnehin problematische gemeinsame Ein- und Ausgang zwischen den Tunneleingängen und der oberen Rampe zwar knapp die erwarteten Besucherströme in einer Richtung verkraften konnte, aber nicht die (vorab angenommenen) Besuchermengen in beiden Richtungen. Durch Ein- und Ausgang hätten über mehrere Stunden hinweg laut Planung in der Summe hundertausend und mehr Personen pro Stunde geschleust werden sollen. Trotz des erkennbaren Widerspruchs (60.000 Personen/Stunde  maximaler Durchgangsstrom in einer Richtung unter optimalen Bedingungen, 100.000 Personen/Stunde in gegenläufigen Richtungen für den Nachmittag geplant) wurde dieses unstimmige Konzept von den Veranstaltern geplant und von den zuständigen Behörden genehmigt.
Dass die Tunnel problematisch waren, war zwar jedem bewusst, aber man "plante" dieses Problem weg, indem man meinte, den Zustrom sicher steuern zu können. Für die Steuerung des Abstroms während der Veranstaltung (z.T. mehr als 50.000 Personen/Stunde wurden am Nachmittag erwartet) gab es kein Konzept. Und weder die zu einer Besuchersteuerung notwendige Anzahl von Ordnern, noch die dazu von den Experten vorab geforderten Lautsprecher waren am Veranstaltungstag vorhanden.

Das für die Veranstaltung geforderte Sicherheitskonzept enthielt eine Lücke gerade in dem (von allen) zuvor als sicherheitstechnisch problematisch angesehenen  Eingangsbereich (der auch unklar mal dem Veranstaltungsgelände mal dem Straßengelände zugewiesen wurde und keinerlei Fluchtwege aufwies). Ein Konzept dafür, was man tun könne, wenn es dort zu Stauungen kommt, war nicht vorhanden. Entgegen dieser Lücke, die aus den veröffentlichten Dokumenten (einschließlich der Entfluchtungsanalyse) erkennbar ist, wurde die Veranstaltung genehmigt.
Die Auflagen der Genehmigung, die u.a. beinhalteten, die Zuwege und Fluchtwege von Hindernissen frei zu halten, wurden in eklatanter und gefährlicher Weise missachtet. Die Zu- und Abgangsrampe wies am Veranstaltungstag noch etliche Hindernisse auf: Zur Personenstromsteuerung ungeeignete Bauzäune, Brezlbuden, Polizeifahrzeuge hinter weiteren Bauzäunen. Ein Gulli und ein Schlagloch mit Baumwurzel wurde - Gipfel der Rücksichtslosigkeit - mit einem Bauzaun abgedeckt (am besten hier zu sehen). Mit hoher Wahrscheinlichkeit gab im Gedränge ein Stolpern oder Verhaken in diesem Bauzaun den unmittelbaren Ausschlag für viele der Todesfälle.

Als es dennoch zu Stauungen (wie nach der Entfluchtungsanalyse vorhersehbar und unvermeidlich zunächst  am oberen Rampenende) kam, fehlte das Konzept für diesen Fall. Das "Pushen" durch Ordner und "Wegziehen" durch die Floats konnte bei der Anzahl der Besucher, die die Veranstaltung gerade verlassen wollten, nicht funktionieren: Es waren dort insgesamt zu viele Personen in beiden Richtungen für diesen Engbereich.

Man war nun auf ein adhoc-Konzept angewiesen und auf die Hilfe der Polizei. Die Polizei sperrte daraufhin an einer Engstelle auf der Mitte der Rampe den Zu- und Abgang. Gleichzeitig wurden in den Tunneln Sperren errichtet, um den Zugang zur Rampe zu hindern. Beide Sperrpositionen waren höchst ungeeignet. Sie widersprachen den vorab gegebenen Empfehlungen (Stauungen im Tunnel unbedingt vermeiden) und hatten erkennbar keine Entlastung zur Folge, sondern eine bloße Verlagerung und Verschärfung der Gefährdung. Durch die Platzierung der Sperre auf der Rampenmitte konzentrierte sich das Gedränge nunmehr im unteren Drittel der Rampe und an den Tunnelausgängen. Da die feststeckenden Besucher (die teilweise schon stundenlang auf den Zuwegen verbracht hatten) weiterhin nicht per Lautsprecher  informiert wurden, suchten sie selbst Auswege aus dem Dilemma - Masten, v.a. Treppe, Container, mit der Folge, dass sich das Gedränge in den Richtungen dieser vermeintlichen Auswege noch verschärfte und es hier über Minuten zu Massenturbulenzen kam.
Die Sperren in den Tunneln wurden schon zeitlich vor der Sperre auf der Rampenmitte aufgelöst bzw. überrannt, so dass sich das Gedränge auf dem unteren Rampendrittel nochmal verschärfte. Offenbar war auch die Funk-Kommunikation zwischen den Sicherheitsbehörden und sogar der Polizei untereinander gestört. Niemand wusste zeitweise, was er oder die anderen taten, welche Sperren geöffnet, welche geschlossen waren. Zu spät wurde eine Sperre am oberen Rampenende aktiviert, und die Abströmenden über die zweite Rampe (Korrektur: Abströmende zunächst blockiert, später über die Notausgänge) geschickt. Und auch als der Weg nach oben wieder relativ "frei" war, konnten das die im Gedränge feststeckenden nicht erkennen - niemand informierte sie.

Die genannten Umstände führten - zusammen - zur Katastrophe. Entgegen den vorherigen Ankündigungen (Sicherheit hat Vorrang) hat man diese in entscheidenden Punkten vernachlässigt. Bei allen drei "Akteuren" (Veranstalter, Stadt, Polizei) lassen sich meiner Meinung nach fahrlässige Handlungen und  Unterlassungen feststellen, die Tod und Verletzung zurechenbar mitverursachten und zu einer Anklageerhebung wegen fahrlässiger Tötung (§ 222 StGB) oder Körperverletzung (§ 229 StGB) führen könnten. Die genaue institutionelle "Zuständigkeit" für jede dieser Fahrlässigkeiten ist allerdings noch in der Diskussion, auf den entsprechenden Internetseiten und hier im Blog. Und die im Strafrecht notwendige individuelle Zurechnung ist m.E. Sache der Staatsanwaltschaft.

Hier im Beck-Blog wurden zwar kaum Tatsachen unmittelbar recherchiert, aber zum Teil intensiv mit juristischer Schlagseite diskutiert. Mein Beitrag zu dieser Aufklärung war vergleichsweise gering.  Die Kommentarsektion ist  aber mit anderen Aktivitäten im Netz verknüpft und dadurch profitiert die hiesige Diskussion von den Früchten dortiger Recherche. Das Echo und die weiteren Reaktionen haben mich außerordentlich überrascht: Der Beitrag ist einer der am häufigsten angeklickten und der mit Abstand am häufigsten kommentierte Beitrag hier im Blog. Die Kommentare waren häufig weiterführend und fundiert und infolgedessen habe ich den Ausgangsbeitrag alle paar Tage aktualisiert.  

Die Diskussion und Recherche im Internet ist natürlich nicht beendet. Es gibt noch viele Details, die nicht vollständig aufgeklärt sind, und es gibt sicherlich noch weitere Belege für die schon aufgeklärten Fakten.

Möglicherweise gibt es auch an meinen obigen Erwägungen zutreffende Kritik, die ich gerne aufgreifen werde.

(Letztes update dieses Beitrags - Link eingefügt - am 12.11.2010, 14.10 Uhr)

Update am 8.Juni 2011:

Links zu den weiteren Diskussionen hier im Beck-Blog:

Juli 2010 (465 Kommentare, ca. 23000 Abrufe)

September 2010 (788 Kommentare, ca. 16000 Abrufe)

Dezember 2010 (537 Kommentare, ca. 8000 Abrufe)

Mai 2011 (bisher über 1000 Kommentare; über 7000 Abrufe)

AKTUELL: Juli 2011

 

Siehe auch:


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Kommentare:
loveparade2010doku

23.09.2010

Henning Ernst Müller schrieb:
2. Es steht mit den auf youtube und anderen Plattformen hochgeladenen Filmen und Fotos sowie Augenzeugenberichten eine riesige Menge an Datenmaterial zur Verfügung, deren Sichtung und Sortierung (u.a. durch eine aufwändige Synchronisation vieler Besuchervideos) unter den Bedingungen des Internet wesentlich besser gelingen kann als innerhalb eines einzelnen Arbeitsauftrags bei Polizei oder Staatsanwaltschaft. Jeder kann diese Filme anschauen, verifizieren, auf Details hinweisen, Thesen aufstellen, belegen und verwerfen.
Ja, diese besondere Dynamik der gemeinsamen Aufklärung über Internet hat mich auch besonders beeindruckt.

Unser Blog zur Dokumentation der Loveparade ( http://loveparade2010doku.wordpress.com/ ) entstand ja aus der Motivation, eine zentrale Sammlung wichtiger Quellen wie Videos zu haben, und es wäre keine so umfassende Dokumentation und Analyse möglich geworden ohne die vielen engagierten "Ermittler", die sich beteiligten.

Vielen Dank für Ihre neue Zusammenfassung - auch die bisherigen Beiträge von Ihnen habe ich immer als sehr nützlich erlebt.

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loveparade2010doku

23.09.2010

Noch ein paar kurze Ergänzungen / Korrekturen:

 

Henning Ernst Mueller schrieb:

Das "Pushen" durch Ordner und "Wegziehen" durch die Floats konnte bei der Anzahl der Besucher, die die Veranstaltung gerade verlassen wollten, nicht funktionieren: Es waren dort insgesamt zu viele Personen in beiden Richtungen für diesen Engbereich.

Es hatte u.a. auch deswegen ganz und gar nicht funktioniert, weil nach allen uns bisher bekannten Daten keinerlei Pusher aktiv waren. Vermutlich hätte es aber auch nicht ausgereicht ohne gleichzeitigen Einsatz von Lautsprecherdurchsagen und extra Ausgang.

Henning Ernst Mueller schrieb:
Gleichzeitig wurden in den Tunneln Sperren errichtet, um den Zugang zur Rampe zu hindern. Beide Sperrpositionen waren höchst ungeeignet. Sie widersprachen den vorab gegebenen Empfehlungen (Stauungen im Tunnel unbedingt vermeiden)

Es bleibt unklar, warum die Polizei nicht früher an den Tunneleingängen beim Sperren geholfen hat. Offenbar verließ man sich auf die Zusage des Veranstalters, dass das Sicherheitspersonal die Eingänge dicht macht (?).

Henning Ernst Mueller schrieb:
Da die feststeckenden Besucher (die teilweise schon stundenlang auf den Zuwegen verbracht hatten) weiterhin nicht per Lautsprecher  informiert wurden, suchten sie selbst Auswege aus dem Dilemma - Masten, Treppe, Container, mit der Folge, dass sich das Gedränge in den Richtungen dieser vermeintlichen Auswege noch verschärfte und es hier über Minuten zu Massenturbulenzen kam.

Hier ist insbesondere die Treppe hervorzuheben, die den meisten Besuchern als der gewöhnlichste bzw. naheliegendste Zugang erschien, so dass sich dort der höchste Andrang entwickelte. Vor Mast bzw. Container, die deutlich "abenteuerlicher" wirkten, herrschte geringeres Gedränge und dort gab es auch glücklicherweise keine Todesfälle.

Henning Ernst Mueller schrieb:
Zu spät wurde eine Sperre am oberen Rampenende aktiviert, und die Abströmenden über die zweite Rampe geschickt.

Die Abströmenden wurden nicht über die zweite Rampe geschickt! Die westliche Rampe wurden hingegen als zweiter Zugang geöffnet, ab ca. 16:15 Uhr. Die Heimkehrer wurden hingegen zunächst schlicht durch die Polizeikette aufgehalten und im Unklaren gehalten (ab ca. 16:45 Uhr). Erst mindestens 20 Minuten später wurden die Heimkehrer über weite Wege an den Rändern des Geländes bis zu Böschungen an der Autobahn im Südwesten des Geländes geleitet und konnten dort dann zum Teil über behelfsartige Leitern der Feuerwehr nach draußen kraxeln.

Bis man sich entschied, auch Notausgänge freizugeben (und dann auch nur einzelne, v.a. irgendwann den Notausgang Nord), verging viel Zeit. Eine rechtezeitige Entscheidung, die Notausgänge bei der Autobahn freizugeben und dies allen Besuchern laut als normale Art des Heimgehens mitzuteilen, hätte vermutlich zu einer Vermeidung der Todesfälle beigetragen.

Henning Ernst Mueller schrieb:
Und auch als der Weg nach oben wieder relativ "frei" war, konnten das die im Gedränge feststeckenden nicht erkennen - niemand informierte sie.

Ganz genau, einer der Hauptkritikpunkte. Das Unglück war eine Folge mangelnder Kommunikation - unter Einsatzkräften und zwischen Sicherheitskräften und Besuchern.

 

Siehe auch unser Artikel zu den Ursachen:

http://loveparade2010doku.wordpress.com/2010/08/07/zusammenfassung-ursac...

 

 

Viele Grüße

loveparade2010doku

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Johannes XII.

23.09.2010

Mit der Rolle des Prof. Schreckenberg hat sich kürzlich auch RA Feltus befasst: http://strafverteidiger-feltus.blogspot.com/2010/08/der-panikforscher-sc...

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Joachim

24.09.2010

Vorab: Ich habe mich mit der Thematik kaum befasst, nur eine Kleinigkeit:

Wenn ich die Hauptkritikpunkte oben mit dem Vergleiche, was Schreckenberg gefordert hat (vgl. "Anlage 14 - Vermerk zu Schreckenberg", habe das hier lokal, lässt sich aber bestimmt finden) dann kommt er mittlerweile in meinen Augen moderat besser weg...

- keine unnötigen Absperrungen (vgl. die oben genannten ungeeigneten Zäune, Polizeiautos hinter Zäunen)

- "Unerlässlich sei ein ständiger Informationsfluss an die Besucher über Lautsprecher"

Wenn man dann noch Dinge wie Gulli/Schlagloch & Bauzaun denkt...

 

Je mehr man darüber liest, desto mehr muss man den Kopfschütteln.

Ich hoffe ja, dass sich wenigstens bei der Planung solcher Veranstaltungen etwas ändert: Es kann doch eigentlich nicht sein, dass so etwas aus der Ferne begutachtet wird und man Details wie Treppen oder ähnliches nicht mitbekommt.

 

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Sehr geehrter Herr Joachim,

hinsichtlich der Rolle von Herrn Schreckenberg bin ich ebenfalls nach wie vor unschlüssig. Dass er irgendwie in der Vorbereitung involviert war, steht wohl fest. Aber welche Aufgabe er genau übernommen hat, ist unklar. Ziemlich sicher hat er die Entfluchtungsanalyse der Traffgo prüfen sollen und hat diese auch positiv bewertet. Wenn er aber genau hingeschaut hätte, hätte er den Widerspruch in dieser Analyse sehen müssen, was die Zahlen der geplanten zu- und abströmenden Personen angeht und welche Anzahl maximal durch die Engstellen gepasst hätten. Ich habe schon dazu Stellung genommen (Kommentar am 16.09., 00.14 Uhr:

Zur "Entfluchtungsanalyse" von TraffGo (hier, Anlage 49 anklicken) ...: 

Es finden sich hier die ... Zu- und Abstromangaben von Lopavent .... wieder, und zwar auf S.66, dort im oberen Bereich der Seite. Es wird ein Maximum von 235.000 Personen auf dem Gelände angenommen und von 15 bis 20 Uhr wird für jede Stunde eine Zahl von (mehr als) 100.000 Personen angenommen, die insgesamt zu- und abströmen sollen.

...

