Änderung des BtMG tritt in Kraft: 26. BtMÄndVO führt zur Unterstellung von 28 Legal HighsInhalt abgleichen

Experte: Jörn Patzak

Oberstaatsanwalt

25.07.2012

Morgen, am 26.7.2012, tritt die 26. Betäubungsmitteländerungsverordnung (BtMÄndVO) in Kraft. Sie wurde heute im Bundesgesetzblatt verkündet. Durch die 26. BtMÄndVO werden 28 neue psychoaktive Substanzen, sog. Legal Highs, dem BtMG unterstellt. Mehrere synthetische Cannabinoide der JWH-Gruppe, die Amphetamin-Abkömmlinge Fluoramphetamin und 4-Fluoramphetamin sowie die Cathinon-Derivate Flephedron und Methedron werden als Betäubungsmittel i.S.d. BtMG eingestuft, so dass der Umgang hiermit in der Regel strafbar ist. Mit der Gesetzesänderung verfolgt der Verordnungsgeber das Ziel, den Missbrauch mit diesen Stoffen einzudämmen und die Strafverfolgung zu erleichtern (BT-Drs. 317/12). Dazu passt eine Umfrage aus dem Jahr 2011 zu den häufigsten Nebenwirkungen beim Konsum von Legal Highs, die ich kürzlich gelesen habe: Danach hatten 64% der 2.157 Befragten Herzrasen, 52% Kreislaufprobleme, 40% Kopfschmerzen, 42% Übelkeit, 34% Angstzustände, 26% Magenschmerzen, 19% Muskelkrämpfe und 3% Bewusstlosigkeit (s. dazu hier).

Durch die 26. BtMÄndVO wird ferner die Ausnahmeregelung für flüssige Tilidin/Naloxon-haltige Arzneimittel mit schneller Wirkstofffreisetzung gestrichen, allerdings erst mit Wirkung zum 1.1.2013. Tilidin ist ein synthetisches Opiat, das nach Ansicht des Verordnungsgebers bei Zubereitungen mit schneller Wirkstofffreisetzung, z.B. in Tropfenform, ein hohes Missbrauchs- und Abhängigkeitspotential hat. Bislang unterfielen diese Arzneimittel als sogenannte ausgenommene Zubereitungen nicht dem BtMG, was sich ab Januar 2013 ändern wird.  Bestimmte Tilidin/Naloxon-haltige Arzneimittel mit verzögerter Wirkstofffreigabe werden aber – wie bisher - vom BtMG ausgenommen bleiben.

 

Siehe auch:


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Kommentare:
bombjack

26.07.2012

[...] Dazu passt eine Umfrage aus dem Jahr 2011 zu den häufigsten Nebenwirkungen beim Konsum von Legal Highs, die ich kürzlich gelesen habe: Danach hatten 64% der 2.157 Befragten Herzrasen, 52% Kreislaufprobleme, 40% Kopfschmerzen, 42% Übelkeit, 34% Angstzustände, 26% Magenschmerzen, 19% Muskelkrämpfe und 3% Bewusstlosigkeit[...]

 

Aus dem Link:

"Deutschland; 2.157 Befragte; Juni bis September 2011"

Ich stelle mich vom 22.09.12 bis 07.10.12 auf die Theresienwiese in München und frage die Leute zu den Nebenwirkungen des Konsums von Alkohol...was gilt die Wette dass ich eine ähnliche Liste zusammen bekomme? 

 

LOL, mal ehrlich gefragt was soll der Scheiß? Laut Link war das eine Online-Befragung....wie wurde die bekannt gemacht, wie oft hat da jemand Teil genommen und wer hat da Teil genommen? Das fällt mir da mal als erstes ein.....

Ferner wie viel dieser Nebenwirkungen ist durch Überdosierung, Mischkonsum und zusätzlichen Alkoholkonsum aufgetreten? 

 

bombjack

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Mein Name

26.07.2012

Hier die "Vollversion" der Umfrage (PDF). Es wurden übrigens nicht 2.157 Befragte ausgewertet, sondern 860 (merke: es lohnt sich immer, die Originalarbeit, insbesondere die Angaben zur Methodik zu lesen und nicht eine Zusammenfassung oder gar nur eine Grafik!), siehe Bericht Seite 10:

Insgesamt 2.157 Personen haben den Online-Fragebogen zumindest teilweise ausgefüllt; 1.062 (49%) füllten den Fragebogen komplett aus. Unter diesen 1.062 Personen gab es 202, die noch nie Legal Highs konsumiert haben (19%). Diese Befragten wurden von den weiteren Auswertungen ausgeschlossen. Alle im Folgenden präsentierten Analysen beziehen sich also auf diejenigen 860 Fälle ...

