Politiker kifft im Fernsehen – Verharmlosung wider die RealitätInhalt abgleichen

Experte: Jörn Patzak

Staatsanwalt

26.10.2012

So gut wie jede Zeitung im Land berichtet heute  über den FDP-Politiker Martin Lindner, der in der TV-Show „Stuckrad-Barre“ auf Tele 5 an einem ihm angebotenen Joint zog (hier zum Video). Die Kritik hieran hält Herr Lindner für übertrieben. Er wolle für einen „entspannten Umgang“ mit weichen Drogen werben (s. dazu zum Beispiel hier).

Ich halte die (sicherlich sehr werbewirksame) Aktion von Herrn Lindner für fatal. Er suggeriert, dass es sich bei Cannabis um eine harmlose Substanz handelt. Tatsächlich aber hat sich Cannabis in den letzten 20 Jahren stark verändert. Die Qualität des Cannabis ist nämlich extrem gestiegen, wodurch stärkere körperliche Wirkungen beim Konsumenten mit erheblichen Gesundheitsgefahren vor allem bei Jugendlichen auftreten:

1. Entwicklung der Wirkstoffgehalte:

In den letzten 20 Jahren haben die THC-Gehalte im Cannabis vor allem durch die Züchtung von Hochleistungscannabis in Indoor-Anlagen deutlich zugenommen. 1994 lag der durchschnittliche THC-Wirkstoffgehalt von Haschisch bei 5,3 Prozent, der von Marihuana (Blätter und Blütengemische) bei 3,6 Prozent. Im Jahr 2004 wurde bei Haschisch bereits ein Durchschnittswirkstoffgehalt von 9,1 Prozent und bei Marihuana von 9,9 Prozent festgestellt. Dabei ist aufgefallen, dass das Marihuana vermehrt aus Cannabisblüten bestand, weshalb sie ab dem Jahr 2005 gesondert statistisch erfasst werden. Cannabisblüten, auch Dolden oder Pollen genannt, zeichnen sich durch besonders hohe THC-Wirkstoffgehalte aus, da in den Blüten eine hohe Harzdrüsendichte vorhanden ist. In den Ästen und Stängeln der Cannabispflanze befinden sich dagegen nur wenige Harzdrüsen, so dass bei einem Gemisch aus Blüten, Blättern, Stängeln und Wurzel zwangsläufig ein niedrigerer THC-Gehalt festzustellen ist. Im Jahr 2009 hatten die in Deutschland sichergestellten Cannabisblüten, die mittlerweile dem Haschisch und Marihuanagemisch in der Szene fast gänzlich den Rang abgelaufen haben, einen Durchschnittwirkstoffgehalt von 11 Prozent, während das Haschisch bei 8,4 Prozent und das Marihuanagemisch bei 3,4 Prozent lag (Quelle: Körner/Patzak/Volkmer, BtMG, 7. Auflage, Stoffe/Teil 1, Rn. 17: Es handelt sich um Zahlen aus dem Statistischen Auswerteprogramm Rauschgift (SAR) unter Zugrundelegung des arithmetischen Mittels der im gesamten Bundesgebiet sichergestellten Cannabisprodukte [im Gegensatz zum sog. Median- oder Zentralwert, dem aus der Hälfte der Proben errechneten Zahlenwert, der zum Teil in anderen Publikationen angegeben wird]).

Dass bei den Wirkstoffgehalten von Cannabis noch Luft nach oben ist, zeigen die Zahlen aus den Niederlanden im niederländischen Drogenbericht aus dem Jahr 2010. Bei in den Niederlanden angebautem Marihuana wurde ein durchschnittlicher Wirkstoffgehalt von 17,6 Prozent festgestellt, bei Haschisch sogar 19 Prozent (Quelle www.emcdda.eu).

Das zur Entkräftung dieser Entwicklung oftmals vorgebrachte Argument, die Konsumenten würden weniger Marihuana in den Joint mischen, ist Augenwischerei. Diese Hochleistungssorten mit einem entsprechend hohen Preis wurden gerade dazu gezüchtet, besonders starke Wirkungen zu erzeugen. Sie werden daher auch nicht „verdünnt“ konsumiert. Oder anders ausgedrückt: Wenn ich meinen langsamen Kleinwagen mit 60 PS gegen einen teuren Sportwagen mit 400 PS eintausche, tue ich dies sicherlich nicht, um weiterhin langsam zu fahren!

2. Neue Erkenntnisse zu den Gesundheitsgefahren beim Konsum von Cannabis:

Dass dieses THC-reiche Cannabis beim Konsumenten auch stärkere Wirkungen hat als früher, liegt auf der Hand. Dass es auch zu stärkeren Gesundheitsschäden führt, ist mittlerweile in unzähligen Studien belegt worden (zusammenfassend: Schriftliche Stellungnahme von Prof. Dr. Thomasius, Leiter des Deutschen Zentrums für Suchtfragen des Kindes- und Jugendaltes (DZSKJ) im Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, zur Anhörung vom 25.1.2012 im Gesundheitsausschuss des Bundestages bezüglich des Antrags auf Legalisierung von Cannabis durch Einführung von Cannabis-Clubs). Erst kürzlich kam eine Studie von Madeline Meier von der Duke Universität in den USA zu dem Ergebnis, dass Cannabiskonsum vor allem bei jungen Konsumenten das zentrale Nervensystem unwiderruflich schädigt und zur Senkung des Intelligenzquotienten führt (s. hier).

3. Unbedachte oder gewollte Folge:

All dies lässt Herr Lindner unberücksichtigt. Dabei fordern vor allem die Politiker mehr Prävention im Bereich Cannabis. Tatsächlich bewirkt die Aktion von Herrn Lindner aber das Gegenteil, da Cannabis als harmlos dargestellt wird. Und damit wird mit einem Schlag wirkliche Cannabisprävention zu Nichte gemacht, nämlich die von Drogenberatungsstellen, Polizeibeamten oder Lehrern in unzähligen Informationsstunden über den tatsächlichen Erkenntnisstand von Cannabis für besonders gefährdete Schüler oder Auszubildende.