Der "planmäßige Entleerungsfall" am Ende der Veranstaltung wird mit fast vier Stunden berechnet, um 250.000 Personen durch die Tunnel strömen zu lassen (S.45/46). D.h. man berechnete einen Durchfluss von etwas mehr als 60.000 Personen/Stunde an der schmalsten Stelle. Wie lässt sich damit vereinbaren, dass während des Nachmittags jede Stunde mehr als 100.000 Personen in gegenläufigen Richtungen dieselbe Stelle passieren können sollen?

In "screenshots" wird dann dargestellt, wie sich das Gelände laut Computersimulation leeren wird. Interessant ist, an welchen Stellen es sich staut.... Auf den screenshots (S.48-52) zeigt sich aber, dass es Engstellen auf dem Gelände sind, die nach der Berechnung von TraffGo zu Staus führen, vor allem die Stellen rechts und links am oberen Ende der Rampe! Und dies am Ende der Veranstaltung, also ohne die Floats!

"Liest" man die Entfluchtungsanalyse also ein bisschen quer, entdeckt man Folgendes:

1. Selbst unter den Bedingungen der "planmäßigen Entleerung" - nur eine Richtung, keine Floats - können die Engstellen von nicht mehr als maximal 60.000 Personen/Stunde passiert werden. Ein Zu- und Abstrom von (weit) über 100.000 Personen/Stunde den ganzen Nachmittag über ist dann aber schlicht unmöglich!

2. Die Staus am oberen Ende der Rampe snd vorhersehbar gewesen. Sie sind sogar praktisch "planmäßig" absehbar, und dies nicht nur für die Entleerung, sondern noch viel deutlicher im Verlauf der Veranstaltung, wenn dort lt. Plan Zu- und Abströmende aufeinandertreffen sollten. Selbst unter optimalen Bedingungen hätten die Personen sich dort gestaut. Auch Pusher hätten das nicht verhindern können."

 

Wenn ich als Laie auf diesem Gebiet erkennen kann, dass da etwas nicht stimmt, dann hätte dies m. E. Herrn Schreckenberg erst Recht auffallen müssen (selbst wenn die Entfluchtungsanalyse für sich betrachtet rechnerisch in Ordnung ist).

Besten Gruß

Henning Ernst Müller

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Flusspferd

25.09.2010

Vielen Dank Herr Müller, Sie bringen wirklich Licht in die Angelegenheit.

 

In der Anlage 49 ist mir auf S. 8 der gelb markierte Text "Durch die getrennten Zu- und Abwege kommen keine sich kreuzende Personenströme vor" aufgefallen. Worauf beruht diese Annahme? Real waren die Zu- und Abwege eben nicht getrennt. Beruht die Entfluchtungsanalyse in diesem Punkt auf falschen Annahmen? Beziehungsweise: die Zuwegung war für die Entfluchtungsanalyse ja nicht von Bedeutung. Es geht darin ja nur ums Hinauskommen. Waren die Macher der Entfluchtungsanalyse also bezüglich der Zuwegung falsch informiert oder haben das falsch verstanden? Dann dürfte man aus deren Perspektive die Zu- und Abströme nicht addieren. Dennoch bliebe das Maximum bei 90.000 Personen, was doch deutlich mehr ist als die Entfluchtungsanalyse als durchschnittliche Kapazität ergibt (rund 65.000).

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Flusspferd

25.09.2010

Herr Müller,

Sie sind Jurist und haben daher genau die Perspektive, die mir fehlt. Umgekehrt möchte ich noch ein paar Zahlen beisteuern.

Bei Google Maps kann man - wenn man sich anmeldet - Abstände messen. Die Rampenöffnung am Tunnel kann man mit 25 Meter messen. Das ist schon weniger als die zweimal 16 Meter der beiden Tunnel. Die Tunnel waren also nicht die Engstelle. An der Stelle des Bauzaundreiecks ist die Rampe rund 28 Meter breit. Ein Bauzaun ist 3,5 Meter breit. Auf einem Youtube-Video ("Loveparade 2010 Unglückstelle morgens 12:49") kann man erkennen, dass im Westen ein Bauzaun und im Osten zwei und ein Dreieck stehen. Das Dreieck erscheint grob gleichseitig zu sein, womit es sich Wurzel(3)/2 malder Breite in die Rampe hinein erstreckt. Das bedeutet, dass die Bauzäune rund 13,5 Meter der Rampenbreite wegnehmen, wodurch eine Öffnung von rund 15 Metern bleibt. (Ich kann in den Screenshots der Simulation in Anlage 49 übrigens weder die Bauzäune noch einen Effekt derselben (höhere Dichte drinnen, geringere außen, etc) erkennen.)

Diese 15 Meter sind die eigentliche Engstelle. Durch diese 15 Meter hätten laut Plan inerhalb von 15 Stunden 485.000 Zuschauer hinein gehen sollen und auch wieder hinaus, wobei man den Veranstaltern vielleicht unterstellen kann, dass am Ende wenigstens die zweite Rampe geöffnet worden wäre. Tut man das nicht, müssen also 970.000 Zuschauer durch 225 "Stundenmeter" (15 Meter Breite mal 15 Stunden). Das sind genau 1,2 Personen pro Sekunde und Meter. Das ist die Zahl von Seite 64 der Anlage 49. Allerdings - und das ist natürlich offensichtlich - ist der "Run" auf die Engstelle nicht immer gleich. Nur wenn er das wäre, gäbe es eine Chance, dass es funktioniert.

Schauen wir also mal die Stunde 17 bis 18 Uhr an. Mit 90.000 kommenden und 55.000 gehenden Besuchern ist es die Stunde mit der so genannten höchsten Nachfrage. Vergessen wir mal noch "wohlwollend", dass ein Zweirichtungsstrom eigene Schwierigkeiten mit sich bringt und sehen nur die 145.000 Zuschauer, die man in einer Stunde durch diese Engstelle von 15 Metern bringen möchte.Das macht 2,69 Zuschauer pro Sekunde und Meter der Öffungsbreite.

In Anlage 49, S. 64 steht wie gesagt 1,2 Personen pro Meter und Sekunde seien möglich. Dafür wird die Versammlungsstättenverordnung zitiert.

Auch in Anlage 49 wird auf Seite 10 die IMO zitiert (Eintrag 10 der Literaturliste). Diese sist im Internet frei verfügbar und schreibt auf S. 7 vor mit einem Fluss von 1,3 Personen pro Sekunde und Meter Breite zu rechnen.

In einer Veröffentlichung von Prof. Schreckenberg ("Experimental study of pedestrian flow through a bottleneck" auch diese ist im Internet frei verfügbar) findet man gemessene Flusswerte von 1,8 bis 2,2 Personen pro Sekunde und Meter Breite.

In einer Veröffentlichung von Prof. Helbing ("Self-Organized Pedestrian Crowd Dynamics", dito) von im Mittel tatsächlich 2,67 Personen pro Sekunde und Meter (den kleinen Schlenk mit dem Hindernis vor dem Ausgang ignorieren wir mal, das dürfte hier nicht interessant sein).

Nun kann man ausrechnen, um wie viele Personen sich die Anzahl der wartenden Personen innerhalb von dieser einen Stunde von 17 bis 18 Uhr vergrößern müsste, wenn man die jeweilige Annahme von 1,2, 1,3, 2,0 oder 2,67 Personen pro Meter und Sekunde mit den notwendigen 2,69 Personen pSuM vergleicht. Im günstigen Fall stehen diese Personen nicht alle unmittelbar an der Rampe im Stau, sondern werden, wenn es geschickt gemacht wird, verteilt aufgehalten. Es würde also der gesamte Weg bis hin zum Bahnhof als Aufstaufläche genutzt. Im schlechtesten Fall - und der lag dann vor - stehen alle diese Personen an der Engstelle und es gibt (wegen der Zweirichtungssituation) kein VOr und kein Zurück mehr.

1,2 PpSuM: 80.460.

1,3 PpSuM: 75.060

2,0 PpSuM: 37.260

2,67 PpSuM: 1080

Nur der von Prof. Helbing gemessene Wert führt also zu einem akzeptablen zusätzlichen Personenstau. Wenn man sich in besagter Veröffentlichung aber die Fotos von der Veröffentlichung ansieht, erkennt man, dass dieses Experiment in nicht normaler Weise ablief. Die Teilnehmer mussten sich außergewöhnlich mühen.

Alle anderen Zusatzstauwerte liegen im Bereich eines bis zweier Fußballstadienkapazitäten. Man kann sich das so veranschaulichen, dass u.U. die Tribünen des etwas weiter südlich gelegenen Wedaustadions als "Zwischenlager" nicht ausgereicht hätten, um auch nur die vom Veranstalter zwischen 17 und 18 Uhr erwarteten aber nicht abfertigbaren zuströmenden Besucher aufzunehmen. Dieses hat eine Zuschauerkapazität von 40.000 Personen. Auf dem Rasen könnte man bei einer Personendichte von 4 Personen pro Quadratmeter weitere 28.000 unterbringen. Mit der in Anlage 49 genannten Zahl von 1,2 PpSuM und der erwarteten Nachfrage von 90.000 ankommenden und 55.000 verlassenden Besuchern, wäre das Stadion also auch dann als Warteeinrichtung (inclusive Rasenfläche) um 17:51 voll gewesen, wenn die Rampe um 17 Uhr noch leer gewesen wäre.

 

 

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Sehr geehrtes Flusspferd,

vielen Dank für Ihre genauen Berechnungen. Ich  glaube übrigens, dass die Rampe bei den Simulationen als unverbaut - also ohne jegliche Hindernisse (keine Polizeiwagen, keine Bauzäune, keine Brezlbuden) - vorausgesetzt wurde. Ich gehe zudem davon aus, dass weder irgendein TraffGo-Mitarbeiter noch (zugegebenerweise) Herr Prof. Schreckenberg vor der LoPa das Gelände angeschaut haben. Die Berechnungen für die Entfluchtung wurden rein virtuell durchgeführt. Das so was als Teil eines "Sicherheitskonzept" akzeptiert und gut bezahlt wird, erscheint mir ebenfalls recht fragwürdig (wenngleich nicht strafrechtlich erheblich).

Ich hoffe nur, dass die StA Duisburg so etwas wie Ihre Berechnungen berücksichtigt. Seit dem heutigen Bericht des "Focus" (Quelle) zweifelt man im Internet an dem Engagement der staatsanwaltlichen Ermittlungen. Siehe hier (xtranews)

Besten Gruß

Henning Ernst Müller

 

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Flusspferd

26.09.2010

Das überrascht mich jetzt. Ich dachte, dass die Ermittlungen an die Staatsanwaltschaft Köln abgegeben worden seien, um Unabhängigkeit zu gewährleisten. Mir persönlich war dies zu wenig, da bei weitem nicht auszuschließen ist, dass die Ermittlungen sich auch gegen Personen richten würden, die (nun) auf Landesebene tätig sind. Aber dass nun (wieder?) Duisburg ermittelt, ist grotesk.

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Sie verwechseln hier die zuständige Kriminalpolizei (das ist Köln) und Staatsanwaltschaft (das war und ist Duisburg).

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Flusspferd

26.09.2010

Ich möchte nochmal die Absurdität des implizit eingeplanten Staus verdeutlichen. Sie - Herr Müller - haben ja schon darauf hingewiesen, dass über einen langen Zeitraum hinweg mehr Personen als zu- oder abströmend erwartet waren als die Entfluchtugnssimulation als verkraftbar oder vararbeitbar (d.h. die Nachfrage überstieg die Kapaizität) auswies.

Bei 1,2 Personen pro Sekunde und Meter (P/(sm)] (S. 64 der Anlage 49) können durch die vorhandene Öffnung von 15 Metern in einer Stunde wie gesagt ca. 65.000 Personen strömen. In der Summe wird dieser Wert laut S. 66 der Anlage 49 "um 15 Uhr" (ich nehme an, die Werte geben Zu- und Ablauf an in der Stunde, die um 15 Uhr beginnt) zum ersten Mal überschritten, nämlich durch 55.000 zu und 50.000 abströmende Besucher. Irgendwo müssen also mindesten (weil Zweirichtungsverkehr) 40.000 Menschen am Ende der Stunde, also um 16 Uhr "im Stau" stehen.

Setzt man dies fort und addiert die Werte auf, ergeben sich folgende Werte für die Mindestgröße des implizit eingeplanten (!) Staus: 17 Uhr: 75.000, 18 Uhr: 155.000, 19 Uhr: 185.000, 20 Uhr: 220.000, 21 Uhr: 225.000, 22 Uhr: 205.000, 23 Uhr: 155.000, 24 Uhr: 95.000, 1 Uhr: 130.000, 2 Uhr: 65.000, 3 Uhr: 0.

Dass das eine theoretische Überlegung ist, weil sich irgendwann nichts mehr bewegt, ist klar.

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Die Leserin

26.09.2010

Sehr geehrter Herr Prof. Müller,

welchen nachvollziehbaren Grund kann es denn gegeben haben, dass die Staatsanwaltschaft eine Durchsuchung in der Duisburger Stadtverwaltung ablehnte? Beim Veranstalter hatte doch auch eine Durchsuchung stattgefunden, um Unterlagen sicherzustellen, und zwar bereits deutlich früher. Wurde da von vornherein auf zwei verschiedene Art ermittelt?

 

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Das ist in der Tat theoretisch, weil es, wie einige Studien (anhand von Luftbildern) ergeben haben, nie die "erwarteten" Besucherzahlen zu den erwarteten Zeiträumen bis auf das Gelände geschafft haben. Da das Gelände erst zwei Stunden später geöffnet wurde, hat sich die geplante Angabe der Zu- und Abgänge ohnehin von vornherein als Luftnummer erwiesen. Schon deshalb konnte es nicht zu den von Ihnen berechneten  in der Tat absurden Stausituationen gekommen. Jedoch haben die weit weniger Personen schon ausgereicht, ein verheerendes Gedränge zu erzeugen. Wäre es nach "Plan" gelaufen, hätte es m. E. noch schlimmer kommen können, zumal man die Bedingungen, die einen freien Durchstrom von Besuchern erlaubt hätte (ohne die erwähnten Hindernisse), gar nicht geschaffen hatte. In der Tat ein Versagen auf mehreren Ebenen.

 

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Flusspferd

26.09.2010

Gibt es eigentlich schon eine Begründung dafür, warum die zweite Rampe vollkommen ungenutzt geblieben ist? Der Satz mit der getrennten Zuwegung in Anlage 49 hat mich nachdenklich gemacht. War vielleicht ursprünglich etwas in der Art wie hier http://c.imagehost.org/view/0557/getrennt von mir skizziert geplant? Zur Erläuterung des Bildes:

  • Ein Kästchen steht für 4x4 Meter²
  • Die blaue Fläche (also die kleine Rampe, 12 Meter breit) wird zum Verlassen des Geländes genutzt
  • Die rote Fläche (Teil der großen Rampe, 16 Meter breit) wird zum Betreten des Geländes benutzt.
  • Die grüne Fläche wird von den Besuchern nicht benötigt, da es nicht nötig ist, dass ein Weg unterwegs breiter wird. Das würde die Kapazität nicht erhöhen. Die grüne Fläche könnte von Einsatzkräften genutzt werden. Sie ist überall mindestens 4 Meter breit, also selbst für Fahrzeuge geeignet. Durch diese Fläche kommt man an vielen Stellen recht nahe an die Besucherströme heran.
  • Die gelben Linien sind zusätzliche Absperrungen. Sie sind natürlicherweise zwischen den unterschiedlich genutzten Flächen. Da sie sich die gesamte Hauptrampe hinauf erstrecken müsste, wären einiges Sperrmaterial benötigt.

Da vor dem Ende der Veranstaltung zwei Stunden lang praktisch keine Besucher das Gelände betreten, hätte die rote Fläche gegen 23 Uhr "umgewidmet" werden können. Der Ansturm am Ende der Veranstaltung wäre dann mit insgesamt 28 (oder gar 32) Metern nicht zwingend zu einem Problem geworden. Das wäre von der Art abhängig gewesen, wie man die Veranstaltung enden lässt.

