Eine "uncoole" Verteidigung des Urheberrechts - gegen youTube/Google, Piratenpartei Inhalt abgleichen

Rechtsgebiet: Kriminologie, Strafrecht

In einem Radio-Interview auf BR2 zieht Musiker und Autor Sven Regener ("Element of Crime", "Herr Lehmann") vom Leder: Gegen die Aushöhlung des Urheberrechts, gegen die Lobby der IT-Großkonzerne insb. Google, die die  Ideen der Künstler ausbeuten wollten, aber nichts bzw. kaum dafür zahlen wollten. Independent-Musiker hätten kaum eine Chance mehr, mit Ihrer Musik Geld zu verdienen. Sie beschwerten sich trotzdem nicht, weil es "uncool" sei, gegen den Zeitgeist zu wettern.

"Ein Geschäftsmodell, das darauf beruht, dass diejenigen, die den Inhalt liefern nichts bekommen, das ist kein Geschäftsmodell, das ist Scheiße".

Auch die Piratenpartei bekommt ihr Fett weg:

Der örtliche Chef hier von der Piratenpartei, der hat ne Firma die machen Apps - für iphones - das ist ein geschlossenes System, 100% mit Copyright...und der Typ sagt: alles schön frei... aber das müsst ich mal sehen was passiert, wenn ich sein Programm, was er da gerade verkauft, wenn ich das knacke und ins Internet stelle, ... dann habe ich die Anwälte von iTunes auf dem Hals, bevor ich das Ding überhaupt hochgeladen hab _ und dieselben Leute, die ganze Verlogenheit, ein Banausentum...es geht immer nur gegen die Künstler

Unbedingt anhören. 

Und dann hier diskutieren.

 

Siehe auch:


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Kommentare:
Herr Kreß

22.03.2012

Wie kommt Herr Regner darauf, dass jeder Youtube-Klicker auch nur annähernd 99 ¢ pro Klick zahlen würde.

Ich persönlich würde für nicht mal 10 % meiner Youtubeklicks auch nur 10 ¢ zahlen.

Ich kaufe mir auch schon lange keine CD's mehr, in die ich nicht mal reingehört habe.

In sofern kann man Youtube als kostenlose Werbeplattform sehen.

Auf den letzten 3 Konzerten war ich obwohl und gerade weil ich das Programm auf Youtube gesehen/gehört habe.

 

Wenn Herrn Regner die Vergütung als nicht ausreichend erscheint, sollte er seine leicht vulgäre Ausdrucksweise vielleicht einmal dazu verwenden gegen das Verteilungssystem der GEMA zu wettern.

 

Wenn ich einen CD-Rohling, einen DVD-Brenner, eine Festplatte, einen USB-Stick oder eine Speicherkarte kaufe, dann verdient die GEMA daran mit.

An jedem in Deutschland verkauften Smartphone verdient die GEMA aktuell 36 €.

Schon allein dafür müsste ich eine ganze Menge GEMA-Youtubeklicks frei haben, die mir dann aber immernoch vorenthalten werden. (Dieses Video ist in Deutschland leider nicht verfügbar...)

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Sehr geehrter Herr Kress,

Herr Regener wehrt sich dagegen, dass die Künstler von den Klicks auf YouTube nichts (bzw. sehr wenig) bekommen und damit YouTube/Google an ihrer Leistung verdient ohne dafür angemessen zu zahlen. Die GEMA fordert mehr und unterbindet deshalb derzeit den Vertrieb vieler Muskistücke auf YouTube. In den Verhandlungen geht es um Beträge von weit unter einem cent pro Klick (Quelle), die nicht die User unmittelbar zahlen sollen, sondern YouTube.  Die 99 ct. beziehen sich auf die (regulären) Preise legaler Download-Portale (von denen die Künstler allerdings auch nicht sehr viel sehen).

Aber ich denke, Herr Regener würde natürlich auch auf die GEMA schimpfen, wenn er nicht wenigstens von dort seiner Meinung nach angemessen entlohnt würde. Seine Klage richtet sich wohl mehr gegen eine allg. Kostenlos-Mentalität im Internet, was Musikangebote betrifft - da hat er ja nicht ganz Unrecht.

Vielleicht sind ja kostenpflichtige Streaming-Dienste die richtige Antwort, die sowohl die Produzenten als auch die Künstler zufriedenstellen könnte.

Besten Gruß

Henning Ernst Müller

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Herr Kreß

22.03.2012

Sehr geehrter Herr Müller.