 

 

Siehe auch:


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Kommentare:
Gast

26.10.2012

Sie würden aber doch zugeben, dass man Sekt in einem anderen Verhältnis mischt, als Korn mit Cola. Diesen Vergleich finde ich treffender als ihren Sportwagenvergleich.

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Anonym

26.10.2012

Lieber Herr Staatsanwalt Patzak,

das Für und Wider einer - höchstwahrscheinlich gestellten - Darstellung des Cannabis-Konsums im TV ist natürlich sehr vielschichtig und in solch einem Kommentar im Internet auch gar nicht abschliessend zu diskutieren. Dennoch würde ich gerne auf die von Ihnen angeführten Punkte eingehen, und zwar unter dem - nicht nur von Martin Lindner - geforderten Gesichtspunkt, einem "entspannteren Umgang" mit der Droge Cannabis.

 

zu Punkt 1.) die Studien zum Anstieg des THC-Gehalts sind natürlich wissenschaftlich fundiert und belegt. Das kann man auch nicht wegdiskutieren. Die durchgreifende Argumentation auf den liberaleren Umgang mit Cannabis als Droge ist allerdings mMn nicht schlüssig, da es im Grunde darum gehen sollte, einem erwachsenen Menschen selbst die Entscheidung für seinen bevorzugten Rausch zu überlassen. Nun ist es völlig egal, welche Steigerungen im Durchschnitts-THC-Gehalt in den letzten Jahren zu beobachten waren, denn ein erwachsener Mensch hat auch in der Kneipe die Wahl zwischen Spirituosen jeglichen Alkohol-Gehalts. Gerade diese wissenschaftlichen Analysen können doch nur FÜR den gesetzlich geregelten Cannabiskonsum ausgelegt werden. Eine staatliche Kontrolle wäre die beste Möglichkeit, über Qualitäten und Abgaben dieser Droge zu wachen. Ihr Beispiel mit dem Sportwagen greift auch deshalb zu kurz, da der Mann mit dem 400PS-Schlitten eben doch langsamer fährt, als er denn könnte, da er sich an hiesige Geschwindigkeitsbegrenzungen zu halten hat. Zu den Gebrauchsgewohnheiten der stärkeren Cannabis-Sorten kann ich leider nichts sagen, aber die These, dass die Nutzer ihre Joints nicht verdünnen, sollte schon belegt sein, sonst greift auch sie nicht. Gibt es dazu auch wissenschaftliche Studien?

 

zu Punkt 2.) sie sprechen hier irreführend von "Konsumenten" an sich, verweisen dann aber auf eine Studie, die sich mit Kindern und Jugendlichen beschäftigt hat. Ich habe in meinen Ausführungen zu Punkt 1 absichtlich vom erwachsenen Konsumenten geschrieben, denn um den sollte es ja bei aller Liberalität gehen. Wir würden hierzulande auch niemals diskutieren, ob man Tequila für Kinder freigibt. So sollte man auch nie diskutieren, ob man Cannabis für Kinder freigibt. Auch diese Studien sind natürlich wissenschaftlich fundiert und nicht anzufechten. Genausowenig ist aber anzufechten, dass die wissenschaftliche Meinung diesbezüglich in weiten Teilen davon ausgeht, dass der Konsum für den erwachsenen Menschen weit weniger schädlich ist, als dies über Jahrzehnte propagiert wurde. Auch wenn es ein Totschlagargument ist, es ist dennoch in der Betrachtung nicht völlig auszublenden: Es gibt keinen einzigen bestätigten Toten aufgrund des Cannabiskonsums weltweit. Gab es noch nie. Die Zahlen zu Alkoholkranken und -toten möge man bitte selbst nachschlagen. Auch deshalb hier wieder: Eine Diskussion über die Abgabe von Cannabis an erwachsene Menschen darf nicht durch Studien blockiert werden, die uns aufzeigen, dass Kinder und Jugendliche mit Folgeschäden zurück bleiben würden. Das ist paradox. Im Übrigen haben die erwähnten Studien auch belegt, dass die Folgen des Cannabiskonsums beim Erwachsenen sehr kurzfristig sind und in Etwa einem Kater ähneln, den man auch nach einer Nacht an der Theke hat. Mit weit weniger langfristigen Folgen, als beim Alkoholkonsum, wohlgemerkt. Dies wird in dem FOCUS-Artikel natürlich nicht erwähnt.

 

zu Punkt 3.) Ich bin mir ziemlich sicher, dass diese - mutmasslich gestellte - Situation in der TV-Show keinerlei Auswirkungen auf die wichtige Präventionsarbeit der betreffenden Institutionen haben wird. Wenn man sich die Sendung anschaut, so sieht man, dass es sich um eine spassige Late-Night-Show handelt, und Herr Lindner ist bestimmt verantwortungsbewusst genug, um zu wissen, wann er sich in einem satirischen Rahmen bewegt und wann es um Realpolitik geht. Die nachträgliche mediale Auseinandersetzung mit dem Gezeigten ist natürlich wieder eine völlig andere Geschichte.

 

Also, ich würde darum bitten, dieses Thema differenzierter zu betrachten. Das haben die Menschen in diesem Land verdient. Der Vergleich mit legalen Drogen muss gestattet sein, da es bei allen Drogen und den entsprechenden Gesetzgebungen immer um die Gesundheit der Bürger gehen sollte. Und hier sprechen wir in erster Linie vom erwachsenen Menschen, dem wir verantwortungsvollen Umgang mit Drogen erstmal unterstellen sollten, da wir ihn sonst für unmündig deklarieren würden. Aufgrund aller wissenschaftlicher Erkenntnisse zu Cannabis und Alkohol oder Nikotin muss man - objektiv betrachtet - zu dem Schluss kommen, dass hier seit jeher mit zweierlei Maß gemessen wird. Wäre Cannabis für Menschen ab 21 Jahren legal, wären natürlich nicht alle Probleme gelöst. Dennoch wäre es ein Schritt in die richtige Richtung, würde eine Entlastung der Justiz nach sich ziehen (das können sie bestimmt bestätigen) und wir würden den Bürgern einfach nur das endlich gestatten, was wir ihnen mit Zigaretten und Alkohol schon immer zugestehen. Nämlich das Recht, selbst entscheiden zu können, was einem gut tut.