Lässt man also das Ende der Veranstaltung außer Acht, würde sich bei 1,2 P/(sm) der größte Stau im Zustrom zu 21.000 Personen ergeben und der größte Stau beim Verlassen ebenfalls 21.000 Personen. Legt man 1,3 P/(sm) zu Grunde sind die Zahlen 15.000 und 14.000 und schon bei 1,6 P/(sm) 0 und 1.000.

Mir drängt sich da der Verdacht auf, dass die Tabelle auf S. 66 oben der Anlage 49 an ein Konzept wie das von mir skizzierte und verlinkte angepasst wurde. Es passt einfach zu gut (wenn man davon absieht, dass es keine Reserven und Sicherheiten gibt außer einen größeren grundlegenden Flusswert anzunehmen): Der Zustrom "ballt" sich etwas stärker als der Abstrom, was gut dazu passt, dass die eine Rampe etwas kleiner ist als die andere und schwierig wird es zwar zwischendurch aber nur kurzzeitig; das beruhigt und führt trotzdem zu anhaltender Aufmerksamkeit und ggf Geldzuschüssen etc..

Dann ergäbe sich jedoch die Frage, warum letztlich von einer solchen Planung abgewichen wurde? Es ist ja keine kleine Änderung, denn durch sie werden die Besucher ab dem Bahnhof statt in eine in zwei Richtungen geschickt.

Mögliche Gründe, die mir einfallen:

  • Die kleine Rampe war in einem unbrauchbar schlechten Zustand.
  • Am Bahnhof war es nicht möglich den gesamten Strom in eine Richtung zu schicken
  • Um die gesamten 16 Meter des Tunnels zu nutzen, muss man Vereinzelungsanlage auf einer Breite von mehr als 16 Metern aufstellen, schließlich reduzieren diese den Fluss. Der hierzu notwendige Platz stand am Osteingang des Tunnels nicht zur Verfügung.

Wie gesagt: mit dieser Rechnung soll nicht gesagt sein, dass es im Prinzip möglich gewesen wäre die Loveparade auf diesem Gelände sicher abzuhalten. Auch ein Stau von 21.000 Personen ist noch groß und auch dieses Konzept ist noch zu sehr "auf Kante genäht". Mehr Besucher als erwartet oder ein Feuer o.ä. im Tunnel hätten auch in dem oben verlinkten Wegeplan Probleme verursacht. Aber immerhin wäre es nicht mit Sicherheit gescheitert wie das tatsächlich gewählte Konzept.

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Flusspferd

26.09.2010

Als Antwort auf Beitrag von 23:04 Uhr.

Entschuldigung, da habe ich vergessen etwas zu erwähnen: wenn ich oben vom "Stau" schreibe, heißt dies nicht, dass die Personen im Stau sich in unmittelbarer Nähe der Engstelle befinden müssen. Durch gute Organisation kann man den Stau mehr oder weniger verteilen. Wenn also der Beginn des Einlasses verzögert wird, heißt dies nur, dass der Stau noch größer wird als in den Zahlen angegeben, wo auch immer diese Personen sich dann stauen: am Fuß der Rampe, im Tunnel, vor dem Tunnel, auf dem Weg zum Tunneleingang, im Bahnhof oder gar in Zügen an anderen Bahnhöfen des Ruhrgebietes. 225.000 aufgestaute Personen hätten aber selbst bei bestem "crowd management" auf den genannten Flächen keinen Platz gefunden.

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Sehr geehrte Leserin (# 12),

wie die Staatsanwaltschaft bei ihren Ermittlungen vorgeht, ist natürlich weitgehend eine Sache des Ermessens und auch der Ermittlungstaktik. Man kann da schon einen  Unterschied machen zwischen Privatpersonen / -firmen und einer Stadtverwaltung (bei der man erst einmal davon ausgeht, dass sie grds. auf Anforderung alles herausgibt). Ermittlungstaktische Unterschiede können sich auch aus schon festgestellten Anhaltspunkten ergeben, z.B. wenn man die Verantwortlichkeiten innerhalb der Stadt schon aus den sichergestellten Akten erkennen kann. Alles weitere wäre (zu diesem Zeitpunkt) Spekulation.

Besten Gruß

Henning Ernst Müller

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Felix Licht

27.09.2010

Lieber Herr Prof. Dr. Henning Ernst Mueller,
ist es von strafrechtlicher Relevanz wäre das Partygelände Asbest verseucht, da die Besucher, die sich dort aufhielten gänzlich in Staubwolken gehuellt waren bedingt durch die Bewegungen der Floats? Gesetzt den Fall es wäre so, hätte ein Reporter kurzfristig das Recht erste Bodenproben der Oberfläche zu entnehmen, um diese einem unabhängigen Chemiker zu uebergeben? Wer könnte es verlassen, in tieferen Schichten graben zu lassen, da dort der alte Asphalt der naheliegenden Autobahn zu finden ist? Das Gelände ist abgesperrt und 24 Stunden bewacht. Angenommen die Firmen Aurelis und Krieger weigern sich, was wäre zu tun?


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loellie

27.09.2010

Sehr geehrter Herr Licht,

 

ich empfehle ihnen dringend einen ausreichend dimensionierten Presslufthammer für ihre Asbestbohrung. Sie werden sich wundern wie widerspänstig 30 bis 50 cm in mehreren Schichten aufgetragener und verzahnter Schotter ist.

 

Der alte Güterbahnhof ist übrigens tatsächlich kontaminiert, wahrscheinlich sogar schwer, nämlich mit Unkrautvernichter. Wie jeder andere Meter Gleisstrecke auf diesem Planeten, aber auch diese Giftstoffe können genausowenig wie ihr nichtvorhandenes Asbest durch die Schotterdecke kriechen. Den von ihnen bereits mehrfach ignorierten Link zum Bauforum, in dem die Arbeiten am Gelände seit Jahren dokumentiert werden, spare ich mir an diese Stelle.

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Herr Licht,

ich möchte Sie bitten, beim Thema zu bleiben. Für eine Asbestverseuchung gibt es keinen Anhaltspunkt, und eine solche würde ohnehin nicht durch einen einmaligen Besuch eines Geländes unter freiem Himmel ausgelöst. Hier wollen wir uns mit dem Thema befassen, das in meinem Ausgangsbeitrag angesprochen ist. Vielen Dank für Ihre Kooperation.

Besten Gruß

Henning Ernst Müller

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julius

01.10.2010

Betreff Baustellengitter auf der Rampe

 

Anhand von
http://www.luftbild-west.de/images/djcatalog/loveparade_240710%20015_a.jpg

habe ich festgestellt dass die Einbauten "Baustellengitter" auf der Rampe,
bei der die Polizeikette von 14Uhr bis 14:28 positioniert war
Einen Durchlaß von exakt 10m frei läßt.

wer hatte diese Idee ?

vielleicht sind die Überlegungen von

http://www.xtranews.de/2010/08/29/analyse-wie-und-von-wem-wurden-die-bes...

nicht so sehr  daneben.

mffffgggg

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Flusspferd

02.10.2010

Der Artikel auf xtranews ist recht spekulativ und enthält Elemente einer Verschwörungstheorie, so werden Informationen, die nicht ins Konzept passen als "fingiert" (zB Interview mit dem "Crowd Manager") abgetan.

 

Wie genau kann soll man aus diesem Luftbild die Durchlassbreite erkennen können? Auf den VIdeos, die Lopavent ins Internet gestellt hat, sind die Gitter tatsächlich zu erkennen, aber selbst dann muss man ein bisschen rechnen und kann nicht einfach messen (wegen Winkel- und ggf auch Linsenverzerrung).

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Flusspferd

03.10.2010

Ich muss gestehen, dass die Strategie des Veranstalters durch Veröffentlichung der Aufnahmen der Überwachungskameras die unmittelbare Schuld on sich und in Richtung Polizei zu verweisen bei mir ein wenig verfangen hat.

 

In dieser http://live.loveparade.com/fkxt76kdrf887t/videos/kameras/kamera13/hires/... Sequenz von Kamera sieht man, dass um 15:32:42 rechts hinten ein Zaun kippt und die Besucher das eigentliche Gelände nach rechts über den Hang erreichen statt die Rampe bis zum Ende zu gehen. Rasch kippt Zaun um Zaun und immer mehr Breite des Abhanges wird (auf die Kamera zu) als Weg verwendet.

 

Ca. 90 Sekunden später haben sich die Polizisten, die sich zuvor im unsinnigerweise abgesperrten Bereich entlang der Rampe verteilt aufgehalten haben, hinten in diesem Bereich versammelt. Es hat den Anschein als würden sie gegen die Situation ankämpfen, um die Ordnung wieder herzustellen, sprich die Besucher vom Abhang zu verbannen. Die Besucher laufen dann auch um einen Pulk Polizisten (dunkelgrün zu erkennen) herum, der quasi an statt des Zauns als Begrenzung wirkt und verhindert, dass der Abhang komplett als Weg genutzt wird.

 

Um 15:34:15 schwenkt die Kamera weg (wie häufiger, wenn man den Eindruck hat, dass es gerade besonders interessant wird). Als sie um 15:38:49 zurückschwenkt, sieht es am Abhang tatsächlich wieder geordneter aus, anders ausgedrückt: weniger Breite des Abhanges wird als Weg genutzt.

 

Der nächste Film http://live.loveparade.com/fkxt76kdrf887t/videos/kameras/kamera13/hires/... beginnt dann auch mit einer relativ geordneten Situation am Abhang. Ich meine, dass man erkennen kann, dass die Polizisten den Zaun "verstärken". Um 15:42:00 kippt er etwas weiter unten jedoch wieder (was nichts anderes heißt, als dass die Polizisten ihn zwischenzeitlich aufgerichtet haben müssen). Wenn die Polizisten auf der Rampe tatsächlich alle ganz hinten am Zaun stehen, strömen die Massen nun "in ihren Rücken". Der Abhang wird noch stärker genutzt als zuvor. Um 15:43:11 zoomt die Kamera wieder weg. Aber um 15:43:40 sieht man kurz aber recht gut, dass wieder Polizisten versuchen den Zaun aufrecht zu stellen. In Der Minute 15:44 kommen zwei Polizisten den Abhang herunter und unten scheint man die Bemühungen aufzugeben. Um 15:45:50 tragen Polizisten noch ein Gitterherbei und versuchen es in die Menge zu schieben, allem Anschein nach um den Strom zu stoppen, was aber nicht gelingt. Die restlichen Polizisten kommen von oben herunter. Spätestens um 15:47:24 habe ich den Eindruck, dass die Polizei an dieser Stelle einsieht, dass sie ihr Vorhaben den Abhang frei von Personen zu halten nicht umsetzen kann. Sie zieht sich nach unten (Richtung Kamera) zurück. Um 15:49:01 befindet sich kein Polizist mehr am äußersten noch stehenden Zaun.

Hat die Polizei diese Erfahrung als so bedenklich oder bedrohlich eingeschätzt, dass sie den Beschluss fasste, dass der Nachstrom unter allen Umständen unterbunden werden musste? Um 15:50:15 zeigt Kamera 15, wie die Sperre im Westtunnel errichtet wird. http://live.loveparade.com/fkxt76kdrf887t/videos/kameras/kamera15/hires/... und um 16:02:23 zeigt Kamera 13 zum ersten Mal die absolut kontraproduktive Polizeisperre auf der Rampe selbst.http://live.loveparade.com/fkxt76kdrf887t/videos/kameras/kamera13/hires/Kamera13_1600_1620.mp4 Zunächst dürfen dort noch Besucher, die gehen wollen, passieren. Später (schon 16:12 ?) geht das nicht mehr, ob polizeilich gewollt oder von den Umständen erzwungen sei dahin gestellt. Immerhin führt der nachlassender Strom dazu, dass der Abhang weniger begangen wird, was die Kamera sogar mit Großeinstellung um 16:05:27 zeigt. An der Sperre jedoch ist die Situation schon um 16:12 eigentlich angetan den Polizisten vor Ort klarzumachen, dass es so nicht gehen kann. Man weiß natürlich nicht, welche (Fehl-)Informationen das Polizeipersonal da und um die Zeit hatte. Aber bei gegenläufigen Strömen - das dürfte auch dem Laien klar sein - ist das schlimmste was passieren kann,  dass die Spuren, in denen die Ströme abwechselnd laufen sich auflösen und es zu einer Blockade kommt. Das hat die Polizei hier absichtsvoll herbeigeführt. Wie geschrieben, kann es sein, dass die Sperre auf der Rampe unter der Voraussetzung und Annahme errichtet wurde, dass es keine zwei Richtungen gibt, dass also von außen her keine Befüllung statfindet. Aber warum hielt man dann die Verlassenswilligen zurück? Wie sollte das um 16:12 weitergehen, wenn man die Sperren nicht aufhebt, außer so, dass alles nach und nach "vollläuft"? Man kann von Prof. Schreckenbergs Interviews nach dem Unglück halten, was man will, aber er hat vor der Veranstaltung darauf hingewiesen, dass der Fluss aufrecht erhalten werden muss. Auch in Anlage 49 steht etwas derartiges. Wie kann es sein, dass bei der Polizeileitung eine so andere (falsche) Intuition vorliegt? Fairerweise muss man sagen, dass nicht sicher ist, dass alles glimpflich abgelaufen wäre, hätte die Polizei nicht in der Weise eingegriffen, wie sie es tat. Die Zustände am oberen Rampenende waren nicht mehr ohne.

Ab 16:16:35 sieht man, wie ein Polizist mit Vehemenz versucht einen Besucher am Übersteigen des Geländers am linken Bildrand unten zu hindern. Zuvor schon gab es eingies Katz- und Maus-Spiel um das Betreten des Geländes in dieser Weise zu verhindern. Dieser Energieaufwand seitens der Polizei, um für einzelne zu verhindern, dass sie von einer Seite auf die andere wechseln ist erstaunlich, aber wohl dem Prinzip geschuldet. Schon um 16:17:15 übersteigt der erste das Geländer auf der kleinen Treppe.

Im sogenannten "Dokumentarfilm" der Veranstalter http://live.loveparade.com/fkxt76kdrf887t/videos/dokumentarfilm_hires.mp4 heißt es , dass die kleine Rampe als Ausgang genutzt worden sei (6:21). Kamera 15 zeigt jedoch, dass dort Sperrgitter standen, die zwar ein Schlupfloch ließen, wodurch aber (nach den Videoaufnahmen) geschätzt kaum einige hundert Personen pro Stunde gingen. Entweder der Ausgang war schlecht ausgeschildert oder schlecht zu erreichen. Unter Umständen haben dadurch mehr Personen das Gelände über die große Rampe verlassen als geplant. Das Gitter auf der kleinen Rampe weist aber darauf hin, dass nur winzige Ströme für die kleine Rampe geplant waren und die großen Zahlen des Bewegungsmodells durchaus über die große ampe abgewickelt werden sollten.

 

 

 

 

 

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Flusspferd

03.10.2010

An Julius: auch die Überwachungskameravideos, die die Gitter auf der Rampe klar zeigen, lassen mir die Lücke als breiter als 10 Meter erscheinen. Tatsächlich scheint sie mir nun aber kleiner als 15 Meter zu sein. Wenn ich alle Bauzäune zusammenzähle, komme ich auf vier Stück, die die Breite der Rampe insgesamt einschränken. Das macht eine Reduktion um 14 Meter. Da ich mit den AUfnahemen auch besser identifizieren konnte, wo sie standen, konnte ich bei Google Maps auch nochmals besser nachmessen und kam auf 26 Meter, die die Rampe an der Stelle hat. Somit hat der Durchlass eine Breite von rund 12 Metern. Um dort 145.000 Personen in einer Stunde durchzuschleußen, wie es das Bewegungsmodell zwischen 17 und 18 Uhr vorsah, hätte es eines Flusses von 3,36 Personen pro Sekunde und Meter der Durchlassbreite bedurft. Umgerechnet bedeutet dies, dass 10 Personen einen Raum durch eine Standardtüre (1,2 Meter breit) in 2,5 Sekunden verlassen können müssten.