Ich musste bei der Symptomliste daran denken, dass man die höchstwahrscheinlich 1:1 bei einer Befragung von Teenagern erhält, die ihre erste Zigarette rauchen.

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Anno

26.07.2012

Eine gute Gelegenheit für eine Literaturempfehlung!
Walter Krämer: "So lügt man mit Statistik".

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bombjack

26.07.2012

Tja....in der Arbeit findet sich noch mehr:

Allerdings hat auch unter den „Abbrechern“ mit 61% die
Mehrheit Konsumerfahrungen mit mindestens einem Legal-High-Produkt – für die meisten
Abbrüche waren also offenbar andere Gründe, die anhand der vorhandenen Daten nicht
nachvollzogen werden können, ausschlaggebend.

 

Schätze einer Gründe dürfte genau diese Verwendung in dem Blogbeitrag von Herrn Patzak sein....kein Wunder, dass in einschlägigen Foren solche Umfragen usw. sehr skeptisch gesehen werden und so wie es aussieht, ist es eine gute Idee nicht mitzumachen....in diesem Sinne kann man Herrn Patzak Dank ausprechen, dass er Wissenschaftlern zukünftig die Suppe versalzt. 

 

Btw. der Punkt "7.3.5 Konsumerfahrungen und Konsummuster: Zusammenfassung/ Fazit" ist interessant....

Ein Auszug:

[...]Eine deutliche Mehrheit hat auch in den letzten 30Tagen illegale Drogen genommen.
Was den aktuellen Konsum betrifft, werden illegale Drogen sogar häufiger konsumiert
als Legal Highs.  

[...]Nur eine Minderheit der Befragten hat ihren Konsumillegaler Drogen durch Legal
Highs ersetzt (am ehesten noch regelmäßige Räuchermischungs-Konsument(inn)en);
weitaus häufiger werden die ‚Ersatzdrogen’ zusätzlich zu illegalen Drogen genommen.

[...]

Zu den RC (Research Chemicals):

[...]Die Substanzen werden offenbar besonders selten als Ersatz/ Substitut für illegale
Drogen genommen; die Mehrheit der Konsumierenden gebraucht auch aktuell ‚har-te Drogen’.

[...]

 

Sprich die Legal Highs sind nicht das Problem wie es der Gesetzgeber darstellt......und anscheined zeigen die Konsumenten doch schon eine gewisse Präferenz zu psychoaktiven Substanzen im Allgemeinen d.h. auch dass die Verbotsstrategie nicht den Kosumenten abschreckt sondern wenn überhaupt nur das Angebot verknappt und in den Untergrund treibt und damit eher Risiken für Konsumenten entstehen oder anders gefragt, wenn Cannabis eher teilweise legal wäre, wer würde sich dann solche "Badesalze" überhaupt reinziehen, denn wie man lesen kann ist es den Konsumenten durchaus bewußt auf welches Riskio sie sich einlassen. 

 

Mit freudlichen Grüßen

 

bombjack

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Bernd Werse

26.07.2012

Nun muss ich als (Mit-)Autor der Studie auch mal Stelung nehmen:

zunächst mal zu "bombjack": dass Studienergebnisse anders interpretiert werden als man es selbst tut, ist noch lange kein Grund, Studien gar nicht durchzuführen, zumal man selbst wie auch z.B. Leute wie Sie immer die Möglichkeit zur Richtigstellung hat/ haben. Sie haben ja immerhin selbst festgestellt, dass in unserer Studie auch andere Dinge drinstehen - insgesamt deuten unsere Forschungen darauf hin, dass das Legal-Highs-Thema tatsächlich quantitativ bei weitem nicht die Ausmaße einnimmt, wie man aufgrund mancher Medienberichte erwarten mag.