 

Mit freundlichem Gruss,

ein Internet-Nutzer ;)

 

 

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Pascal

26.10.2012

Haben Sie schonmal den Starkbieranstich auf dem Nockherberg angeschaut? Was sagen Sie denn dazu, so im Vergleich?

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Jörn Patzak

Staatsanwalt

26.10.2012

@Anonym:

 

Mir geht es tatsächlich um den Schutz der Jugendlichen und jungen Erwachsenen (die neuronale Entwicklung, die durch Cannabis gestört wird, hört nämlich nicht mit 18 Jahren auf). Eine Legalisierung von Cannabis für ältere Konsumenten hätte zwangsläufig die Folge, dass Cannabis auch bei jungen Menschen als harmlos angesehen würde. Und das ist es eben nicht. Deshalb denke ich, dass auch die Älteren im Sinne des Jugendschutzes auf den Joint verzichten sollten.

Bei Nikotin findet gerade eine gesellschaftliche Ächtung statt (durch Prävention, aber auch durch Rauchverbote an verschiedenen Örtlichkeiten in Form von Ordnungswidrigkeiten), die sich auch in Zahlen niederzuschlagen scheint, da immer weniger Jugendliche rauchen (hier). Das ist doch erfreulich.

Bei Cannabis führen medial gern gesehene Legalisierungsdebatten, und dazu gehört auch die Aktion von Herrn Lindner, genau zum Gegenteil.

 

 

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Anonym

26.10.2012

@ Herr Patzak: Ihrer Logik folgend, würde es dann also nur noch Gesetze geben, die Erwachsene mit Kindern gleichsetzen, damit Kinder nicht das machen, was Erwachsene Ihnen vorleben.

Oder anders: Sie sind also der Meinung, dass die Bürger dieses Landes auf einen Schnaps verzichten sollten, weil Kinder zwangsläufig Schnaps für harmlos halten würden?

Schnaps ist hier auch zu ersetzen mit jeglichen Drogen, die zwar berauschen, aber auch irgendwie gesundheitsschädlich sind.

Verstehen sie mich nich falsch, vielleicht verstehe ich sie ja falsch, aber ich bezweifle stark, dass das was sie da vorschlagen auch nur annähernd in einen logischen Rahmen gebracht werden kann, mit allen Realitäten dieser Gesellschaft.

Darf ich fragen, ob sie asketisch leben?

Es grüsst freundlich,
Der Internet-Nutzer ;)

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Mein Name

26.10.2012

Was mir in der Erörterung zu kurz kommt, ist die Differenzierung zwischen tatsächlicher Reichweite der Sendung und dem Medienhype, der darum gemacht wurde. Schaut man sich die Zuschauerzahlen an, gewinnt man nämlich den Eindruck, dass hier der Sack geschlagen wird und der Esel gemeint ist.

Stuckrad-Barre hatte bei Sendestart 90.000 Zuschauer und ist in der Folge auf 50.000 abgerutscht. Die Anzahl der Jugendlichen, die tatsächlich bei diesem Nischensender um 23.15 Uhr (ab 23 Uhr dürfen im Fernsehen übrigens Filme mit FSK 18 laufen) noch reinzappen, um freiwillig ein Interview mit einem FDP-Politiker zu sehen, dürfte mit vierstellig noch hoch gegriffen sein.

Erst durch die massive mediale Verbreitung durch Medien wie die Onlineportale von "seriösen" Tageszeitungen (soweit man das über die Springerpresse überhaupt sagen kann) und andere Berichterstattung wurde diese Aktion überhaupt einem größeren Publikum bekannt.

Dagegen sendet vox zur besten Vorabendzeit zwischen 19 und 20 Uhr ein Aperitif-Saufgelage mit sechs harten Schnäpsen ("oh, riecht das lecker" - "Kopf in Nacken"-"lecker"), wobei ein solches Konsumverhalten für Jugendliche auch noch bagatellisiert wird ("dafür bin ich eigentlich schon zu alt" und "das haben wir früher immer so gemacht" aus dem Mund einer Frau, die noch wie ein Teenager aussieht). Die Zuschauerzahl beim Promi-Dinner liegt übrigens bei über zweieinhalb Millionen (!!!).

Wo war da der Aufschrei der Präventionsjünger? Missbrauch der Einstiegsdroge Nummer 1 (mit großem Abstand), das zur besten Sendezeit und dazu die Darstellung als sozial adäquat - und keinen stört's?

Wundert es da noch irgend jemanden, dass das Anprangern des Lindner-Joints als bigott angesehen wird?

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John Doe

27.10.2012

Sehr geehrter Herr Patzak,

 

auch ich bin einer Legalisierung von Cannabis kritisch gegenüber eingestellt.

 

Aber Ihr Beitrag lässt m.E. doch einige Aspekte außer acht. Sie selbst verlinken auf die Stellungnahme von Prof. Thomasius. Schon im ersten Absatz der Stellungnahme steht, dass der Cannabiskonsum von Jugendlichen seit 2004 kontinuierlich stagniert. Diesen Fakt sollte man im Hinterkopf behalten.

Sicher haben Sie als Staatsanwalt auch eine gewissen Vorprägung, da BtM-Sachen zu Ihrem täglichen Geschäft gehören. Daher haben Sie unbestrittenes Fachwissen - vielleicht aber auch eine gewisse Prägung erfahren, die die klare Sicht auf die Dinge verstellt. Mit anderen Worten: Vielleicht sehen Sie die Dinge etwas "schlimmer" als Sie sind, da Sie mit eben auch mit den extremen Varianten der BtM-Problematik im Beruf zu zun haben.

 

Die Diskussion wirkt auf mich immer ein wenig gekünstelt: Es werden ständig neue Studien zitiert, wie sehr Cannabiskonsum das ZNS schädige usw.

Dies mag sicher zutreffen. Die Ironie ist aber, dass es auf Alkohol genauso zutrifft. Bei schätzungsweise 90% aller Cannabis-Gutachten ließe sich das Wort "Cannabis" durch "Alkohol" ersetzen und das Ergebnis des Gutachtens stimmte immer noch.