Da im Video nur selten zu sehen ist, dass der Durchlass Anlass für Stau ist, war nur über ganz kurze Zeiten ein kombinierter Zu- und Abstrom von mehr als 86400 P/h vorhanden, meist sehr viel weniger. Entweder das Bewegungsmodell ging also on zu großen Zahlen aus, oder der Rückstau bildete sich anderswo, zB an den Vereinzelungsanlagen an den Außenseiten des Tunnels.

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julius

03.10.2010

@Flusspferd

Wie genau kann soll man aus diesem Luftbild die Durchlassbreite erkennen können?

 

zuerst mit Google Earth die Breite der Rampe an dieser Stelle messen. etwa 27,33m

dadurch dass diese Aufnahmen aus größerer Höhe sind sind die Verzerrungen, Ungenauigkeiten

 gering.

dann das Bild von Lufbild West an dieser Stelle die Pixelanzahl messen

da ich nicht die Orginalaufnahme gekauft habe, sondern nur das im www zugängliche verwendete

habe ich die Auflösung vervierfacht "Irvanview"

dann ein bisschen rechnen

oder

.bei einer Breite von 27,3m

5 Baustellengitter

2 links  3 rechts a3,5m ergibt 17,5m

plus die Füße und Verbindungselemente quer aufgestellt ergibt etwa 18m plus x

27.3 minus 18,x

 da mußte auf der rechten Seite, neben dem Brezelstand, das eine Element "kunstvoll" schräg gestellt werden. um auf  10m Durchlaß zu kommen.

 

zum

Interview mit dem "Crowd Manager  beim Spiegel

kann ich nur auf meine angelesenen Informationen  zurückgreifen.

danach hatte er 2 Monitore in seinem Container

zur Überwachung von 17 Kameras

auf denen er jeweils 4Kameras anzeigen konnte.

also höchstens 8 gleichzeitig.

ich weiss nicht wie groß diese Monitore waren.

jedenfalls gibt es auch Kommentare der Polizei zu seiner Ausrüstung.

 und leider war die Polizei "auch" auf diese Monitore  und den Kamerasteuermann angewiesen.

 

wenn ich mir seine Kamerasteuerung anschaue

Verzweifelte Suche nach Ordnern.

erinnerte ein bischen an Sid Meier's Civilization

Elemente einer Verschwörungstheorie ?

im Vorfeld war schon die Rede davon, "Lopavent"

 dass mit Hilfe einiger Kameras auf genau festgelegter Messfeldern die Belegung des Geländes ermittelt wird.

mich interessiert mehr, wer für das Plänechaos verantwortlich ist.

auf

http://www.spiegel.de/video/video-1077726.html

Rekonstruktion der Loveparade (1)
Die amtlich genehmigte Katastrophe
bei 09:53 "Krisenstab" ist zu sehen dass der Plan der Rampe nicht aktuell ist.

für mich sieht das so aus, als ob rechts die alten Bauhütten, die man bei Google Erde von 2006

sieht ,  eingezeichnet sind.

jedenfalls mit der Realität auf der Rampe hat dieser Plan nicht viel gemeinsam.

übrigens

wahrscheinlich das einzige Video im Netz, auf dem die Besetzung des Krisenstabes zu sehen ist.

 

mfffffggg

 

 

 

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Flusspferd

03.10.2010

Die Bauzäune waren gegeneinander versetzt, da sie - um größere Standstabilität zu gewährleisten - teilweise als Dreiecke aufgebaut waren. In der Summe standen soviel ich erkennen konnte im Osten 2,5 und im Westen 1,5 Bauzäune. Pixelzählen ist nur eingeschränkt geeignet zum Feststellen von Distanzen, da jede Kameralinse eine Eigenverzerrung hat, die Richtung Rand zunimmt. Aber wie auch immer. Ob 10, 12 oder 15 Meter. Es war (eigentlich) zu wenig.

Die Spiegel-Dokumentation ist an dem Punkt veraltet: Nadelör war nicht der Tunnel, sondern eben dieser Durchlass. Ich weiß nicht, ob dem Spiegel am 2.8. die Konfiguration dieser Zäune noch nicht bekannt war oder ob den Journalisten nicht bewusst war, dass das Kapazitätsbestimmende Nadelör nicht eine dunkle, sondern die engste Stelle ist (und dass man die beiden Tunnel in ihrer Breite natürlich addieren muss).

Zurück zum Durchlass auf der Rampe: Er war eigentlich zu schmal, aber man sieht auf keinem Teil der Aufnahmen von Kamera 13, dass die Engstelle für sich einen größeren bzw länger anhaltenden Stau ausgelöst hätte. Erst die Polizeikette hat dies künstlich bewirkt. Noch um 15:20 zwang der Durchlass die Besucher zwar langsamer zu gehen, hat jedoch nicht zu Stillstand geführt. Man kann viel spekulieren, was eine Stunde später auch ohne Polizeikette passiert wäre. Vielleicht hatte die Polizei vom HBf her auch andere Informationen, was nun auf sie zukommt, aber alle diese Spekulation ist müßig.

Vorbehaltlich also des Nichtwissens darum, wie es außerhalb des Geländes aussah, wo keine Kameraaufnahmen veröffentlicht wurden, scheint es so, als hätte es die größte Dichte und die am unordentlichsten erscheinenden Zustände am oberen Ende der Rampe gegeben. Nun also doch eine Spekulation meinerseits: die Polizei hat sich dadurch zu Aktivität aufgefordert gefühlt.

Aber wo stoppt man den Zustrom, wenn man die Zustände am Ende des Weges verbessern will? Eine Etappe vorher? Zwei Etappen? Was dann passiert, hat man gesehen. Was hätte geschehen müssen, ist den Zustrom jenseits aller außergewöhnlicher Zustände stoppen. Bei der Art (Enge) wie die Veranstaltung geplant war, hätte es vermutlich nicht gereicht außerhalb der Tunnel zu sperren, weil es auch dort dann zu extremen Zuständen gekommen wäre. Auch auf den Wegen unterwegs hätte das Problem bestanden und natürlich auch am oder im HBf selbst. Erst in den zuführenden Zügen der DB und auf den Autobahnen erreicht man den Punkt, wo der "Stern" der Zuwegung beginnt (bzw. endet). Ab dem HBf war Enge geplant. Ab da bis hin zu den Floats musste jede Maßnahme Druck von einer Stelle zu nehmen nur Druck an anderer Stelle aufbauen. Die Polizisten an dem Abhang hätten also Züge in ganz NRW stoppen müssen, um - nach einiger Zeit - sicher die Zustände vor ihren Augen zu bessern.

Man mag einwenden, dass es vom Bahnhof zum Tunnel genügend Seitenstraßen gab, in die die Menge sich hätte verteilen können. Aber das tut die feierwütige Menge nciht oder wirklich erst dann, wenn sie weiß, dass es definitiv keine Party mehr geben wird. Und was tut man dann mit den ganzen Menschen, die dann natürlich in großen Anteilen und daher großer Zahl wieder zum Bahnhof strömen?

 

Was also zu beantworten sein wird:

- Warum wurde die kleine Rampe im Westen von so wenigen Besuchern zum Verlassen des Geländes verwendet?

- Warum gab es im Tunnel keine bauliche Trennung der Zu- und Abströme und wer hatte dies zu verantworten?

- Warum standen die Bauzäune auf der Rampe und wer hatte dies zu verantworten?

- Warum wurden Bauzäune statt geeigneter Absperrmaterialien verwendet und wer hatte dies zu verantworten?

- Warum hat niemand bemerkt, dass die Durchlassbreite von rund 12 Metern nicht zum Bewegungsmodell passt? Bzw warum wurde dies ignoriert?

- Was war der Anlass für die Polizeisperren?

- Warum dachte man dadurch die Situation verbessern zu können?

- War der Polizei das veranstalterische Allgemeinwissen wie von Prof. Schreckenberg (und vermutlich auch anderen) vorher betont nicht bekannt, dass man den Fluss aufrechterhalten muss statt ihn zu stoppen?

- Gab es geeignete Kommunikationsmittel von Polizei und Veranstalter unter- und zwischeneinander?

- Wenn nicht, warum und wer hatte dies zu verantworten?

- Gab es ausreichend Möglichkeit die Besucher ab Bahnhof bis zu den Floats zu informieren?

- Wenn nicht, warum und wer hatte dies zu verantworten?

- Wenn ja, warum wurden diese nicht genutzt und wer hatte dies zu verantworten?

- Wer trägt die Verantwortung dafür, dass mehrere Experten und auch Behördenmitarbeiter mit ihren klaren Warnungen ignoriert wurden?

- Was war die Qualifikation aller Beteiligten? Wieviel Erfahrung mit welchen Veranstaltungen können diese aufweisen? Welche Schulungen gab es? Und wer hat ggf zu verantworten, dass zu gering qualifiziertes Personal zum Einsatz kam? Gab es die ausgesprochene oder unausgesprochene Annahme fehlende praktische Erfahrung und Qualifikation durch Hinzuziehen eines Theoretikers wie Prof. Schreckenberg kompensieren zu können? Hat Prof. Schreckenberg seine Qualifkationen und Erfahrungen im Vorfeld korrekt dargestellt und darauf hingewiesen, dass allgemeines theoretisches Wissen praktische Erfahrung nicht ersetzen kann?

- Im Zusammenhang mit dem Thema "Qualifikation": Wurde die Veranstaltung in der Planung vor dem Wissen um vergangene Massenkatastrophen bewertet?

- Wenn nicht, warum nicht und wer hat dies zu verantworten?

- Wenn ja, warum wurde dann aus dem Vergleich mit ganz bestimmten Desastern keine Konsequenzen gezogen und wer hatte dies zu verantworten?

 

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julius

03.10.2010

Flusspferd schrieb:

wo sie standen, konnte ich bei Google Maps auch nochmals besser nachmessen und kam auf 26 Meter, die die Rampe an der Stelle hat.

 Entweder das Bewegungsmodell ging also von zu großen Zahlen aus,

links war der Zaun hinter dem Treppenabsatz, an der nach oben durchlaufenden Mauer befestigt .

daher die Differenz zwischen unseren Messungen

rechts  3 Gitter

an der Mauer ein Dreiecksverbund quer    dann 2Gitter in Längsrichtung nach oben zur Stabilisierung ?

dann ein Gitter schräg nach oben etwa 90 Gradwinkel

daran anschließend nochmal ein Dreiecksverband quer .

davor  der Brezelstand     Kamera 13  zB. 13:30 gut zu sehen

 

"das Bewegungsmodell ging also von zu großen Zahlen aus"

 

diesen Eindruck habe ich auch

bei 10m Durchgang ;-}

erst ab 14Uhr wird der Durchfluß stärker  ? 20 Personen pro sec ?

man wollte Bilder von Menschenmassen ? deswegen die "Verdichtungen." ?

Vorsperren

das Gelände wird erst um 12 geöffnet

keine Beschilderung der Nebenrampe als Ausgang.

keine Informationen über das Gelände (Detail-Plan) für die Besucher  (Flyer etc) keine Feuerwehrpläne.

Desorientierung als System um die Besucher auf dem Gelände zu halten.

 

http://www.wdr.de/themen/panorama/loveparade_2010/aktuell/100726_fragen....
Neudorfer schrieb am 28.07.2010, 18.18 Uhr:

Alle reden nur vom Tunnel,der Hautgrund der Tragödie war der Stau vor den Umzugwagen die viel zu nah an der Rampe entlang gefahren sind hier waren keine Ordner keine Wegweiser oder Hilfen.Leute die nach Hause wollten mussten sich nach unten Kämpfen,wir brauchten eine halbe Stunde bis wir da raus waren,

"Kommentar gekürzt"

eine halbe Stunde für 50 bis 100m !!

http://www.derwesten.de/staedte/duisburg/Loveparade-muesste-in-Duisburg-...

Loveparade in Duisburg? Womöglich auf dem früheren Güterbahnhofsgelände? "Halte ich für clever", sagt Dr. Hubert Klüpfel. Der Physiker simuliert Bewegungen von Menschenmengen

 

einige wollten anscheinend noch cleverer sein .

mfffgggg

 

 

 

 

 

 

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Die Leserin

03.10.2010

Zitat: > Warum wurde die kleine Rampe im Westen von so wenigen Besuchern zum Verlassen des Geländes verwendet? <

Die kleine Rampe war lange Zeit gesperrt. Es war vermutlich klar, dass sie sofort auch als Eingang benutzt wird, sobald man sie öffnet. Wie hätte man das denn auch verhindern sollen?

Nach Sperrung der Hauptrampe irrten Raver, die das Festivalgelände verlassen wollten, umher und fanden nirgendwo einen Ausgang. Sie versuchten vergeblich, Polizisten und Ordner dazu zu überreden, Notausgänge zu öffnen. Wäre die kleine Rampe zu diesem Zeitpunkt nicht gesperrt gewesen, so hätten sie diesen Ausgang eigentlich bei ihrer irgendwann schon geradezu verzweifelten Suche finden müssen.

Die Öffnung der kleinen Rampe wurde schließlich (sehr merkwürdig spät) vorgenommen, um sie als Eingang zuzulassen, damit die Leute aus dem Tunnel rauskommen konnten, nachdem die Hauptrampe bereits eine ganze Zeit lang gesperrt war.

Die Feuerwehr hatte sich ja mit der Sperrung der Hauptrampe nur unter der Bedingung einverstanden erklärt, dass die kleine Rampe als Eingang geöffnet wird. Dies geschah allerdings mit erheblicher Zeitverzögerung, die von der Polizei auf Anfrage der Presse damit erklärt wurde, der Veranstalter sei für die Öffnung dieser Rampe zuständig gewesen.

Wenn ich Luftaufnahmen richtig gedeutet habe, dann liefen einige Zeit nach der Öffnung auch auf der kleinen Rampe zwei Personenströme aufeinander zu (Abgänger und Aufgänger), die sich höchstwahrscheinlich dann ebenfalls weitgehend blockiert haben dürften.

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Die Leserin

03.10.2010

Kleine Rampe: Hier ist so eine Luftaufnahme von 16:43 Uhr, also kurz nachdem auch die Hauptrampe wieder geöffnet war:

http://www.mik.nrw.de/hom/doks/100728_foto%20rampe1.pdf

 

Zitat: > - Warum gab es im Tunnel keine bauliche Trennung der Zu- und Abströme und wer hatte dies zu verantworten? <

Man hat den Tunnel ja bei der Planung immer wieder ausgeklammert. Deshalb gab es da auch keine Personenstromplanungen.

Verantwortlich dafür sind alle an der Planung der Loveparade an diesem Ort Verantwortlichen, also Veranstalter, die städtischen Genehmigungsbehörden, aber auch Polizei und Feuerwehr, denen diese Planungslücke ebenfalls nicht auffiel.

Wenn man schon auf die Idee gekommen wäre, im Tunnel für eine Trennung der Zu- und Abgänger zu sorgen, dann wäre auch der Gedanke naheliegend gewesen, dass es dort eigentlich laut Versammlungsstättenverordnung für Einsatzfahrzeuge der Rettungsdienste eine zusätzliche, freizuhaltende Spur hätte geben müssen. Dann aber wäre der Tunnel endgültig zu eng geworden.