 

Zur Sache: zunächst mal wusste ich nichts davon, dass einige unserer Ergebnisse auf einer Statistik-Website aus dem Zusammenhang gerissen und mit falschen Angaben (wie oben schon richtig bemerkt wurde: tatsächlich wurden nicht über 2000, sondern 860 Fragebögen ausgewertet) eingestellt wurden. Die Überschriften dieser Website ("einfacher und effizienter Zugang zu quantitativen Fakten") sind hierbei extrem irreführend, denn es handelt sich nicht um Fakten, sondern Ergebnisse einer Befragung. Angesichts der Verbreitungswege und z.B. auch der regionalen Verteilung der Antwortenden glauben wir allerdings schon, dass wir zumindest von den erfahreneren Legal Highs-/RC-Konsumenten eine halbwegs repräsentative Stichprobe zusammen bekommen haben (soviel zur Fundamentalkritik im 1. Kommentar).

Was nun die beschriebenen Nebenwirkungen angeht, so bedauere ich es etwas, dass wir im Text der Studie nicht erwähnt habe, was ich gerne auf Vorträgen dazu sagen und was auch in einigen Kommentaren anklang: Überwiegend handelt es sich um relativ gewöhnliche Nebenwirkungen von Drogen, vergleichbar mit bestimmten legalen und illegalen Drogen. Herzrasen (bzw. erhöhter Puls) ist ein bekannter Nebeneffekt vom Cannabiskonsum, Übelkeit und Muskelkrämpfe von Ecstasy oder Amphetamin, Kopfschmerzen und Kreislaufprobleme können bei fast allen Drogen auftauchen. Dennoch muss ich Herrn Patzak ein kleines bisschen Recht geben: Nebenwirkungen wie Angstzustände und Bewusstlosigkeit könnten bei diesen Drogen überrepräsentiert sein. Ich bin ohnehin der Meinung, dass die "neuen synthetischen Drogen" im Schnitt gefährlicher als die gängigen illegalen Drogen sind, eben weil sie noch so neu und in ihren (Neben-)Wirkungen wenig erforscht sind, und weil es so viele unterschiedliche mit unterschiedlichen Dosierungen und Wirkungen gibt. Zusätzlich stellt sich noch das Deklarationsproblem: bei "Badesalzen" und "Räuchermischungen" weiß der User gar nicht, was drin ist, und auch bei "Reinsubstanzen" (Research Chemicals) kann man sich nicht absolut sicher sein. Daher kann man sich solche eher ungewöhnlichen und teils gefährlichen Nebenwirkungen ganz gut erklären.

Meine Konsequenz wäre es im Übrigen nicht gewesen, die neuen synthetischen Drogen einfach nur zu verbieten. siehe http://www.youtube.com/watch?v=0GnKsnXFh5M

 

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bombjack

27.07.2012

Bernd Werse schrieb:

Nun muss ich als (Mit-)Autor der Studie auch mal Stelung nehmen:

zunächst mal zu "bombjack": dass Studienergebnisse anders interpretiert werden als man es selbst tut, ist noch lange kein Grund, Studien gar nicht durchzuführen, zumal man selbst wie auch z.B. Leute wie Sie immer die Möglichkeit zur Richtigstellung hat/ haben. Sie haben ja immerhin selbst festgestellt, dass in unserer Studie auch andere Dinge drinstehen - insgesamt deuten unsere Forschungen darauf hin, dass das Legal-Highs-Thema tatsächlich quantitativ bei weitem nicht die Ausmaße einnimmt, wie man aufgrund mancher Medienberichte erwarten mag.

 

Okay, da haben Sie ins Schwarze getroffen; nur ein kleiner Einwand von mir meine Anmerkung bezog sich auf die "Präsentation" von einigen Ergebnissen auf der Webseite und da bleibe ich bei der Behauptung, dass ich bei der Befragung von Besuchern des Oktoberfestes im Hinblick auf Nebenwirkungen beim Konsum von Alkohol zu der Zeit ebenfalls so eine Aussage machen kann, wenn man wie auf der Webseite geschehen die Daten dementsprechend "aufbereitet".

 

 

Zitat:
glauben wir allerdings schon, dass wir zumindest von den erfahreneren Legal Highs-/RC-Konsumenten eine halbwegs repräsentative Stichprobe zusammen bekommen haben (soviel zur Fundamentalkritik im 1. Kommentar).

Nochmals "shame on me" habe mir die nicht die Mühe gemacht, die eigentliche Studie zu suchen, sondern mich auf die Darstellung auf der Webseite mit der Aussage bezogen...werde ich in Zukunft ändern.....