Um als den Kreis zu schließen: Wenn mir eine charakterlich gefestigte Person erklärt, er rauche ab und an gerne abends einen Joint zur Entspannung, fällt es mir schwer, Gründe dagegen zu finden, so lange auch der Rotwein zur abendlichen Entspannung legal (und in praktisch allen Schichten der Gesellschaft akzeptiert) ist.

Anders herum gewendet: Das "Hardcore"-Kiffen finde ich nicht weniger verwerflich als das "Hardcore"-Saufen.

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ABC

27.10.2012

Informieren Sie sich bitte über die heilende Wirkung von Canabis. Jeder ist für sich selbst verantwortlich, wie im Alkoholkonsum auch. Staatliche Eingriffe können nur Heuchlerei sein.

 

http://youtu.be/KPM6Cri8m1U

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Bnonym

27.10.2012

Joern.Patzak schrieb:

@Anonym:

 

Mir geht es tatsächlich um den Schutz der Jugendlichen und jungen Erwachsenen (die neuronale Entwicklung, die durch Cannabis gestört wird, hört nämlich nicht mit 18 Jahren auf).Eine Legalisierung von Cannabis für ältere Konsumenten hätte zwangsläufig die Folge, dass Cannabis auch bei jungen Menschen als harmlos angesehen würde. Und das ist es eben nicht. Deshalb denke ich, dass auch die Älteren im Sinne des Jugendschutzes auf den Joint verzichten sollten.

Bei Nikotin findet gerade eine gesellschaftliche Ächtung statt (durch Prävention, aber auch durch Rauchverbote an verschiedenen Örtlichkeiten in Form von Ordnungswidrigkeiten), die sich auch in Zahlen niederzuschlagen scheint, da immer weniger Jugendliche rauchen (hier). Das ist doch erfreulich.

Bei Cannabis führen medial gern gesehene Legalisierungsdebatten, und dazu gehört auch die Aktion von Herrn Lindner, genau zum Gegenteil.

 

Zum Jungendschutz: Wie bewerten Sie die Abgabe von Alkohol an Jugendliche und junge Erwachsene? Ohne jetzt zu tief in die Details zu gehen, würde ich die These, dass ein maßvoller Umgang mit Alkohol die Entwicklung bestenfalls am Rande beeinträchtigt als durchaus stichhaltig bewerten. Genauso wie die Behauptung, ein misbräuchlicher Alkoholkonsum im entsprechenden Lebensabschnitt habe massive Auswirkungen auf die neuronale Entwicklung.

 

Wo genau sehen Sie hier den Unterschied zu Cannabis? Wollen Sie die These aufstellen, dass ein maßvoller Cannabis-Konsum (um Butter zu die Fisch' zu machen, sagen wir Konsum von 1-2g / Monat) zu massiven Entwicklungsstörungen führt? In diesem Fall sollten Sie sich die entsprechenden Forschungsergebnisse nochmal in aller Ruhe zu Gemüte führen. Üblicherweise wird dort von Probanten mit signifikant höherem Konsumprofil (1-2g/Tag, was im Vergleich zu Alkohol größenordnungsmäßig dem Kasten Bier am Tag entspricht) berichtet.

 

Was Ihnen, bei einer sorgfältigen Sichtung der verfügbaeren Forschungsergebnisse, ebenfalls nicht entgehen dürfte ist, dass das Suchtpotential auch der erwähntren 1-2g/Tag mit dem Kasten Bier am Tag in keinster Weise vergleichbar ist. Während ein Entzug im letzteren Fall ohne professionelle Hilfe kaum machbar ist, ist ein  entsprechender Entzug im Cannabisfall eine Sache, die nach fünf Tage erledigt und durchaus ohne professionelle Hilfe durchführbar ist. In kurz, THC erzeugt keine echte körperliche Abhängigkeit.

 

Auch Ihr Vergleich mit Nikotin zielt meines Erachtens nach in die falsche Richtung, einfach da Tabak bislang nicht auf der Liste der sogenannten Betäubungsmittel zu finden ist, und damit eine komplett andere Ausgangslage vor liegt. Zudem ist Nikotin, zumindest laut der mir vorliegenden Forschungsergebnisse, eine wesentlich heimtückischere Droge als THC, d.h. die Gefahr einer körperlichen Abhängigkeit ist um Größenklassen höher. Zudem verringert entsprechender Tabakkonsum die Lebenserwartung des Konsumenten signifikant, was bei Cannabiskonsum (man kann das Zeug angeblich nicht nur rauchen, sondern auch essen oder verdampfen) nicht der Fall ist.

 

Zusammenfassend muss ich feststellen, dass Ihre Meinung offenbar durch einer massiven Fehleinschätzung der entspechenden Gefährdungspotentiale und ein aus dem Kontext-Ziehen einzelner Forschungsergebnisse geprägt ist. Sehr schade.

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Jaque de Roek

27.10.2012

Sehr geehrter Herr Patzak,

Ihr Vergleich zwischen gestiegenem THC-Gehalt und Sportwagenmotor ist nur auf den allerersten Blick brauchbar.

Tatsächlich hat der Sportwagenkäufer die freie Wahl, welchen Wagen, ob stark oder sparsam, er erstehen möchte.

Der durch die Prohibition "regulierte" Schwarzmarkt bietet dem Kunden selten eine freie Wahl - um ihre Gefahr zu minimieren, sind Züchter und Distribution gezwunden, so viel Wirkstoff auf so wenig Volumen zu bringen wie möglich.

Wo der Sportwagenfahrer einen Vorsatz zur Erstehung eines größeren Kraftpotenzials seines Motors hatte, muss der in seiner Auswahl eingeschränkte Kunde des Schwarzmarktes oft nehmen was er bekommt - das auf den illegalen Verkauf optimierte Produkt.

So herum ließe sich argumentieren, dass die strafrechtliche Ahndung des Umgangs mit Cannabis deren Wirkstoffanstieg, und somit eine mögliche Gefahrsteigerung, bewirkt hat.

Nur ein kleiner Aspekt dieser facettenreichen Diskussion.