Tatsächlich sind ja vor allem Polizeifahrzeuge einfach durch die zusammengeballte Menschenmasse gefahren, so z.B. zum Schichtwechsel gegen 15:30 Uhr (da haben die Fahrzeuge, die auf der Rampe geparkt waren, meinen Infos nach sogar auf der überfüllten Rampe gewendet).

Es ist mir ein haarsträubendes Rätsel, wie man so etwas planen konnte !!

Aber auch hierfür gilt vermutlich, dass ganz einfach gar nichts geplant wurde.

Als es dann soweit war, da hieß es offenbar: Schichtende ist Schichtende, also fahr'n mer nach Haus'. Punkt. Einsatzplan ist Einsatzplan. Davon kann man schließlich nicht einfach abweichen, weil vor Ort eine Gefahr besteht. Und wenn für das Wenden und Fahren der Mannschaftsfahrzeuge kein Platz ist - na, dann wird eben ohne Platz gewendet und gefahren.

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Die Leserin

03.10.2010

Mir sind gerade zwei Dinge aufgefallen:

 

1) Der seltsam späte Zeitpunkt für das Ergreifen der Maßnahmen:

In diesem Spiegel-Interview erzählt der Crowd-Manager, Schichtwechsel der Polizei sei um 14 Uhr gewesen:

http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,710875,00.html

Bei Kerner/Sat1 heißt es, Zitat: > 15: 30 Uhr - Der Veranstalter bittet die Polizei um Unterstützung:

Besucher reißen die Zaunabsperrung auf der großen Rampe zum Böschungsbereich West nieder um den Weg zum Veranstaltungsbereich zu verkürzen. Zwischen 15:12 Uhr und 15:34 Uhr erfolgt ein Schichtwechsel der Polizei. Fünf Polizeifahrzeuge fahren von der großen Rampe in den Tunnel Ost. Zwei weitere Polizeifahrzeuge verlassen die kleine Ausgangsrampe und schließen sich den abfahrenden Fahrzeugen Richtung Osten an. <

Quelle: http://www.sat1.de/kerner/sendung/themen/46455/

Hier sieht man um 15:29 Uhr die wendenden, durch die Menge wegfahrenden Mannschaftswagen der ersten Schicht:

http://loveparade2010doku.wordpress.com/2010/07/28/loveparade-2010-zeitablauf-sperrungen-und-durchlassungen/

 

Die genauen Uhrzeiten für den gesamten Vorgang des Schichtwechsels könnten wichtig sein, da man sie mit anderen Ereignissen abgleichen sollte.

Dabei muss der Crowd-Manager nicht die Unwahrheit gesagt haben. Vielleicht wurde der Verbindungsbeamte im Container ja um 14 Uhr ausgewechselt, während der große Schichtwechsel später stattfand.

 

Weiter sagt der Crowd-Manager im Spiegel-Interview, Zitat:

> Walter: Schon Stunden zuvor war eine Kommunikation über Handy wegen Netzüberlastung kaum mehr möglich. Und es wurde immer voller. Wir mussten nun handeln. Ich brauchte, den Absprachen gemäß, nun die Unterstützung der Polizei. Ich brauchte den zuständigen Polizeiführer, und zwar ganz schnell. Nur der hätte entscheiden können, das Gelände endgültig abzuriegeln. Das war gegen 14.30 Uhr.

SPIEGEL: Was geschah dann?

Walter: Wir haben beide versucht, den Polizeiführer irgendwie zu erreichen. Ich über die Leitstelle der Security, der Verbindungsbeamte übers Handy.

SPIEGEL: Wie lange hat es gedauert, Kontakt zu dem Polizeiführer zu bekommen?

Walter: Geschätzte 45 Minuten. <

 

Vielleicht hat es ja deshalb so lange gedauert, den Polizeiführer zu erreichen, weil dieser mit dem Schichtwechsel beschäftigt war. Und der Polizeiführer selbst wurde doch in dieser Zeit wahrscheinlich ebenfalls ausgetauscht, oder? Dann musste eine Arbeitsübergabe von einem zum anderen stattfinden. Das könnte eine Weile dauern.

Falls ich richtig liege, wollte der ursprüngliche Polizeiführer vielleicht auch nicht mehr in den letzten Minuten seines Einsatzes Entscheidungen treffen, die dann der nächste Polizeiführer hätte durchführen müssen.

Und Polizeisperren wären bei einem Schichtwechsel schlecht möglich gewesen. weil man a) dann die Polizisten in den Ketten hätte austauschen müssen und b) die Mannschaftsfahrzeuge ja dort durchfahren mussten.

Ergo hätte es wenig Sinn gehabt, vor Abschluss des Schichtwechsels irgendetwas zu sperren, sei es im Bereich Rampe/Tunnel oder davor auf den Zuwegungen.

Tatsächlich fanden die entsprechenden polizeilichen Maßnahmen und auch die Besprechung mit dem Veranstalter (zwecks Aufgabenteilung für die Maßnahmen) erst nach dem Schichtwechsel statt, obwohl der Crowd-Manager Maßnahmen nach eigener Aussage schon deutlich früher einleiten wollte.

Die erste Schicht brauchte von kurz vor 14:30 Uhr an sicher einige Minuten, um durch die Menschenmasse und den Tunnel zu fahren. Um 14.45 Uhr gab es die erste Polizeikette im Tunnel.

Und damit sind wir bei dem zweiten Punkt, der mir auffiel:

 

2) Für Polizeifahrzeuge geöffnete Schleusen?

In welchem Zeitraum insgesamt bewegten sich Polizeifahrzeuge aufgrund des Schichtwechsels durch den Bereich Rampe/Tunnel und durch die Stadt?

Welche Sperren gab es zu diesem Zeitpunkt auf den Zuwegungen (gesperrte Schleusen, Vorsperren etc.)?

Mussten diese für durchfahrende Mannschaftsfahrzeuge geöffnet werden?

Hierzu noch einmal ein Auszug aus dem Spiegel-Interview:

 

> SPIEGEL: Wie lange hat es gedauert, Kontakt zu dem Polizeiführer zu bekommen?

Walter: Geschätzte 45 Minuten.

SPIEGEL: Was geschah in der Zwischenzeit?

Walter: Der Zulauf hatte sich enorm verstärkt. Oben, am Ende der Hauptrampe, stauten sich die Leute und kamen nicht mehr aufs Gelände. Ich habe die Ordner draußen an den Tunneleingängen gebeten, so viele Schleusen wie möglich zu schließen... <

 

Hatte sich der Zulauf womöglich auch deshalb verstärkt, weil Schleusen für die heranfahrende zweite Schicht geöffnet werden mussten?

Und ließen sich die Schleusen anschließend womöglich wieder nicht dicht halten, weil sie nun für die Fahrzeuge der ersten Schicht, die wegfuhr, zu öffnen waren?

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Die Leserin

03.10.2010

Sorry, da habe ich mich vertippt! Falsch sind hier die Uhrzeiten:

Zitat aus meinem letzten Beitrag: > Die erste Schicht brauchte von kurz vor 14:30 Uhr an sicher einige Minuten, um durch die Menschenmasse und den Tunnel zu fahren. Um 14.45 Uhr gab es die erste Polizeikette im Tunnel. <

Gemeint ist 15:30 Uhr bzw. 15.45 Uhr!

 

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Flusspferd

03.10.2010

Hallo Leserin,

für Ihre Fragen nach den Zeitpunkten zu- und abfahrender Polizeifahrzeuge sollten Sie Antworten in den Überwachungskameraaufnahmen finden: http://dokumentation-loveparade.com/kameras

Ich wollte die Aufnahmen lange nicht sehen, weil sie eine Auswahl eines Hauptbeschuldigten darstellen. Wenn man sich aber bewusst macht, dass unter Umständen für den Veranstalter belastendes Material weggelassen wurde, geht das schon. Und die geringe Zahl der Personen, die die kleine Rampe nutzen sieht man auf den Filmen, womit der Veranstalter sich hier meiner Meinung nach selbst belastet.

Ich habe übrigens beim Überfliegen der Aufnahmen von Kamera 15 nicht den Eindruck, dass die kleine Rampe je ganz gesperrt war, es kommen immer wieder Personen, aber eben absolut vereinzelt. In Anbetracht der Gesamtzahl praktisch vernachlässigbar.

Die Spekulationen über die interne Organisation bei der Polizei und Konsequenzen daraus sind meine Sache nicht so sehr. So etwas sollte sehr grundsätzlich bei der Polizei geregelt sein.

Den Crowd Manager halte ich für ein armes Würstchen (im Sinne von "Pech gehabt" nicht "unfähig"), der in eine Situation kam, in der er chancenlos war und nichts mehr retten konnte. Ähnliches gilt für die Lieferanten der beiden Gutachten (Brandschutz und Entfluchtung). Die waren einfach zu kleine Räder, um etwas ändern zu können. Hätten sie ein Ergebnis geliefert, das nicht gepasst hätte, wären die Auftraggeber zum nächsten Anbieter gegangen. Zudem ist fraglich, welchen Einblick die Gutachter in das Gesamtprojekt hatten. Wie schon gesagt, erscheint die Rampe im Entfluchtugnsgutachten unverbaut, hinzu kommt diese gelb markierte Anmerkung zur Trennung der Wege. Ich halte es für möglich, dass die Gutachter "besondere" Informationen erhielten, mit denen sie dann gearbeitet haben ("erzähle denen nichts vom Brezelstand, wenn etwas passiert, können wir den für die Entfluchtung immer noch wegschieben"). Oder die Grundlagen der Gutachten waren zu einem Zeitpunkt korrekt, wurden aber später wieder über den Haufen geworfen.

Dass Personen zurück gehalten wurden, um Bilder größerer Anzahlen zu produzieren, halte ich für ausgeschlossen. Das Personal ist bei solchen Veranstaltungen immer so knapp kalkuliert, dass eine solche Luxusaktion niemandem in den Sinn käme.

Wegen eines Zusatzweges für Rettungskräfte siehe mein oben (#14) verlinktes Bild mit Beschreibung. Zumindest für einen Tunnel wäre es gegangen ohne sich - bei Richtungstrennung - etwas zu nehmen.

Wenn viel weniger Leute an der Rampe ankamen als zuvor prognostiziert, kann es auch daran liegen, dass es zwischen Bahnhof und Tunnel riesige Staus gab. Ich habe kurz nach der Katastrophe irgendwo gelesen, dass die Polizei den Veranstalter deswegen darauf gedrängt hat die Kontrollen an den Schleusen weniger strikt zu machen, um mehr Leute einzulassen, um diese Staus zu reduzieren. Gibt es von der Situation außerhalb irgendwo übersichtliche Aufnahmen?

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Die Leserin

03.10.2010

Zitat von Flusspferd: > Die Spekulationen über die interne Organisation bei der Polizei und Konsequenzen daraus sind meine Sache nicht so sehr. So etwas sollte sehr grundsätzlich bei der Polizei geregelt sein. <

Wenn sich die Ergreifung von Maßnahmen durch den Schichtwechsel der Polizei insgesamt um mehr als 1 Stunde verzögert haben, dann ist das ein Punkt, der wesentlich zur Zuspitzung der Situation beigetragen haben düfte. Auch für die Fahrzeuge geöffnete Schleusen könnten die Situation sehr verschärft haben.

Deshalb ist das ein Punkt, den man sich zur Aufklärung m.E. genauer ansehen sollte. Es ist die Frage, ob sich Polizisten, wenn eine Gefahr und Handlungsbedarf besteht, in den Feierabend verabschieden sollten.

Aber es geht noch weiter damit:

 

Zitat von Flusspferd: > Gab es geeignete Kommunikationsmittel von Polizei und Veranstalter unter- und zwischeneinander? <

Die Entscheidung für eine Sperrung des Festivalgeländes hatte sich die Stadt Duisburg (Ordnungsamt) vorbehalten. Um dergleichen zu entscheiden, sollte eine Telefonkonferenz stattfinden (Teilnehmer: Ordnungsbehörde, Polizei, Feuerwehr, Veranstalter).

Die erste Telefonkonferenz zu der Situation fand aber erst um 16.39 Uhr statt, also nachdem bereits sämtliche Polizeisperren zusammengebrochen waren und kurz bevor es die ersten Toten gab, so dass es zu spät für den Beschluss von Maßnahmen war.

Auch laut Einsatztagebuch des Ordnungsamtes hatte selbiges zuvor keine Informationen über die Situation und die Sperren.

Die Polizei erklärt nun, es sei nicht ihre Aufgabe, sondern Aufgabe des Veranstalters gewesen, diese Telefonkonferenz einzuberufen.

Zum einen enthalten sämtliche Unterlagen KEINE Information darüber, dass diese Konferenzen nur von einer Seite einberufen werden durften oder sollten. Zum anderen ist dieser Verweis auf die Nichtzuständigkeit für das Einberufen in Anbetracht einer gefährlichen Situation natürlich unglaubwürdig. Und obendrein HAT die Polizei nun einmal definitiv das Gelände gesperrt, obwohl sich die Entscheidung das Ordnungsamt vorbehalten hatte.

Warum geschah das?

Warum erfolgte nicht einmal eine Information an das Ordnungsamt? Dort liefen alle Fäden am Veranstaltungstag zusammen. Von der Polizei landeten über den Tag hinweg zig Informationen beim Ordnungsamt. Man könnte sich also nicht damit herausreden, man habe nicht gewusst, dass das Ordnungsamt über Polizeieinsätze zu informieren sei. Aber ausgerechnet in der gesamten Zeit der Sperrungen finden sich im Einsatztagebuch der Ordnungsbehörde kaum Meldungen bzw. fast nur Nippes, wie z.B. irgendwelche zerbrochenen Flaschen, die man irgendwo gesehen hatte, und dergleichen.

Schätzte die Polizei die Gefahr nach dem Zeitverlust durch den Schichtwechsel so groß ein, dass sie keine weitere Zeit mit Konferenzen verlieren wollte und durfte? Oder wollte sie sich einfach nur von niemandem reinreden lassen?

Informiert war die Polizei durchaus darüber, dass diese Konferenzen erforderlich waren, denn später kamen sie ja zuhauf zustande. Und da sie sicher nicht alle vom Veranstalter einberufen wurden, schien es dann später wohl auch kein Problem damit zu geben, wenn sie ein anderer einberief.

M.E. wäre es zu den Sperrungen in dieser Weise höchstwahrscheinlich nicht gekommen, wenn zuvor eine Telefonkonferenz stattgefunden hätte. Die Feuerwehr zumindest hatte schwere Bedenken gegen die Polizeisperren und die Entscheidung hätte am Ende die Ordnungsbehörde getroffen.

 

Zitat von Flusspferd: > Was war der Anlass für die Polizeisperren? <

Weil sich am Rampenkopf / Eingang zum Festivalgelände ein Menschenstau gebildet hatte. Dies geschah, weil es dort durch in das Gelände hereinragende Böschungen und nah daran vorbeifahrende Floats zu eng war, so dass sich die ankommenden Raver nicht schnell genug auf dem Gelände verteilen konnten. Außerdem standen am Eingang - wenn ich das richtig in Erinnerung habe - Würstchenbuden. Und Ordner bzw. Pusher, welche die Leute eigentlich zum Weitergehen bewegen sollten, gab es entweder nicht oder nur in kleiner Anzahl. Zudem helfen auch Pusher nur bedingt, wenn es einfach zu eng ist. 

Die Polizeisperren sollten verhindern, dass die Situation dort eskaliert, bzw. erreichen, dass die Pusher die Gelegenheit haben, diesen Stau aufzulösen. 

 

Zitat von Flusspferd: > Warum dachte man dadurch die Situation verbessern zu können? <

Ich gehe davon aus, dass sich der Entscheider der Polizei über das Aufeinanderprallen verschiedener, durch die Polizeiketten aufgestauter Menschenmassen keine Gedanken gemacht hat. Man hielt das offenbar für weniger gefährlich als den Menschenstau am Eingang zum Festivalgelände.