 

Zitat:
Nebenwirkungen wie Angstzustände und Bewusstlosigkeit könnten bei diesen Drogen überrepräsentiert sein. Ich bin ohnehin der Meinung, dass die "neuen synthetischen Drogen" im Schnitt gefährlicher als die gängigen illegalen Drogen sind, eben weil sie noch so neu und in ihren (Neben-)Wirkungen wenig erforscht sind, und weil es so viele unterschiedliche mit unterschiedlichen Dosierungen und Wirkungen gibt. Zusätzlich stellt sich noch das Deklarationsproblem: bei "Badesalzen" und "Räuchermischungen" weiß der User gar nicht, was drin ist, und auch bei "Reinsubstanzen" (Research Chemicals) kann man sich nicht absolut sicher sein. Daher kann man sich solche eher ungewöhnlichen und teils gefährlichen Nebenwirkungen ganz gut erklären.

 

Da gibt es von mir ein volles ACK....zudem sei auf die Partitial-Agonisten vs. Voll-Agonisten Problematik aus pharmakologischer Sicht hingewiesen. Was bei Cannabis bzw. besser THC mehr oder weniger ein Ding der Unmöglichkeit ist (Überdosierung) kann mit diesen neuen Substanzen problemlos erreicht werden und dann wird es für den Konsumenten nicht mehr lustig.

Das aufgrund der Verfolgung die Risiken für Konsumenten erhöht werden, sei noch zusätzlich angemerkt.

 

Zitat:

Meine Konsequenz wäre es im Übrigen nicht gewesen, die neuen synthetischen Drogen einfach nur zu verbieten. siehe http://www.youtube.com/watch?v=0GnKsnXFh5M

 

Schönes Interview....nur wird das bei den Leuten die das sagen haben auf taube Ohren stoßen.....vgl. ab http://blog.beck.de/2011/12/05/piratenpartei-fordert-freigabe-aller-drog...

 

Btw. etwas dass ich vermisse (und da muss ich mich auch an die eigene Nase fassen) von den Legalisierungsbefürwortern: Wäre es möglich mal ein Konzept zu erarbeiten wie so etwas aussehen soll?

"Drogenführerschein", Head-Shopmodell usw.

Btw. etwas provokantes:

http://www.heise.de/tp/foren/S-Re-Das-waere-doch-mal-ein-Grossforschungs...

 

und zur Auslegung von Studien:

Ab Punkt b) in dem Link:

http://www.heise.de/tp/foren/S-Ist-eine-kritische-Sichtweise-angebracht/...

 

bombjack

 

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Bernd Werse

05.08.2012

bombjack schrieb:

Btw. etwas dass ich vermisse (und da muss ich mich auch an die eigene Nase fassen) von den Legalisierungsbefürwortern: Wäre es möglich mal ein Konzept zu erarbeiten wie so etwas aussehen soll?

 

 

sowas gibt es seit kurzem:

http://www.hanfverband.de/download/Nach_dem_Krieg_gegen_die_Drogen.pdf

 

Grüße, B.W.

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Gast

25.01.2013

Bernd Werse schrieb:

Nun muss ich als (Mit-)Autor der Studie auch mal Stel[l]ung nehmen:

...

Ich bin ohnehin der Meinung, dass die "neuen synthetischen Drogen" im Schnitt gefährlicher als die gängigen illegalen Drogen sind, eben weil sie noch so neu und in ihren (Neben-)Wirkungen wenig erforscht sind, und weil es so viele unterschiedliche mit unterschiedlichen Dosierungen und Wirkungen gibt.

Können Sie das auch ein bisschen wissenschaftlicher ausdrücken? Sind Sie "der Meinung" (stützt diese Meinung sich auf irgendwelche Tatsachen oder Untersuchungen/Befragungen?), dass die illegale "neue" synthetische Droge "Spice" gefährlicher ist als die illegale "alte" synthetische Droge Crystal Meth? Ist "Spice" gefährlicher als die natürliche Droge Heroin? Sind "Nachfolger von Spice" gefährlicher als "Krokodil"? Sind synthetische Cannabinoide gefährlicher als Tabak oder Alkohol?

Können Sie also einfach Ihre Meinung etwas präzisieren?

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