 

Mit freundlichen Grüßen,

Jaque de Roek

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sebastian

27.10.2012

Das von Ihnen verlinkte Video zeigt Herrn Lindner, der nicht glaubt, dass es sich bei der "Zigarette" um einen Joint handelt und der, nachdem er den Joint angezündet hat und merkt, dass es sich eben doch nicht um eine bloße Zigarette handelt, den Joint sofort abgibt und nicht weiterraucht.

Für mich sieht es also so aus, dass er den Joint erst gar nicht angezündet hätte, wenn er es vorher gewusst hätte.

Ich würde also nicht soweit gehen und ihm unterstellen, dass er bewusst einen Zug von einem Joint genommen hat. Für ihn handelte es sich nach der Geruchsprobe um eine schlichte Zigarette.

 

 

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Lutz

27.10.2012

Sehr geehrter Herr Patzak,

nachdem mein Post von letzter Nacht mittlerweile auf mysteriöse Weise verschwunden ist, möchte ich erneut meine Recherche zum allseits beliebten Märchen zum permanent und massiv steigenden Wirkstoffgehalt in der Cannabisblüte einbringen. Wie vor kurzem in der auf taz.de zu lesen war, enthielt das 2011 beschlagnahmte Cannabis im Durchschnitt knapp 3% THC. Unsere Drogenbeauftragte, Frau Dyckmans berichtet auf abgeordnetenwatch.de: "Nachdem sich der mittlere THC-Gehalt im Haschisch von 2005 (8,6%) nach 2006 stark verringerte und mit 6,7% den niedrigsten Wert der letzten zehn Jahre erreichte, stieg er bis 2009 wieder auf 7,4% an und ist 2010 auf 6,8% gesunken (Abbildung 10.2). Im Vergleich mit den Angaben von 1997 zeigen sich insgesamt nur geringe Veränderungen, wobei der Wirkstoffgehalt des Marihuanas leicht gestiegen und der des Cannabisharzes sogar leicht zurückgegangen ist." (REITOX-Bericht 2011, S. 214)."

 

Der ältesten Hinweis auf den Wirkstoffgehalt von Marihuana/Haschisch, den ich in Erfahrung bringen konnte, stammt aus dem Buch "Das definitive deutsche Hanf-Handbuch" aus dem Jahre 1973, dort wird für Marihuana ein maximaler THC Gehalt von über 15% aufgelistet. Des weiteren wird dort Haschisch-Öl mit über 30% THC aufgeführt.

 

Des weiteren sollte man nicht ausser Acht lassen, dass THC vor etwa 1990 in Deutschland in erster Linie in Form von Haschisch und Haschisch-Öl konsumiert wurde, was schon damals einen Wirkstoffanteil hatte, den wir heute in Cannabisblüten messen. Die Qualität von Marihuana und Haschisch, die in den jeweiligen Studien gemessen wurden stehen nicht repräsentativ für alle Varianten die auf dem Markt erhältlich sind. Auch heute schwankt der Wirkstoffgehalt sehr stark, was man verhindern könnte, wenn man diesen Markt reguliert. 

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Wiss. Mit. Sebastian Sobota

27.10.2012

Joern.Patzak schrieb:

Das zur Entkräftung dieser Entwicklung oftmals vorgebrachte Argument, die Konsumenten würden weniger Marihuana in den Joint mischen, ist Augenwischerei. Diese Hochleistungssorten mit einem entsprechend hohen Preis wurden gerade dazu gezüchtet, besonders starke Wirkungen zu erzeugen. Sie werden daher auch nicht „verdünnt“ konsumiert. Oder anders ausgedrückt: Wenn ich meinen langsamen Kleinwagen mit 60 PS gegen einen teuren Sportwagen mit 400 PS eintausche, tue ich dies sicherlich nicht, um weiterhin langsam zu fahren!

 

Sehr geehrter Herr StA Patzak,

 

mit Verlaub: nicht alles, was hinkt, ist ein Vergleich. Passender wäre es wohl - so wie hier auch schon von anderen Kommentatoren angeführt - die verschieden potenten Cannabis-Sorten mit entsprechenden alkoholischen Getränken zu vergleichen. Ihrer Logik nach würde dies dann bedeuten, dass Menschen, wenn kein Bier à 0,5 l mit ca. 5 % Vol. Alkoholgehalt verfügbar ist, stattdessen eben 0,5 l Schnaps mit 40 % Vol. Alkohol trinken. Das halte ich für reichlich lebensfremd! Meines Erachtens macht der höhere Wirkstoffgehalt das Cannabis nicht gefährlicher, jedenfalls solange der Konsument weiß, wie hoch der THC-Gehalt seines Stoffes ist und er ihn entsprechend dosieren kann - dies wird ihm durch den Schwarzmarkt aber nahezu unmöglich gemacht. Überdies geht die wohl größte Gesundheitsgefährdung beim Konsum von Cannabis nach wie vor von der üblichen Einnahmeform (Rauchen von Cannabis-Tabakgemisch) aus.

Auch der Jugendschutz ist nur ein scheinbar überzeugendes Argument für eine Totalprohibition von Drogen. Denn wenn es wirklich so wäre, dass die Jugend nur durch ein Totalverbot von Drogen geschützt werden könnte, müsste dies konsequenterweise nicht für alle Drogen (und evtl. auch diverse andere gesundheitsgefährdende Stoffe) gelten? Davon geht unser Gesetzgeber aber erkennbar nicht aus. Vielmehr knüpft er eine Strafbarkeit bzw. Ordnungswidrigkeit in anderen für den Jugendschutz relevanten Bereichen (Alkohol, Pornographie, Gewaltdarstellung usw.) an die unmittelbar gefährdende Handlung (Alkohol-/Tabakabgabe an Jugendliche, Verbreiten pornographischer Schriften etc.). Nach ihrer Logik müsste darin eine eklatante Vernachlässigung staatlicher Schutzpflichten zugunsten Jugendlicher liegen, oder etwa nicht?