Das spricht dafür, dass die Polizei davon ausging, diese Sperren nur kurzzeitig aufrecht erhalten zu müssen.

Vielleicht bildete man die Sperren in den Tunneln, um die aufgestauten Massen zu entzerren: Ein Teil wird an den Einlassschleusen aufgehalten, ein Teil in den Tunneln und ein Teil vor der Rampe. Hier noch einmal eine Darstellung der Sperren: http://www.mik.nrw.de/hom/doks/100728_sperrlinien%20polizei.pdf

Und eventuell ist dies eine Erklärung dafür, warum man die Rampe unten und nicht oben am Eingang des Festivalgeländes sperrte: Die Rampe wurde womöglich unten gesperrt, weil sich oben kein Rückstau von Leuten bilden sollte, die das Festivalgelände verlassen wollten. Logisch: ein solcher Rückstau auf dem Rampenkopf und Festivalgelände selbst sorgt ja zusätzlich dafür, dass sich der dortige Pfropf nicht auflösen lässt.

Und eben damit der Pfropf aufgelöst werden konnte, sollten ja die Sperren gebildet werden.

Eine wirklich schwerwiegende Frage ist: Warum wurden die Sperren so lange aufrecht erhalten?

 

Zitat von Flusspferd: > War der Polizei das veranstalterische Allgemeinwissen wie von Prof. Schreckenberg (und vermutlich auch anderen) vorher betont nicht bekannt, dass man den Fluss aufrechterhalten muss statt ihn zu stoppen? <

Durch den Menschenstau am Eingang zum Festivalgelände war der Fluss bereits gestoppt.

Ich habe mich zunächst gefragt, warum die Polizei nicht versuchte, dort den Pushern zu helfen und für Platz zu sorgen. Aber wenn der Stau wirklich daran lag, dass es definitiv zu eng war, dann hätte auch das nicht ausreichend helfen können.

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Die Leserin

04.10.2010

Die gestoppten Floats:

 

Zitat:

> Am Veranstaltungstag, Samstag, den 24.7. 2020 wurde die Fahrt der Parade LKWs (Floats) der Loveparade sowohl von 14:27 bis 15:05 Uhr als auch von 15:55 bis nach 17:00 Uhr gestoppt.

[...]

Die erste Unterbrechung hat die Veranstaltungsleitung damit begründet, dass durch den Besucherandrang am Ende der Rampe für die Floats kein Durchkommen mehr sei. Für die zweite, längere Pause sind dann keine weiteren Gründe genannt worden. Sie wurde einfach angeordnet. <

Auffällig ist, dass der zweite Stopp der Floats um 15:55 Uhr begann, also just zu jenem Zeitpunkt, als die Polizei ihre Sperren errichtete (15:45, 15:55 und 16:01 Uhr).

Vermutet wurde an verschiedenen Stellen im Internet, dass die Floats das zweite Mal für eine TV-Übertragung gestoppt wurden. Beispielzitat:

 

> Während dieser zweiten Pause von über einer Stunde parkte der McFit Float des Loveparade Besitzers Rainer Schaller seit ca. 16:00 Uhr unmittelbar vor dem VIP / Presse Bereich der Loveparade. Dort diente er ab 16:47 als Kulisse für das Liveinterview, das Schaller im WDR gab. <

Quelle für die bisherigen Zitate: http://docunews.org/loveparade/analyse/loveparade-floats-stundenlanger-stillstand/

 

Der Rechtsanwalt, der den Veranstalter bei der Anhörung des Innenausschusses im NRW-Landtag am 2. September vertrat, sagte zu diesem zweiten Stopp, Zitat:

 

> Die Floats haben eine wichtige Rolle bei der Besucherstromsteuerung gespielt. Warum die Floats teilweise ins Stocken geraten sind? – Ich zeige Ihnen kurz auf, was im Sicherheitskonzept steht. Dort heißt es:

"Sollte sich also beispielsweise der Besucherandrang so verdichten, dass es zu Stauungen kommt, können die nachfolgenden Floats einige Zeit angehalten werden, bis sich die Situation vor Ort entzerrt hat."

Was man in dem Augenblick, in dem dort recht viele Menschen waren, nicht  wollte, ist, dass genau am Ende der Rampe gerade ein Float entlangfährt. Das ist der Grund. – Es gab eine zentrale Steuerung der Floats. Sie waren alle per Funk erreichbar und verbunden. <

Quelle: http://www.landtag.nrw.de/portal/WWW/dokumentenarchiv/Dokument/MMA15-9.pdf (Seite 71)

 

Nun muss das eine das andere nicht unbedingt ausschließen. Denkbar ist durchaus, dass die Floats bereits um 16:55 Uhr, also viel früher als für das Interview benötigt, im Rahmen der Maßnahmen zur Auflösung des Menschenstaus am Eingang angehalten wurden. Denkbar ist ebenfalls, dass es dort - wie bereits beim ersten Stopp - einfach kein Durchkommen mehr für die Floats gab.

 

Maßnahmen zur Auflösung des Menschenstaus am Eingang:

 

Zwischen 15:45 und 16:01 Uhr nahm also die Polizei ihre Sperrungen vor. Gehen wir nun einmal davon aus, dass im Rahmen dieser Maßnahmen auch die Floats um 15:55 Uhr gestoppt wurden.

 

Und dann?

 

Bis zu den Todesfällen verging von da an noch ungefähr eine ganze Stunde.

- Kam es während dieser Stunde irgendwann einmal zu der Situation, dass sich der Stau im Eingangsbereich auflöste? Wurde es da wenigstens irgendwann einmal ein wenig leerer? Wenn ja: Wann war das?

- Wenn nein: Warteten Polizei und Veranstalter eine Stunde lang einfach nur darauf, dass sich die Situation durch die Sperrungen von selbst entspannt, oder wurde weiteres zur Auflösung des Staus unternommen?

 

Dabei interessiert mich jetzt überhaupt nicht, wer an dieser Stelle für was zuständig gewesen WÄRE, sondern nur, was faktisch geschah.

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julius

05.10.2010

Flusspferd schrieb:

 

Dass Personen zurück gehalten wurden, um Bilder größerer Anzahlen zu produzieren, halte ich für ausgeschlossen. Das Personal ist bei solchen Veranstaltungen immer so knapp kalkuliert, dass eine solche Luxusaktion niemandem in den Sinn käme.

 

ein paar Indizien zu dieser Vermutung

http://www.goldseiten-forum.de/index.php?page=Thread&threadID=15293&page...

BAAL
Donnerstag, 29. Juli 2010, 23:30

Ich glaube auch die zentrale Frage für diesen Kriminalfall gefunden zu haben:
Wer hat angeordnet, dass der zweite Aufgang gesperrt wird ? Wer diese Frage beantworten kann, findet den Trigger des Ganzen.

http://forum.virtualracing.org/off-topic-forum/77513-loveparade-2010-dui...

Stattdessen wurde den Abreisenden der Weg durch den Hauptzugang zugemutet.

Ich bin Heilfroh,das mein Weib eine Sture Zicke sein kann,wenn sie sich was in den Kopf gesetzt hat und mit vielen Besuchern den Posten am Notausgang klargemacht hat,das sich ein Freier Bürger nicht dazu zwingen läßt,sich dem Idiotischen Willen eines Verantwortlichen zu beugen,wenn man dadurch in "Lebengefahr" geraten kann.

http://www.sicherheit.info/si/cms.nsf/si.ArticlesByDocID/1111815?Open

Bereits zuvor hatte die Polizei um 15.45 Uhr darauf hingewirkt, dass zur Entlastung der Tunnelbereiche die zweite Rampe, die ursprünglich für einen späteren Zeitpunkt als Ausgang vorgesehen war, durch den Veranstalter für anreisende Teilnehmer geöffnet wird.

Zitate Ende

 

die westliche Rampe sollte also erst zu einem späteren Zeitpunkt als Ausgang geöffnet werden.

21-22 Uhr ?

dass sture Zicken oder freie Bürger davor trotzdem diesen Ausgang finden und ihn auch benutzten, war anscheinend nicht im Sinne der Veranstalter.

PS: noch eine Anmerkung zur Rampe und Pläne

im Video der Kamera 13  13:27 -13:40

ganz links unten beim liegenden Bauzaun und abgesperrter Treppe.

13:28 ist ein Polizist zu sehen, dem anscheinend die Diverenzen zwischen seinem Plan und der Realität aufgefallen ist.

und er bespricht das über Händy mit wem?

und mit welchem Ergebnis ?

danach dokumentiert er noch mit einer Kamera.

und obwohl er um den liegenden Bauzaun herumläuft erscheint im dieser nicht besonders bemerkenswert.

mfffggg

 

 

 

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Felix Licht

05.10.2010

Vor dem Osttunnel, wenn man drauf guckt rechts, existieren seit dem 24.7. fuenf Trampelpfade, die von der Wiese abgehen, die man von der Kommandantenstr. aus erreicht. Dieser Weg machte es möglich sämtliche Sperren und Schleusen zu umgehen. Ein Augenzeuge berichtet, dass er schätzt, dass mindestens 2000 Menschen diese Pfade ausgetreten haben, evtl. mehr. Sie gehen durch die (Brombeer-)Buesche. Auf ihnen lagen sehr viele Rest der Besucher (kleine Wodka-Fläschchen etc.)

Der Hausbesitzer des Hauses Ecke karl-Lehr-Str./Ddorfer Str. hat beobachtet, dass an den Schleusen in der Zeit von 16.30-16.45 kein einziger Ordner war. Er sah zu diesem Zeitpunkt ausschließlich Polizisten. Diese haben anscheinend die alleinige Regie uebernommen bzw Regieanweisungen ausgefuehrt.

 

 

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Felix Licht

05.10.2010

#32 Die Leserin

 

Sie schreiben:

"Die Polizeisperren sollten verhindern, dass die Situation dort eskaliert, bzw. erreichen, dass die Pusher die Gelegenheit haben, diesen Stau aufzulösen. 

Ich gehe davon aus, dass sich der Entscheider der Polizei über das Aufeinanderprallen verschiedener, durch die Polizeiketten aufgestauter Menschenmassen keine Gedanken gemacht hat. Man hielt das offenbar für weniger gefährlich als den Menschenstau am Eingang zum Festivalgelände.

Das spricht dafür, dass die Polizei davon ausging, diese Sperren nur kurzzeitig aufrecht erhalten zu müssen.

Vielleicht bildete man die Sperren in den Tunneln, um die aufgestauten Massen zu entzerren: Ein Teil wird an den Einlassschleusen aufgehalten, ein Teil in den Tunneln und ein Teil vor der Rampe. Hier noch einmal eine Darstellung der Sperren: http://www.mik.nrw.de/hom/doks/100728_sperrlinien%20polizei.pdf

Und eventuell ist dies eine Erklärung dafür, warum man die Rampe unten und nicht oben am Eingang des Festivalgeländes sperrte: Die Rampe wurde womöglich unten gesperrt, weil sich oben kein Rückstau von Leuten bilden sollte, die das Festivalgelände verlassen wollten. Logisch: ein solcher Rückstau auf dem Rampenkopf und Festivalgelände selbst sorgt ja zusätzlich dafür, dass sich der dortige Pfropf nicht auflösen lässt.

Und eben damit der Pfropf aufgelöst werden konnte, sollten ja die Sperren gebildet werden."

 

ich denke genau gegenteilig. Ich halte den Polizeieinsatz nicht fuer willkuerlich, sondern sowohl exakt örtlich als auch zeitlich geplant auf Anweisung Woplfgang Rabes und entsprechende Polizeileiter evtl. inkl. Detlev von Schmeling, nach Konzeptentwicklung von Dr. Kluepfel und Prof.Dr. Schreckenberg. Somit sollte es m.E. nach zu einem Stau kommen und die Massen im Tunnel und vor den Schleusen sollten verdichtet, nicht entzerrt werden. Ihre Darstellung der Sperren ist unkorrekt, fehlt doch die obere Rampensperre. Denken Sie vielleicht besser in der Kategorie Blocksperren, denn das tat die Polizei! Genau das sollte geschehen: eine zusätzliche Verdichtung oben durch die, die gehen wollten. Und eben damit der Pfropf BESTEHEN bleibt, sollten ja die Sperren gebildet werden. Die Zeiten Ihrer Sperren habe ich noch nicht ueberprueft.

 

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Felix Licht

05.10.2010

#33 Die Leserin

 

Sie schreiben:

"Was man in dem Augenblick, in dem dort recht viele Menschen waren, nicht  wollte, ist, dass genau am Ende der Rampe gerade ein Float entlangfährt. Das ist der Grund. – Es gab eine zentrale Steuerung der Floats. Sie waren alle per Funk erreichbar und verbunden."

Was meinen sie damit und worauf beziehen Sie sich?

 

und weiter:

"Nun muss das eine das andere nicht unbedingt ausschließen. Denkbar ist durchaus, dass die Floats bereits um 16:55 Uhr, also viel früher als für das Interview benötigt, im Rahmen der Maßnahmen zur Auflösung des Menschenstaus am Eingang angehalten wurden. Denkbar ist ebenfalls, dass es dort - wie bereits beim ersten Stopp - einfach kein Durchkommen mehr für die Floats gab."

Auch hiermit bin ich nicht einverstanden, denn gerade das gehörte m.E. zum Gesamtsystem  Stau, das parallele Anhalten der Floats - nichts staut die Menge besser.

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Felix Licht

05.10.2010

#33 Die Leserin

Weiter schreiben Sie:

"- Kam es während dieser Stunde irgendwann einmal zu der Situation, dass sich der Stau im Eingangsbereich auflöste? Wurde es da wenigstens irgendwann einmal ein wenig leerer? Wenn ja: Wann war das?"

Ich kann dazu sagen, dass von 16.30-16.45 ausschließlich Polizisten an den West-Schleusen waren. Sie muessen demnach alle Ordner weggeschickt haben (zum Pause machen?). In dieser Zeit bzw. auch schon davor (eine Augenzeugin berichtet um 16.16) war die Schleuse nicht komplett geschlossen. Sie konnte umj 16.16 unbehelligt durchgehen, obwohl an anderer Stelle die Massen warteten, da sie die Öffnung anscheinend nicht sahen. Meine Theorie: die *olizei hat weiter geflutet.

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Sehr geehrter Herr Licht (5.10., 20.59 Uhr),

für Ihre nunmehr in vielen postings hier und anderswo geäußerten Vermutungen, die Polizei  oder irgendwer habe absichtlich ein Gedränge produzieren wollen, haben sich keinerlei Anhaltspunkte ergeben. Ihre Äußerungen sind sogar geeignet, die hier versuchte objektive Aufklärung zu unterminieren, weshalb ich Sie bitte, solche Vermutungen nicht mehr zu posten.  Der Beck-Blog soll eine Plattform für ernsthafte Diskussion zu juristischenThemen sein und bleiben.

Besten Gruß

Henning Ernst Müller

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Felix Licht

05.10.2010

Herr Prof. Dr. Mueller

Die Kölner Kripo, EG Loveparade findet meine Zentralsteuerungshypothese immerhin so interessant, dass Sie mich als Zeuge vorgeladen hat.

Warum aber darf die Leserin spekulieren und ich nicht? Geht es Ihnen etwa um den Inhalt?

MfG

Felix Licht

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Felix Licht

05.10.2010

Herr Mueller,

Herr Prof Wolf R. Dombrowsky, Katastrophenforscher bei der Schutzkommission beim Bundesministerium des Innern

denkt im uebrigen ähnlich, zu erleben hier:

http://www.radiobremen.de/fernsehen/buten_un_binnen/dombrowsky100.html

und hier:

http://www.radiobremen.de/fernsehen/buten_un_binnen/video17248-popup.html

Sein Fazit: Eindämmung, um die Massen zu kontrollieren

 

 

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Felix Licht

05.10.2010

und abschließend:

Nein, keiner der Entscheidungsträger hatte die Absicht ein Gedränge zu provozieren, dass Menschen von Plakatwänden fallen, dass Menschen ueber einen Zaun stolpern, sich verhaken und fallen, dass Menschen Lichtmasten emporklettern, dass Menschen die Treppe als Notausgang wählen, dass Menschen Zäune umwerfen, dass sich Menschen "illegale" Zuwege verschaffen.