Ich habe das schon richtig verstanden, aber danke für Ihre Erklärung.

Herr Regener stellt es bei Minuter 0:50 so dar, als müsste jedem Youtubeklicker jeder Klick genau diese 99 ¢ anderer Anbieter wert sein, wenn er Ihm nicht "ins Gesicht pissen will".

Wo aber ist das Geld, dass die GEMA über den Vertrieb von Speicherkarten (die ich ausschließlich für meine eigenen, von mir fotografierten Bilder benutze und trotzdem den "GEMA-Aufschlag zahlen muss)?

Nur weil die GEMA nicht direkt von Youtube Geld erhält heisst das ja nicht automatisch, dass die Künstler durch Ihre Stücke auf Youtube kein Geld verdienen.

 

Zum zweiten Teil des Interviews:

Seit wann hat die Piratenpartei einen (örtlichen) Chef.

Seit wann steht die private Tätigkeit eines (Vorstands-)Mitglieds für das politische Programm der Partei, der er angehört?

Mag sein, dass die Piratenpartei in dieser Beziehung vom Ideal des Open Source geprägt ist, aber das heißt doch nicht, dass keines ihrer Mitglieder mit urheberrechtlich geschützten Werken Geld verdienen darf.

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Sehr geehrter Herr Kress,

Sie schreiben:

Herr Regener stellt es bei Minuter 0:50 so dar, als müsste jedem Youtubeklicker jeder Klick genau diese 99 ¢ anderer Anbieter wert sein, wenn er Ihm nicht "ins Gesicht pissen will".

Ich habe die Schimpftirade insoweit verstanden, dass jemand, der im allg. nichts für Musik bezahlen will, ihm praktisch ins Gesicht "pinkelt"  - eine erstmal globale Äußerung, die ich für nachvollziehbar halte. Über den Betrag, den YouTube-Nutzer zahlen sollen, könnte er ja ohnehin nur selbst entscheiden, wenn er mit am Verhandlungstisch säße.

Mit örtlichem Chef  soll wohl ein Mitglied des Vorstands der Piratenpertei in HH gemeint sein. Wen er da genau im Auge hat, weiß ich nicht. Ebenso wenig, ob es zutrifft, dass jener "Chef" Apps programmiert und verkauft.

Nicht zustimmen würde ich Ihrer Auffassung zu Politikern an herausgehobenen Stellen:

Seit wann steht die private Tätigkeit eines (Vorstands-)Mitglieds für das politische Programm der Partei, der er angehört?

Der Zusammenhang ist wohl umgekehrt: Wer sich mit seiner Partei für eine Abschaffung des Urheberrechts engagiert, aber privat damit Geld verdient, der sollte sich schon ein paar Fragen gefallen lassen. Ebenso wie ein Grüner, der im Atomkraftwerk arbeitet, sich solche Fragen gefallen lassen müsste. Für eine Bewertung käme es dann auf die Beantwortung solcher Fragen an.

Mag sein, dass die Piratenpartei in dieser Beziehung vom Ideal des Open Source geprägt ist, aber das heißt doch nicht, dass keines ihrer Mitglieder mit urheberrechtlich geschützten Werken Geld verdienen darf.

Natürlich "darf" dies das Mitglied (Regener geht es ja um den Vorstand). Aber Herr Regener darf dies doch  trotzdem in der politischen Auseinandersetzung in Frage stellen.

Beste Grüße

Henning Ernst Müller

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Musiker

22.03.2012

Das Dilemma, das durch die Einführung der -legalen- Kopie in Form von Schallplatte & CD zwangsläufig entstehen _musste_ war doch von vornherein absehbar und liegt in der Natur der Sache.

Im Lauf der Jahre und Jahrzehnte hat das Gesamtangebot an Musik-Konserven stetig zugenommen, so dass immer mehr Menschen inzw. alle persönlich favorisierten Musikkonserven längst besitzen.

Die besten Jahre der Musikgeschichte werden in den Haushalten immer und immer wieder abgespielt. Der Markt ist also bis auf wenige Ausnahmen im Grunde längst gesättigt.

Es gibt mittlerweile mehr Musikaufzeichnungen auf der Welt, als ein einzelner Mensch je im Leben hören kann, selbst wenn man keinen der Songs mehrfach hören würde.

Angebot & Nachfrage bestimmen aber normalerweise in jeder Branche den Wert eines Produktes. So betrachtet besitzt ein neuer Song im großen Pool der Musik-Konserven immer weniger an individuellem monetärem Wert.