Was in der hiesigen Diskussion noch fehlt, ist das das vermeintliche Totschlagargument "Sicherheit im Straßenverkehr". Doch auch hier entspricht es unser freiheitlichen Rechtsordnung, nicht wegen einiger, die ihre Freiheit missbrauchen, die Allgemeinheit insgesamt zu gängeln, sondern an die jeweils unmittelbar gefärdende Handlung (=Teilnahme am Straßenverkehr in berauschtem Zustand) anzuknüpfen (Verkehrsstraf- und Ordnungswidrigkeitenrecht). Zudem belegen sämtliche mir bekannte Studien, dass jedenfalls eine Entkriminalisierung, die Sie ja anscheinend vehement ablehnen, keinen signifikanten Anstieg des problematischen Drogenkonsums verursacht. Wenn Sie schon beim öffentlichen Probieren eines Joints eine Verharmlosung der Gefahren von Cannabis sehen, wie erklären Sie sich dann, dass bspw. die Niederlande oder andere liberalere Staaten noch nicht im Drogensumpf untergegangen sind?

 

Beste Grüße aus Mainz

S. Sobota

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Jörn Patzak

Staatsanwalt

27.10.2012

Zunächst einmal vielen Dank für die konstruktiven Diskussionsbeiträge!

1.

Der Blog ist nicht der richtige Platz, um eine tiefgreifende Auseinandersetzung zum Thema "Legalisierung von Cannabis" zu führen. Daher sind meine Argumente auch nur als Ausschnitte zu verstehen. Mir war es wichtig, hier die in der Diskussion oftmals nicht genannten Aspekte Wirkstoffgehalte und neue Erkenntnisse zu den Gesundheitsgefahren darzustellen. Ich sehe das Problem - wie John Doe zutreffend feststellt - tatsächlich aus der Sicht eines Staatsanwaltes, der in 13 Berufsjahren unglaublich viele Menschen gesehen hat, die durch Cannabis ihr Leben ruiniert haben (typisch: früher Schulabbruch/kein Job, hoher Finanzbedarf zur Bezahlung der Betäubungsmittel bei oft anzutreffender Cannabisabhängigkeit, daher Begleitkriminalität erforderlich durch Handeltreiben oder Vermögendelikte). Diese Leute sehen Sie, die Sie wahrscheinlich nur die Gelegenheitskonsumenten im Blick haben, die ihr Leben im Griff haben, nicht. Leider kann ich meine Berufserfahrungen nicht in plastischen Zahlen wiedergeben.

Solchen Karrieren gilt es meines Erachtens seitens des Staates vorzubeugen. Immerhin haben wir in Deutschland bei geschätzten 3.000.000 Cannabiskonsumenten 660.000 mit einem problematischen Konsum und 220.000 Abhängige (Jahrbuch Sucht 2011). Soweit hier immer wieder der Vergleich mit der (unbestrittenen) Schädlichkeit von Alkohol kommt, besteht ein entscheidender Unterschied. Cannabis ist nunmal als Betäubungsmittel eingestuft. Eine Legalisierung, sei es auch nur bei Erwachsenen, würde zwangsläufig bei den jungen Menschen ein falsches Signal setzen, nämlich das Cannabis harmlos ist.

2.

Es gibt gute Argumente gegen eine Legalisierung, aber auch gute dafür. Wie bei allem im Leben muss man eine Abwägung treffen und die fällt bei mir wegen des Jugendschutzes nun mal zu Lasten der Legalisierung aus. @Anonym: Ich verlange natürlich nicht, dass Erwachene auf alles verzichten sollen, das für Jugendliche schädlich ist. Hier geht es nur um die Frage einer Gesetzesänderung, bei der ich die entsprechende -falsche- Außenwirkung sehe.

3.

Auf die unterschiedlichen statistischen Erfassungen der Wirkstoffgehalte habe ich ja bereits hingewiesen. Die Entwicklung der Durchschnittswerte bei Cannabis (nicht der sog. Medianwert, der Spitzenwerte ausschließt, wie im Reitox-Bericht) von 1993 bis 2009 (soweit habe ich die Zahlen aus dem Statistischen Auswerteprogramm Rauschgift) können sie sich auf meiner Homepage ansehen (s. hier).

 Wichtig ist dabei die Zahl der Cannabisblüten, da Marihuanagemische so gut wie keine und Haschisch nur noch eine untergeordnete Rolle in der Szene spielen. Der Spitzenwert von Haschisch lag im Jahr 2009 bei 58 Prozent, bei Marihuanagemischen bei 33,3 Prozent und bei den Cannabisblüten bei 42,9 Prozent (Blüten im Jahr 2005: 51,7 Prozent). Bei mittlerweile üblichen zweistelligen THC-Gehalten darf man wohl sagen, dass die Wirkstoffgehalte von Cannabis in den letzten 20 Jahren deutlich gestiegen sind! Haschisch-Öl ist übrigens in Deutschland traditionell kaum ein Thema.

4.

Den Vergleich mit dem Kleinwagen und dem Sportwagen bitte ich nicht so erst zu nehmen. Ich beziehe mein Wissen, dass das THC-reiche Cannabis in der Regel unverdünnt geraucht wird, weil die stärkeren Wirkungen gerade gewünscht sind, aus vielen Gesprächen mit Konsumenten. Die kann ich aber nicht zitieren!

5.

@Herrn Sobota:

Die Zahlen aus den Niederlanden kenne ich. Ich weiß nicht, ob sie wirklich aussagekräftig sind. Ein Gegenargument für Ihren Vergleich mit den Niederlanden gibt es aber: Die Coffeeshops haben sich als Bindeglieder für die Organisierte Kriminalität in Bezug auf den Verkauf von großen Mengen Cannabis und vor allem von Amphetamin, Kokain, Heroin und Ecstasy erwiesen. Diese Gefahr bestünde bei uns jedenfalls dann, wenn Cannabis nicht staatlich kontrolliert abgegeben würde, wie es z.B. die Fraktion DIE LINKE in ihrem Antrag auf Einführung von Cannabis-Clubs in BT-Drs. 17/7197 verlangt (s. dazu meine Stellungnahme im Gesundheitsausschuss des Deutschen Bundestages).