Aber die Entascheidungsträger und Konzeptentwickler wollten eine Verdichtung entstehen lassen, von dem sie dachten er wäre zu handlen. Sie wollten einen innerstädtischen Durchlauf herstellen, sie wollten ganz einfach, dass ueber einen möglichst langen Zeitraum möglichst wenige Menschen auf die Partyarea gelangen.

Ich bin kein unterminierender Internettroll. ich will ehrliche Aufklärung. So wie Sie. Oder?

 

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Sehr geehrter Herr Licht,

ja wir wollen Aufklärung. Prof. Dombrowsky bezieht das Wort "Eindämmung" auf die Strategie der Polizei und Stadt, die Menschen auf dem Weg zur Veranstaltung einzudämmen und nicht in die Stadt zu lassen. Dass man die Menschen auch möglichst lang "unterwegs" sein lassen wollte, kann durchaus zutreffen, denn nur so konnte man (theoretisch) erreichen, dass am Ende die Besucher-Gesamtzahl (fast 500.00 geplant) über derjenigen Besucherzahl liegen konnte, die auf dem Gelände zugelassen war (250.000 gleichzeitig maximal). Wir wissen jetzt , dass dieser Plan mit dem einen Eingang/Ausgang nicht funktionieren konnte
Das Wort Eindämmung von Dombrowsky bezieht sich aber nicht auf die Situation auf der Rampe. Das ist nur Ihre Vermutung, Zitat Felix Licht (20.59) "Somit sollte es m.E. nach zu einem Stau kommen und die Massen im Tunnel und vor den Schleusen sollten verdichtet, nicht entzerrt werden. Ihre Darstellung der Sperren ist unkorrekt, fehlt doch die obere Rampensperre. Denken Sie vielleicht besser in der Kategorie Blocksperren, denn das tat die Polizei! Genau das sollte geschehen: eine zusätzliche Verdichtung oben durch die, die gehen wollten. Und eben damit der Pfropf BESTEHEN bleibt, sollten ja die Sperren gebildet werden." (Zitat Ende, Hervorhebung durch mich)

Die Sperren wurden laut Polizei errichtet, um den Pfropf oben auf der Rampe zu entlasten/zu beseitigen. Ich habe keinen Anlass zum Zweifel daran, dass dies die Absicht war. Aber diese Sperren waren für den Zweck ungeeignet und führten zu dem Gedränge unten (Dombrowsky nennt dies richtigerweise "handwerkliche Fehler"), weil die Sperren vor den Tunneleingängen nicht hielten/nicht halten konnten bzw. nie richtig funktionierten und die Besucher nicht informiert wurden. Dafür, dass eine Absicht bestand, auf der Rampe eine weitere Verdichtung zu erreichen, wie Sie, Herr Licht,  behaupten, gibt es keine Anhaltspunkte. Und das behauptet auch Dombrowsky nicht. Wenn Sie ehrliche Aufklärung wollen, sind Ihre Beiträge willkommen.

Besten Gruß

Henning Ernst Müller


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Die Leserin

05.10.2010

Hallo Herr Licht,

in den von Ihnen zitierten Beiträgen habe ich einmal versucht, die Argumente von Polizei und Veranstalter hinsichtlich Sperren und Floats nachzuvollziehen. Ich denke, dass man das für die Aufklärung auch einmal tun sollte. Wenn man immer gleich Argumente dagegen hält, könnte es geschehen, dass man etwas übersieht. Man sollte statt dessen versuchen, die Dinge nach und nach aus möglichst vielen, verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten.

Bis dato hatte ich absolut keine Erklärung dafür, wie man überhaupt darauf kommen kann, solche Polizeisperren zu errichten. Jetzt ist mir dazu obenstehende Erklärung eingefallen. Sie ändert im Endeffekt nichts daran, dass die Sperren unmittelbar zu dem tödlichen Gedränge beigetragen haben. Aber wie gesagt: Den entsprechenden Blickwinkel mal einzunehmen, kann manchmal zu weiteren Erkenntnissen führen.

 

Die Sperre oben auf der Rampe wurde erst errichtet, nachdem die Sperre im unteren Drittel der Rampe aufgelöst worden war. Diese obere Sperre wurde jedoch nicht komplett dicht gehalten: Aufgänger ließ man durch, statt dessen blockierte man damit dann die Abgänger bzw. schickte sie evtl. zur kleinen Rampe.

Ich habe mir mittlerweile einige Stunden Aufnahmen der Überwachungskameras angesehen, weshalb ich das zur Uhrzeit der oberen Sperre an dieser Stelle schon einmal sagen kann.

 

Jetzt noch hierzu:

Felix Licht schrieb:

#33 Die Leserin

Sie schreiben:

"Was man in dem Augenblick, in dem dort recht viele Menschen waren, nicht  wollte, ist, dass genau am Ende der Rampe gerade ein Float entlangfährt. Das ist der Grund. – Es gab eine zentrale Steuerung der Floats. Sie waren alle per Funk erreichbar und verbunden."

Was meinen sie damit und worauf beziehen Sie sich?

 

Ich meine damit gar nichts. Bei diesen Worten handelt es sich um einen Teil eines Zitates des Rechtsanwalts des Veranstalters aus der Anhörung des Innenausschusses. Bitte lesen Sie dazu noch einmal meinen Originalbeitrag, um den Zusammenhang zu sehen. 

 

Zum Geschehen auf dem Rampenkopf und im Eingangsbereich des Festivalgeländes liegen mir durch die Auswertung mehrerer Stunden Filmaufnahmen neue Erkenntnisse vor. Ich muss allerdings noch dazu kommen, einen entsprechenden, zusammenfassenden Text zu schreiben. Werde ich in den nächsten Tagen hier einstellen.

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Felix Licht

06.10.2010

Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Mueller,

darf ich mir in Anbetracht des Wunsches und des Willens anmaßen mit einer weiteren Zentralsteuerungshypothese Sie und Ihren Blog zu strapazieren, auch wenn ich dahingehend bereits Vermutungen geäußert hatte bzgl. der Kletterer und Uebersteiger, womit ich die Männer meine, die brutal auf andere treten (nicht die zarten Mädchen, die sich vorsichtig von Schulter zu Schulter tasten), stuerzen oder u.U. doch springen.

Die zeitliche Parallele zur Abschlusskundgebung (angesagt fuer 17 Uhr, begonnen um 17.03) ist frappierend, wie ich finde. Ist es nicht denkbar, dass das Aufhängen des gruenen T-Shirts an der linken oberen Plakatwandecke der "Startschuss" fuer (evtl.) nachfolgende Ketten(re)aktionen auslösen sollte? (Man denke an die Leuchtstoffrakete in Muenchen, Oktoberfest, 1980. Sie wissen sicherlich, von wem das Attentat ausging.)

Wer stand hinter anderen Attentaten, den (angeblichen) Amokläufen von Winnenden, Emsdetten, Erfurt, Ansbach, Lörrach u.a. oder das in Finnland, ausgefuehrt von einem jugendlichen Täter, der ein T-Shirt mit folgender Aufschrift trug: Humanity is overrated (Menschlichkeit wird ueberbewertet, im Internet zu kaufen)?

Könnte es nicht sein, dass in Wahrheit hinter allen Aktionen u.U. Wehrsportgruppen stehen? (Diese Männer waren körperlich äußerst fit, einer von ihnen kickte seine zu Boden fallende Sonnenbrille mit dem Fuß hoch und fing sie auf!)

Warum nicht u.U. denkbar fuer die Duisburger Loveparade? (Man achte auf die Gesichter der Ueberkletterer, auf das zuegige Fluechten des Plakatspringers in den Westtunnel, die Täter männlich, stabil, durchtrainiert.)  Auffällig die youtube-Videos von The1Art1of1Hell, die wie kaltbluetige Dokumentationen der Geschehen auf mich wirken.

Mit Beginn September 2009 hetzen die Jungen Nationalisten NRW gegen die Loveparade mit Bildern der letzten LoPa in Berlin 2006. (Man achte auf die Kommentare). Zu sehen hier:http://jn-nrw.net/musik.htm und hier: http://www.youtube.com/watch?v=zcZeUN4AqXU&p=A70E037D5B0E3202&playnext=1...

Warum von vorneherein ausschließen, dass es sich evtl. um eine rechtsgerichtete, politische Aktion gehandelt hat (m.E. nach von langer Hand geplant mit vereinten Kräften, wie NPD, DVU, evtl. Freimaurer). Die politischen Ziele muss ich nicht erklären. (Man achte auf die politiscche Entwicklung in den anderen Städten, in denen erfolgreich die Demokratie beschädigt wurde.)

Wehrsportgruppen (Kameradschaften) gibt es in Deutschland zu Hauf, auch in Duisburg, Ruhrgebiet, Niederrhein etc., s. 1. Beitrag: http://unsre.foren-city.de/topic,12,-passt-auf-wo-ihr-hinfahrt-es-gibt-f...

Vielleicht auch das interessant: http://www.bunker-nrw.de/php/search.php

 

Mit bestem Gruß

Felix Licht

 

 

 

 

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Die Leserin

07.10.2010

Der Menschenstau am Rampenkopf / Eingang zum Festivalgelände – Teil 1

 

1) Vorab:

 

Um festzustellen, was unternommen wurde, um den Menschenstau aufzulösen, habe ich mir insgesamt einige Stunden Filmaufnahmen der Überwachungskameras angesehen.

Für das im Folgenden Geschilderte ziehe ich Aufnahmen der Kameras 4, 5 und 12 heran.

Den Standort der Kameras kann man auf dieser Grafik sehen:

http://www.lopavent.com/kameras/

 

Klickt man auf die Nummern der Kameras in der Grafik, so kann man sich die Aufnahmen ansehen, um das von mir Geschilderte nachzuvollziehen.

Dabei dienen die Kameraaufnahmen als Belege. Das Geschilderte ist solchermaßen formuliert, dass es sich auch ohne parallele Betrachtung der Bilder nachvollziehen lassen soll.

 

Bezeichnungen:

- Den Bereich, der dort oben von Böschungen und Bauzäunen umgeben war, bezeichne ich im Folgenden als „Rampenkopf“ und

- den Bereich zwischen Rampenkopf und Gebäuden (inkl. dazwischen verlaufender Floatstrecke) als „Eingangsbereich“.

 

Die Zeit- und die Minutenangaben:

- Z.B. mit „Kamera 12 ab 15:40 Uhr ist der entsprechend abrufbare Filmabschnitt gemeint, der laut Angaben von Lopavent ab 15:40 Uhr beginnt. Um die Unterscheidung von der folgenden Angabe zu verdeutlichen, habe ich UHR jeweils in Versalien gesetzt.

- Z.B. mit „Minute 3“ (ohne „Uhr“ dahinter) ist die im unteren Balken ersichtliche Minutenangabe des jeweiligen Films gemeint. Das ist zum Verständnis von Bedeutung, denn Minute 16:45 eines der Filme ist nicht etwa 16:45 UHR.

 

Das im Folgenden Beschriebene zeigt nicht per se nur neue Erkenntnisse. Aber ich denke, dass durch die von mir erfolgte Zusammenfassung bestimmte Schlussfolgerungen als Ergebnisse festgehalten werden können. Auch liest man weiterhin immer wieder von verschiedenen Vermutungen, die hierdurch wiederlegt werden.

 

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Die Leserin

07.10.2010

Der Menschenstau am Rampenkopf / Eingang zum Festivalgelände – Teil 2

 

2) Die Enge zwischen Floatstrecke und Rampenkopf

 

WICHTIG. Die oben verlinkte Grafik ist in einem Punkt irreführend. Sie täuscht wesentlich mehr Platz zwischen der Float-Fahrstrecke und dem Rampenkopf vor als tatsächlich vorhanden war.

 

Die Aufnahmen von Kamera 4 und 12 zeigen eindrucksvoll die Enge, in der die Floats im Eingangsbereich am Rampenkopf vorbeifuhren.

Als Beispiele reicht es, sich die Aufnahmen von Kamera 12 ab 15.20 UHR (Blickwinkel von seitlich der Rampe auf den Rampenkopf und Eingangsbereich) und Kamera 4 ab 16:00 UHR (Blickwinkel von der gegenüberliegenden Seite, also von den Gebäuden auf den Eingangsbereich und Rampenkopf) einmal kurz anzusehen.

 

Diese Enge muss bereits bei der Planung ersichtlich gewesen sein, vorausgesetzt man verfügte über halbwegs realistische Pläne, wovon bei der Vorbereitung einer Großveranstaltung ausgegangen werden muss. Und sollte an einer Stelle mit einem nicht realistischen Plan gearbeitet worden sein, so sollte dies im Verlauf der weiteren Planung im Vorfeld auffallen - und zwar jeder der an der Planung beteiligten Seiten.

Wir können also konstatieren, dass die Enge im Eingangsbereich vorab allen an der Planung beteiligten Seiten bekannt war. Dazu gehörten - neben dem Veranstalter - Sicherheitsbehörden bzw. Polizei und Feuerwehr, Ordnungs- und Baubehörde.

 

3) Der Zeitpunkt des Stopps der Floats

 

Es ist den Filmaufnahmen nach nicht richtig, dass die Floats um 15:55 Uhr alle gestoppt wurden.

Kamera 4 zeigt ab 16:00 UHR einen im Eingangsbereich vorbeifahrenden Musik-LKW, Kamera 5 noch kurz vor 16:20 UHR.

Nach Ansicht der Aufnahmen der drei Kameras gehe ich davon aus, dass tatsächlich der Eingangsbereich von Floats freigemacht werden sollte. Da die Floats durch die Menge nur langsam vorwärts kamen, dauerte es allerdings wohl noch eine ganze Weile, bis jeder zu einem Punkt gefahren war, an dem er dann stehen bleiben sollte.

 

4) Der Mythos von den Floats, welche die Raver mit sich ziehen

 

Auf den Aufnahmen von Kamera 4 ab 16:00 UHR und auf den Aufnahmen von Kamera 5 bis kurz VOR 16:20 UHR lässt sich folgendes sehr schön sehen:

Nur eine vergleichsweise geringe Anzahl an Personen bewegt sich mit den Floats. Es gibt eine Art Spur von hinter den Floats herlaufender/hertanzender Leute. Diese Spur hat ungefähr die Breite der LKWs.

Die allermeisten Leute stehen herum oder tanzen auf der Stelle.

Die dazwischen Umherlaufenden bewegen sich in diverse Richtungen (Toilette, Würstchenbude, Ausgang, eine andere Ecke des Geländes etc.).

Besonders gut ist dies anhand der Aufnahmen von Kamera 4, 15:20 bis 15:40 UHR sichtbar.

Der Grund dafür, dass sich die meisten nicht mit den Floats bewegen, besteht nicht etwa in der speziellen Enge des Eingangsbereichs. Ansonsten wäre im Schwenkwinkel von Kamera 5 eine andere Verhaltensweise zu beobachten.

Außerdem schwenkt Kamera 4 wenige Minuten nach  16:00 UHR zum Boden runter. Da sieht man auf der Stelle stehende und auf der Stelle tanzende Personen, die durchaus komfortabel Platz haben, und einige dazwischen in verschiedene Richtungen Laufende, die sich offensichtlich nicht am momentanen Ort von Floats orientieren. Und die stehenden Leute stehen dort auch nicht, weil sie sich erst einmal orientieren wollen. Sie haben an diesem Platz zwischen Gebäude und Floatstrecke einfach einen guten Platz zum Stehen.