Künstler sollten einfach zeitgemäß denken und ihre YouTube-Präsenz als kostenlose Werbung für die Konzerte begreifen. Auf diese Weise kann trotz des Überangebotes auch heute noch gutes Geld verdient werden, denn ein Konzert ist und bleibt auch in Zukunft ein nicht-kopierbares, ganz besonderes Erlebnis!

Gruß,
Musiker

p.s. Die meisten neuen Songs, die im Radio in Endlosschleifen rauf und runter gedudelt werden, möchte man gar nicht besitzen.

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Piratenparteiler

22.03.2012

Ich bin Mitglied der Piratenpartei, mach bei einem Startup mit wir entwickeln Suchmaschienen Software. Wir sind auf das Urheberrecht angweisen, würden keinen Gewinn machen wenn jeder die Software frei kopieren dürfte. Von daher halte ich das Urheberrecht für uns sehr wichtig.

 

Aber, ich bin bei den Piraten weil ich eben nicht im Überwachungsstaat leben will, ACTA, Vorratsdatenspeicherung, Abmahnwahn und Totalprotokollierung nur um ein par teens abzuhalten ihre Lieblingsmusik zu tauschen ? Das halte ich einfach für völlig überzogen und für eine Gefahr für unsere Grundrechte. Der Kommerzielle Verbtrieb von Geschützten Inhalten sollte natürlich verfolgt werden, niemand außer der Urheber oder mit Erlaubniss des Urhebers sollte die Erlaubniss haben mit Inhalten Geld zu verdienen. Dennoch sollte es im privaten Bereich Fair Use Möglichkeiten geben, Kopierschutz (Hilft eh nicht) gängelt aber die Kunden die dafür gezahlt haben usw sind dann nur noch reine Kunden gängelung.

 

Beispiel Rapidshare, die haben Milliardenumsätze gemacht. Zum großteil eben mit geschützten Inhalten. Da wäre es doch naheliegend man legalisiert solche Angebote und Rapidshare muss dann eben einen Teil der Einnahmen die aus den Downloads generiert werden an die Urheber ausschütten. Die Rapidshare Flatrate kostet 9.99 Euro/Monat, die legale Maxdome Movie Flatrate kostet genauso viel. Trotzdem gibt 100 mal mehr Leute die Rapidshare nutzen und dafür zahlen. An mangelnder Zahlungsmoral kann es also nicht liegen sondern eher am Angebot. Ich war mal bei Maxdome, konnte die dort gekauften Filma aber weder an meinem PC Bildschirm noch auf dem fernseher abspielen weil irgendwelche Schutzstandards des Kopierschutzes nicht erfüllt wurden. Bei Rapidshare bekomm ich die gleichen Filme zum gleichen Preis ohne Kopierschutzärger, na für welchen Anbieter werden sich die Technik Affinen jugendlichen entscheiden, dreimal dürfen sie raten ;)

Übrigens auch Seiten wie Kino.to, oder Megaupload waren kostenpflichtig (Im Free Mudos ruckeln die Filme und sind irrsinig verpixelt). Es mangelt also nicht an Zahlungswillen sonst würden solche Anbieter nicht massenweise existieren. Wenn die Film und Musikindustrie ein eigenes Kino.to starten würde das genauso einfach zu bedienen ist dann wäre das eine Lizenz zum Geld drucken.

 

Wenn es gescheite Angebote geben würde dann würde auch bei weitem nicht mehr soviel kopiert werden. Die Zahl der Kopierten Musik ist übrigens seit die Branche auf Kopierschutz verzichtet stark rückläufig, jetzt muss das eben noch die Film und Buchindustrie kapieren, wenn Youtube und co die Urheber dann noch an den Werbeeinahmen beteiligen usw sollte das ganze eigendlich wieder rund laufen

 

Übrigens, obwohl wir bei uns in der Firma kommerzielle Software entwickeln nutzen wir auch sehr viel freie Software (Linux usw) das ist uns eine große Hilfe ohne die wir wohl kaum existieren könnten. Von daher, alternative Freie Inhalte müssen nicht zwangsläufig kommerzielle Verdrängen sondern können mit diesen sehr erfolgreich kombiniert werden.

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Piratenparteiler

22.03.2012

Nicht nur das, die Plattenfirmen haben früher nur 5%-10% der Musiker überhaupt verlegt. Die restlichen 90% waren dann eben nirgends in den shops und Versandt verfügbar. Heute stellt jede kleine Band ihre Musik ins Internet, endweder Gratis oder zum verkauf.