 

P.S.: Ich lebe nicht asketisch (für diejenigen, denen der Begriff nichts sagt, hier die Erläuterung aus Wiktionary: asketisch = enthaltsam, entsagend; auf Vergnügungen und sinnfrohe Genüsse verzichtend 

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Nofate

27.10.2012

Vielen Dank für diese dezidierte Antwort. Weniger Aufregung und mehr Sachlichkeit, weniger Verharren in alten Denkstrukturen und weniger Bevormundung würde in dieser Debatte allen gut tun.

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Nofate

27.10.2012

Das war eine Antwort auf #2.

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bombjack

29.10.2012

Joern.Patzak schrieb:

5.

@Herrn Sobota:

Die Zahlen aus den Niederlanden kenne ich. Ich weiß nicht, ob sie wirklich aussagekräftig sind. Ein Gegenargument für Ihren Vergleich mit den Niederlanden gibt es aber: Die Coffeeshops haben sich als Bindeglieder für die Organisierte Kriminalität in Bezug auf den Verkauf von großen Mengen Cannabis und vor allem von Amphetamin, Kokain, Heroin und Ecstasy erwiesen. Diese Gefahr bestünde bei uns jedenfalls dann, wenn Cannabis nicht staatlich kontrolliert abgegeben würde, wie es z.B. die Fraktion DIE LINKE in ihrem Antrag auf Einführung von Cannabis-Clubs in BT-Drs. 17/7197 verlangt (s. dazu meine Stellungnahme im Gesundheitsausschuss des Deutschen Bundestages).

 

 

Lieber Herr Patzak, 

 

von diesem Gegenargument bin ich nicht überzeugt

vgl. http://blog.beck.de/2011/10/14/legal-highs-ende-des-problems-durch-verbo...

http://blog.beck.de/2011/10/14/legal-highs-ende-des-problems-durch-verbo...

oder warum erwähnt das von Ihnen erwähnte Gutachten von Fijnaut und De Ruyver, dass bei zwei Coffeeshops in Venlo nur 11% der Käufer Niederländer waren und der Rest Ausländer und diese  pro Tag durchschnittlich gut 3.500 Kunden hatten?

Würden, wenn es in Deutschland/Frankreich/Belgien usw. auch Coffeeshops geben, hätten sich die Probleme die durch Drogentouristen verursacht werden so ziemlich erledigt...inklusive auch dem Anreiz für die OK mit den Leuten Geschäfte zu machen, da diese natürlich auch größere Mengen und andere Substanzen nachfragen.

Mit freundlichen Grüßen

bombjack

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Martin Steldinger

15.11.2012

Werter Herr Patzak,

 

sie sind Staatsanwalt. Warum erheben Sie nicht Anklage gegen Herrn Lindner oder melden dies der Führerscheinbehörde?

 

Bei einer solchen Einstellung, im Fernsehn sich damit zu zeigen und dabei auch noch Alkohol zu trinken, lässt wohl kaum Trennungsvermögen schliessen!

 

mfg,

 Steldinger

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Jörn Patzak

Staatsanwalt

15.11.2012

@Martin Steldinger

Die Frage ist, ob wirklich Haschisch oder Marihuana in dem Joint war.

Selbst wenn, hätte sich Herr Lindner nicht strafbar gemacht. Es wäre ein Fall des straflosen Konsums.

Beim Moderator sähe dies ggf. anders aus. Für eine Verfolgung wäre dann die Staatsanwaltschaft zuständig, in deren Bezirk das Fernsehstudio liegt.

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Mein Name

16.11.2012

Politiker demoliert Auto im Fernsehen - Verharmlosung wider die Realität

So gut wie keine Zeitung im Land berichtet heute über den FDP-Politiker Gerhart Baum, der in der TV-Show „Stuckrad-Barre“ auf Tele 5 mit dem Vorschlaghammer das Guidomobil zerstörte. Die Kritik hieran hält Herr Baum für übertrieben. „Ich wollte kein Spielverderber sein. Wichtig war, zu symbolisieren, dass die FDP keine Spaßpartei mehr ist.“

Ich halte die (sicherlich sehr werbewirksame) Aktion von Herrn Baum für fatal. Er suggeriert, dass es sich bei Sachbeschädigung von Autos um eine harmlose Tätigkeit handelt. Tatsächlich aber hat sich die Sachbeschädigung von Autos in den letzten 20 Jahren stark verändert. Die Qualität der Sachbeschädigung ist nämlich extrem gestiegen (bis hin zu ganzen Serien von Brandstiftungen), wodurch stärker enthemmende Wirkungen beim Medienkonsumenten oder direkt Beobachtenden mit erheblichen Sicherheitsgefahren vor allem bei Autobesitzern auftreten.

Unbedachte oder gewollte Folge:
All dies lässt Herr Baum unberücksichtigt. Dabei fordern vor allem die Politiker mehr Prävention im Bereich Sachbeschädigung. Tatsächlich bewirkt die Aktion von Herrn Baum aber das Gegenteil, da Sachbeschädigung als harmlos dargestellt wird. Und damit wird mit einem Schlag wirkliche Kriminalitätsprävention zunichte gemacht, nämlich die von Beratungsstellen, Polizeibeamten oder Lehrern in unzähligen Informationsstunden über den tatsächlichen Erkenntnisstand von Recht und Unrecht für besonders gefährdete Schüler oder Auszubildende.

- - -

Die Vorlage war einfach zu schön ;-)

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Martin Steldinger

22.11.2012

Werter Herr Patzak,

 

vielen Dank für diese Einschätzung hinsichtlich des öffentlichen Konsums.

Wie sehen Sie das mit dem Trennungsvermögen von privaten und diesem öffentlichen Konsum zusammen mit anderen Drogen: Alkohol?

 

mfg,

 Steldinger

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Alain Yarok

18.06.2013

Die etablierten Parteien erzeugen durch gesundheitspolitisch kontraproduktive Drogenverbote mit voller Absicht unnötige Kriminalität, verfolgen Millionen Unschuldige und verursachen volkswirtschaftliche Schäden in Milliardenhöhe - um der Klientel Marktvorteile zu sichern und sich vor hausgemachten Gefahren als Beschützer zu gerieren.
Seit Jahrzehnten sorgt diese Politik dafür, dass bei Polizei und Justiz ausschließlich Menschen eingestellt werden, die aus Sadismus, Eigennutz oder Ignoranz bereit sind, Unschuldige zu verfolgen.
Dank Verboten bleiben nicht Millionen von Menschen einfach nüchtern, sondern werden allenfalls dem Alkohol, Tabak, Medikamenten, Forschungschemikalien, legalen Naturdrogen, "Schnüffelstoffen" etc. zugetrieben. Hinzu kommen im Falle der willkürlich illegalisierten Substanzen der Reiz des Verbotenen, die effektive Verunmöglichung von Jugendschutz und Schadensminimierung, Szenenbildung und finanzielle Anreize durch überhöhte Preise.