 

Dass die Floats die Leute mitziehen, war ein wesentlicher Punkt der Planung, der überhaupt nicht aufgegangen ist.

Ein Grund dafür könnte sein, dass sich der Charakter der Loveparade im Vergleich zu den ersten Veranstaltungen in Berlin geändert hat. Das wäre allerdings nichts Neues und hätte Lopavent spätestens bei den Veranstaltungen in Essen und Dortmund auffallen müssen.

Es wäre interessant, einmal nachzuprüfen, ob sich das Publikum in Essen und Dortmund grundsätzlich anders verhielt als in Duisburg. Wenn nicht, so wäre auch dies ein schwerer Planungsfehler.

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Die Leserin

07.10.2010

Der Menschenstau am Rampenkopf / Eingang zum Festivalgelände – Teil 3

 

5) Die Enge am Rampenkopf / das Nadelöhr

 

Ab ca. Minute 12 von Kamera 4 (16:20 bis 16:40 UHR) sieht man sehr deutlich, wie extrem die Rampe auf dem Rampenkopf durch Bauzäune verengt ist. Und in der Mitte des Weges steht eine Bude, dahinter ein querstehender Bauzaun, wohl um die Bude zu schützen. Eine weitere Bude steht ein paar Meter weiter vorne direkt neben dem Bauzaun, der die Rampe seitlich einengt.

 

Diese Stelle ist ein Knackpunkt. Das ist ein extremes Nadelöhr.

 

Wir haben also zwei Tunnel, die zusammen breiter sind als die Rampe (schon ohne Bauzäune etc.). Diese Rampe verengte man zusätzlich durch Zäune. Die Personenströme aus den Tunneln treffen an ihren Ausgängen aufeinander und müssen in scharfer Biegung zur Seite auf die schmalere Rampe zulaufen. Und am Kopf derselben schafft man  ein zusätzliches Nadelöhr. Damit waren Staus und chaotische Zustände auf der Rampe garantiert.

 

Es hat sich offenbar niemand im Vorfeld ernstlich Gedanken über diese Personenströme gemacht, in denen sich jeweils tausende Menschen gleichzeitig bewegen, die ergo nicht einfach mal eben von ein paar Ordnern oder Polizisten gesteuert werden können. Das geht mit Massen ab einer bestimmten Größenordnung auf diese Weise nicht mehr, wenn die Planung der Wege nicht zur Steuerung passt.

Besonders erstaunlich ist, dass der Veranstalter, dessen erste Loveparade dies ja nicht war, hier offenbar keine Bedenken hatte. Aber auch alle übrigen, vorab in die Planung Involvierten können sich diesbezüglich nicht wie die drei berühmten Äffchen (eines mit geschlossenen Augen, eines mit geschlossenen Ohren, eines mit geschlossenem Mund) aus der Verantwortung ziehen.

 

Man setzte vollständig darauf, die Leute auf den Zuwegungen solchermaßen aufzuhalten, dass nie zu viele in die Tunnel kommen sollten.

In die Tunnel hätten jedoch nur so wenige laufen dürfen, wie oben am Rampenkopf durch das Nadelöhr passen.

Das wäre keine gut besuchte Veranstaltung geworden – abgesehen davon, dass jeder, der schon einmal eine Massenveranstaltung besucht hat, aus eigener Erfahrung weiß: Hunderttausende oder auch „nur“ Zehntausende - ja, und auch Tausende - lassen sich nun einmal nicht endlos aufstauen, ohne dass es zu schwerwiegenden Problemen kommt.

 

Dass es sich bei dem gegebenen Problem nicht um einen kleinen Pfropf von Leuten handelte, die einfach nur zum Weitergehen bewegt werden mussten, zeigt sehr schön z.B. auch Kamera 12 ab 15:20 UHR:

Alles ist mehr oder weniger gleichermaßen voll: Rampe, Rampenkopf, Eingangsbereich und auch die Seiten, auf welche die ankommenden Leute unmittelbar hinter dem Nadelöhr angeblich „gepusht“ werden sollten.

Bei Betrachtung der Menschenmasse auf der Rampe, die an dieser Stelle ebenfalls durch Kamera 12 gezeigt wird, drängt sich sofort die Frage auf, wie und in welchem Zeitraum man diese Masse denn jetzt genau wohin bekommen will. Unter Anbetracht des Nadelöhrs auf dem Rampenkopf ist zudem sofort klar: das geht jetzt gleich irgendwie ins Auge. Auf der Rampe herrscht zu diesem Zeitpunkt kaum irgendeine Bewegung.

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Die Leserin

07.10.2010

Der Menschenstau am Rampenkopf / Eingang zum Festivalgelände – Teil 4

 

6) Die Ereignisse am Rampenkopf

 

Kamera 4, 15:40 bis 16:00 UHR:

Anfänglich sieht man einen stehenden Musik-LKW. Die Menge darum ist weitgehend statisch, weshalb der LKW vermutlich Probleme hatte, von der Stelle zu kommen. Einige Personen laufen in diverse Richtungen. Die Stehenden oder auf der Stelle Tanzenden haben aber durchaus komfortabel Platz. Sie bewegen sich eben einfach nur nicht von ihrem Standpunkt weg.

Ungefähr bei Minute 2 setzt sich der LKW wieder in Bewegung, ein zweiter folgt. Kurz darauf hat sich wieder dieselbe Situation eingestellt wie oben beschrieben: Hinter den Floats bildet sich eine nachlaufende Spur von Leuten, der Rest bleibt zum allergrößten Teil stehen.

Dann (ca. Minute 3) schwenkt die Kamera zum Rampenkopf um, genauer: zu einer der Böschungen.

Fortan ist Kamera 4 (gemeinsam mit Kamera 12) die beste Dokumentation dafür, was am Rampenkopf geschah.

 

Der Grund für den Menschenstau ist keineswegs, wie häufig irgendwo veröffentlicht, dass dort Menschen stehenblieben, um sich zunächst zu orientieren. Auch Würstchenessen an den Buden, um sich vor der Party noch mal zu stärken, ist nicht der Grund für die Verstopfung.

Es gibt sogar Aufnahmen, die zeigen, dass die Verkäufer an den Buden zeitweise nichts zu tun hatten, weil die Raver an diesem Punkt (nachdem sie womöglich schon Stunden aufgehalten wurden, bis sie endlich auf das Gelände kamen) wohl anderes im Sinn hatten, als ein Würstchen zu essen.

 

Als die Raver endlich auf der Rampe waren, kamen sie aufgrund des geschaffenen Nadelöhrs nicht auf das Festivalgelände.

Auch bot der Eingangsbereich mit seiner Enge durch die Floatstrecke zwischen Rampenkopf und Gebäuden überhaupt gar keine Chance dafür, dass sich die ankommenden Massen dort irgendwie schnell genug zu den Seiten hin hätten verteilen können.

Ergo sieht man ab ca. Minute 3, wie die Menschen seitlich eine Böschung erklimmen, weil es nach vorne offenbar einfach nicht weitergeht oder nur quälend langsam. Dabei wurden, wie man später auf anderen Aufnahmen sieht, die dortigen Bauzäune umgeworfen.

 

Bei ca. Minute 5 schwenkt Kamera 4 auf die Rampe. Man sieht die ganze Rampe bis unten zu den Tunnelausgängen.

Nun offenbart sich der komplette, oben beschriebene Nadelöhr-Effekt: Man sieht die Massen durch die Tunnelausgänge auf die Rampe strömen. Dort stauen sich die Menschen vom Nadelöhr auf dem Rampenkopf bis unten hin.

 

Im Vordergrund ist obendrein zu sehen, dass Bauzäune am oberen Rand der Böschung geöffnet wurden, damit die auf die Böschung Gekletterten von dort auf das Festivalgelände kommen konnten (wer auch immer sie geöffnet hat; es könnten durchaus auch die Raver selbst gewesen sein).

Ab ca. Minute 6:30 kann man beobachten, wie eine der Öffnungen durch die durchströmenden Menschenmengen weiter aufgeschoben wird und wie der Bauzaun schließlich ganz umfällt (zur genauen Beobachtung empfiehlt sich die Großbildeinstellung).

 

Nun eine Schilderung des Ganzen aus der entgegengesetzten Sichtweise von Kamera 12, diesmal aber schon in der Aufnahme ab 15:20 UHR:

Ab ca. Minute 11 fangen Leute an, von der Rampe über die Böschungen auf das Festivalgelände zu laufen, und zwar auf beiden Seiten der Rampe.

Ab ca. Minute 12 kommt – offenbar dadurch – wieder Bewegung auf die Rampe, wo zuvor aufgrund des Nadelöhrs beinahe völliger Stillstand herrschte.

Nachdem die Bauzäune vor den Böschungen umgeworfen wurden, füllen sich die Böschungen zunehmend mit hochlaufenden Menschen. Umso mehr Personen diesen Weg wählen, desto mehr Bewegung kommt wieder in die Menschenmasse auf der Rampe.

Viele bleiben auf der Böschung stehen, zum Teil, weil oben einfach gerade kein Platz mehr ist, zum Teil auch schauen die Leute hinunter auf die Rampe und bestaunen offensichtlich die haarsträubende Situation.

Bei ca. Minute 15:45 schwenkt die Kamera nach rechts in Richtung Eingangsbereich. Man sieht, dass sich die Menschen, die gerade den Rampenkopf / das Nadelöhr passiert haben, durchaus zu den Seiten hin bewegen. Man sieht aber auch, dass diese Bewegung bei der Fülle von Menschen und den örtlichen Begebenheiten nicht reicht, um das Problem irgendwie nennenswert zu vermindern.

 

Für eine Verhinderung dieser Situation hätte man die Rampe angesichts des extremen Nadelöhrs den ganzen Tag lang sperren und die Leute nur in Schüben von 100 Personen durchlassen dürfen, damit sie problemlos und schnell genug durch das Nadelöhr gekommen wären und sich hätten irgendwie in die Massen auf dem Festivalgelände verteilen können, ohne hinter sich einen Stau zu produzieren.

Dann aber wäre dasselbe Problem vor der Rampe entstanden - wo es auch prompt entstand, als man diese sperrte.

Und auch eine Vollsperrung vor den Tunneln erwies sich ja letztendlich als unmöglich – aus genau denselben Gründen: Man kann nicht derartige Massen zu einer Veranstaltung einladen und sich dann vornehmen, stets nur wenige davon auf das Partygelände zu lassen.

 

Kein Wunder, dass der Crowd-Manager bereits mittags, also nicht lang nach Öffnung des Geländes schon den Eindruck hatte, es liefe etwas gewaltig schief (das gibt er im Spiegel-Interview ungefähr mit 13 Uhr an, also ca. 1 Stunde nach Öffnung). Und kein Wunder ist es auch, dass er bereits um 14 Uhr meinte, man müsse dringend etwas unternehmen.

 

In der Tat bestand eine Notsituation. Allerdings eine, die sich an dieser Stelle nicht mehr ändern, sondern nur noch örtlich verschieben ließ. Verhindern hätte man sie nur in der Planung können.

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07.10.2010

Der Menschenstau am Rampenkopf / Eingang zum Festivalgelände – Teil 5

 

7) Der Mythos von den Pushern, welche die Raver vom Rampenkopf wegbewegen könnten

 

Man stoppe den Film von Kamera 4, 15:40 bis 16:00 UHR, bitte unbedingt einmal bei ca. Minute 8 in der Großbildeinstellung. Die Kamera zeigt nun einen Überblick über die gesamte Menschenmasse –sowohl im Eingangsbereich, wie auch auf dem Festivalgelände links und rechts der Rampe, wo die Leute über die Böschungen hinströmen.

 

Und nun sage mir bei Betrachtung dieser Großaufnahme doch bitte einmal jemand, was Pusher dort hätten ausrichten sollen.

Wie viele Menschen sehen wir da? 80.000? Über die genaue Summe müssen wir nicht diskutieren. Meinetwegen können es auch 60.000 oder „nur“ 40.000 sein.

Wohin sollten Pusher diese Massen denn nun drücken?

 

Im Folgenden zeigt Kamera 4, wie schwer es für die Floats wird, sich durch diese Menschenmassen zu bewegen. Immer wieder müssen sie kurz stehenbleiben.

Dann sieht man wieder, dass zwischen den Gebäuden und der Floatstrecke durchaus komfortabel Platz war. Und wieder kann man eindrucksvoll sehen, dass die allermeisten Leute nicht den Floats folgen. Schaut man kurz zu, sieht man sogar, dass sich im Vordergrund auch viele der laufenden Personen in die Gegenrichtung zu den Floats bewegen, dass die meisten stehen und die beschriebene, schmale Menschenspur, die hinter den Wagen her tanzt.

 

Es gab also durchaus Lücken in dieser gigantischen Masse – will heißen: etwas weniger als 2 Personen pro Quadratmeter in bestimmten Arealen - in die man Menschen rein theoretisch noch hätte hineindrücken können.

Und wie genau sollte das nun von statten gehen?

Indem man z.B. 10.000 oder 20.000 Personen versucht, durch Überredungskunst dazu zu bewegen, woanders hinzugehen? Oder doch besser, indem man sie unmissverständlich auffordert, sich sofort vom Fleck zu bewegen? Da hätte man sich aber verflixt beeilen müssen, denn während dessen strömten bereits die nächsten 10.000 herbei. Vielleicht wäre das ja mit mehreren tausend Ordnern gelungen, die dann jedoch leider ihrerseits den Eingang verstopft hätten.

Oder hätte man vielleicht eine Ordnerkette bilden und versuchen sollen, die Leute mit Gewalt wegzudrücken? Wie viele tausend Menschen lassen sich denn wohl auf diese Weise von der Stelle schieben? Bräuchte man, um solche Menschenmengen wegzuschieben, nicht eher Bagger oder Panzer?

Und wohin hätte man sie schieben sollen? Auf die Floatstrecke? Zu den Seiten, die gleichermaßen voll waren, weil dort die Raver in Massen über die Böschungen kletterten?

Man hätte allenfalls mit Wasserwerfern etwas Platz schaffen können, aber vermutlich auch eine Panik ausgelöst und vor allem Menschen verletzt.

 

Auch die Vorstellung, man hätte die Leute durch Lautsprecheraussagen dazu bewegen sollen, den Eingangsbereich zu räumen, geht ins Leere. Dann hätte man dort ganztags entsprechende Lautsprecher dröhnen lassen müssen.

Damit aber wäre ein Gutteil des Geländes nicht für die Party nutzbar und das Gelände als Ganzes wiederum für noch einmal deutlich weniger Partygäste geeignet gewesen (es war ja ohnehin schon zu klein für die Gesamtheit der erwarteten Raver).

 

Zusätzlich zum Bewegen der Massen durch die Floats war also ein weiterer Punkt der Planung unzutreffend:

Die Vorstellung, solche Massen (auch unabhängig von den örtlichen Begebenheiten) durch Ordner schnell genug von der Stelle zu bewegen, ist vollkommen unrealistisch.

 

Siehe hierzu auch Personenfluss-Forschungen, die belegen, dass die Geschwindigkeit von Personenflüssen sehr stark von der PersonenDICHTE abhängig ist. Durch die Enge der örtlichen Verhältnisse am Rampenkopf (Nadelöhr) und kurz dahinter schuf man automatisch auch eine erhebliche Verlangsamung des Menschenstroms bis hin zum Stillstand

– und zwar vollkommen unabhängig davon, ob sich die Leute erst einmal orientieren müssen oder ein Würstchen essen wollen oder nicht.

- und vollkommen unabhängig davon, ob da noch Ordner in der Engstelle rumstehen, die versuchen, auf die Leute einzuwirken (und zusätzlich Platz wegnehmen) oder nicht.

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