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alx

18.06.2013

Sehr geehrter Herr Platzek

1) Ihre Vermutungen über das Konsumverhalten sind grundlegend falsch. Schon die Hippies in den 60ern wussten, dass die Blüten einen höheren Wirkstoffgehalt besitzen als das Blattwerk. Dafür wurde Cannabis pur konsumiert, wie es in den USA heute noch üblich ist. Oder auch im Europa der Vorprohibitionszeit (Knaster/starker Tobak) 

Ihre Darstellung bezieht sich lediglich auf den Zustand in Europa unter Einwirkung der Prohibition und ist somit wissenschaftlich überhaupt verwertbar.

2) Studienergebnisse zu abstrahieren bedeutet nicht nur das zu beschreiben, was einem gerade zur Stützung seiner Argumentation gerade nützlich erscheint. Das entspräche der Pervertierung. Auch wenn es wahr ist, dass ein negativer Einfluss auf den IQ bei Jugendlichen festgestellt wurde, kann in derselben Deutlichkeit gesagt werden, dass der Konsum für den Erwachsenen Menschen KEINE derartigen Folgen hat.

3) Wenn Ihnen das Ergebnis aus der Entscheidung des BVerfG von 1994 nicht passt, sollten Sie auch die Eier haben das auszusprechen und nicht mit der Polemikkeule um den Block rennen. In den neuen Medien ist es ein leichtes, einen pseudowissenschaftlichen Anspruch zu demaskieren.

Hochachtungsvoll,

 

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alx

18.06.2013

alx schrieb:

Ihre Darstellung bezieht sich lediglich auf den Zustand in Europa unter Einwirkung der Prohibition und ist somit wissenschaftlich überhaupt verwertbar.

 

sollte natürlich heißen:

überhaupt NICHT verwertbar

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Alexander Ladner

19.06.2013

Sehr geehrter Herr Staatsanwalt Patzak,

Entkriminalisierung oder Legalisierung?

Eine Legalisierung wäre ein schlechtes Signal an die Jugend! Ja!

Wenn Vater Staat die wohl verbotenste Pflanze auf den rechtlichen Rang der gemeinen Brennessel stellt, sicherlich! Cannabisrauch ist gefährlich und verdient den Platz in den Schulbüchern, neben Alkohol und den Opiaten. Verdient es, ernst genommen zu werden.

Wenn jedem Kind in der vierten/fünften Klasse glaubhaft dargestellt wird, dass Cannabis das Gehirn im Jugendalter verändert/falsch programmiert, man faul und langweilig wird, man es auf keinen Fall konsumieren soll bevor die Pubertät und Schule abgeschlossen ist - dann wäre es ein deutlich besseres Signal an die Jugend.

Dieses Argument nämlich verstehen selbst Kinder und Jugendliche, die erste eigene Erfahrungen mit der Materie gemacht haben. Die schon Cannabis-"infiziert" wurden.

Niemand möchte als Kind/Jugendlicher dümmer/fauler/erfolgloser werden. Darum lassen es viele dauerhaft sein, egal ob Cannabis nun leicht verfügbar/brennessellegalisiert ist oder nicht!

Eins ist doch auch klar, blinde Verbote haben ihren Reiz. Und wenn dazu die Eltern und Lehrer sagen "Cannabis fasse ich nicht an, das ist illegal und ist viel viel schlimmer als der Wein den ich feierabends trinke" und man selbst vergleicht irgendwann dann selbst, oder beobachtet es bei Freunden/Klassenkameraden -> Man wird den Eltern und Lehrern nicht mehr glauben und allein aus Trotz kiffen bis diese Eltern oder Lehrer etwas bemerken. Um sie demonstrativ der Dummheit/Lüge zu überführen.

Eine Entkriminalisierung von erwachsenen Konsumenten würde viel Geld freistellen, das genau dieser Vorbeugung von Frühkonsumenten dienen könnte.

Eine Entkriminalisierung würden die wenigsten Kinder und Jugendlichen mitbekommen! Eine Entkriminalisierung von erwachsenen Cannabiskonsumenten wäre kein schlechtes Signal! Außer an Menschen, die an der Kriminalisierung und Repression verdienen. (u.a. Anwälte, Dealer)

Nicht ohne Grund setzen sich heutzutage sogar besorgte Eltern für eine Hanf-Legalisierung ein.

Und zwar keine, in der der Hanf überall an der Straße wächst!

 

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Sie wissen

19.06.2013

Was spricht eigentlich gegen eine perfekte Pflanzen-Züchtung von über 30% THC-Gehalt?

Wodka hat 40Vol% und jeder, der Wodka trinkt, weiß um die kommende Gefahr. Entweder weniger trinken als üblicherweise beim Bier, oder du weißt nicht mehr wo oben und unten ist.

Problematisch wird es, wenn man ein alkoholisches Getränk ohne Kategorie kauft.

Ein Getränk, das 4-40 Vol% haben kann. Ein Getränk, dem man die Stärke absolut nicht anmerkt, das immer leicht nach etwas alkoholischem riecht. Ein Getränk, in dem sogar Gifte und Fremdkörper vermischt wurden, des Profits wegen. (Sand/Blei/Plastik)

Wenn ich weiß, dass mein Cannabis stark ist, rauche ich viel weniger Pflanzenmaterial. Es entstehen weniger Verbrennungsprozesse, weniger Schadstoffe für meine Lunge.

Wenn ich ohne Tabak rauche, komplett pur, vermeide ich sogar die Gefahren des im Tabak enthaltenen Nervengiftes.

Was ist denn schlecht daran?

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