D.h der Markt wird von immer mehr Anbietern überschwemmt so das für den einzelnen dann natürlich weniger übrig bleibt. Zumal es mitlerweile auch millionen von Titeln unter freier Lizenz gibt (Jamendo und co) man findet also mitlerweile auch ganz legal viele gute Musik.

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Piratenparteiler

22.03.2012

Henning Ernst Müller schrieb:

Der Zusammenhang ist wohl umgekehrt: Wer sich mit seiner Partei für eine Abschaffung des Urheberrechts engagiert, aber privat damit Geld verdient, der sollte sich schon ein paar Fragen gefallen lassen. Ebenso wie ein Grüner, der im Atomkraftwerk arbeitet, sich solche Fragen gefallen lassen müsste. Für eine Bewertung käme es dann auf die Beantwortung solcher Fragen an.

 

Die Piratenpartei will das Urheberrecht doch gar nicht abschaffen. Im Piratenkodex heißt es:

 

Piraten haben Respekt gegenüber Urhebern und deren Schaffen (wichtig für Urheberrechtsdebatte u.Ä.). Man wendet sich gegen Ausbeuterei. Piraten schmücken sich nicht mit fremden Federn. Piraten sind bereit, Kulturschaffende und andere Kreative angemessen zu unterstützen und somit Verantwortung für den Fortbestand von Kultur und z.B. Journalismus zu übernehmen.

 

http://wiki.piratenpartei.de/Kodex#Piraten_sind_keine_Freeloader

 

Es gilt lediglich Wege zu finden wie das Internet frei bleiben kann. Eine Verhinderung von Urheberrechtsverletzungen wäre derzeit nämlich nur durch massive Eingriffe in Privatsphäre und Telekommunikationsgeheimniss möglich.

 

Übrigens basieren auch Freie Software, Creative Commons usw auf dem Urheberrecht. Also würde kein Pirat auf die Idee kommen das Urheberrecht an sich in Frage zu stellen denn dies würde auch freie Lizenzen und Freie Software unmöglich machen.

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alejandro

22.03.2012

Wer professionell Musik macht, der muss, um überleben zu können, sicher sein, dass wenn seine Musik ein 'Erfolg' wird (also ganz und gar freiwillig von einer großen Zahl von Menschen konsumiert wird) er dadurch genug Einkommen erzielt, um davon leben zu können. Jeder, der das einmal ein paar Jahre gemacht hat ( wie ich ), kennt die harte Realität und kann über die 'Alles-Umsonst-Mentalität", die von Google, Youtube und Co. geschürt wird ( denn die verdienen prächtig daran ) nur den Kopf schüttlen.

 

Glücklicherweise gibt es die GEMA ( die selber keinen Gewinn damit macht ), und die völlig zu Unrecht ständig beschimpft wird. Sie verhilft vielen Künstlern zumindest zu einem kleinen Teil von dem, was ihnen zusteht.

Was Regener sagt, ist richtig: Die gesamte Mittelschicht der Labels und Plattenfirmen ist inzwischen verschwunden, die Strukturen, die es unabhängigen Künstlern vor zehn Jahren noch ermöglichte, halbwegs über die Runden zu kommen, existieren nicht mehr.

Die öffentliche Position der Piraten ist für mich ein Schande, ein reines Fischen nach Stimmen und Aufmerksamkeit bei denen, die in diesen Dingen nicht wirklich gut informiert sind. Es wäre wesentlich anständiger, mal die Augen aufzumachen, und die Konsumenten darauf hinzuweisen, dass man nicht alles haben muss, was technisch möglich ist, und dass Musik eben kein wertloser Wegwerfartikel ist. 

 

Ich wünsche mir, dass mehr Musiker einmal Klartext sprechen. Ich finde Regener sehr 'cool'.

 

Alejandro 

 

 

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Sehr geehrter Piratenparteiler,

danke für Ihre Klarstellungen hinsichtlich der Positionen der Piraten zum Urheberrecht.

Es gilt lediglich Wege zu finden wie das Internet frei bleiben kann. Eine Verhinderung von Urheberrechtsverletzungen wäre derzeit nämlich nur durch massive Eingriffe in Privatsphäre und Telekommunikationsgeheimniss möglich.

Das scheint mir einerseits ein gutes und richtiges Ziel, andererseits aber auch Ausdruck dafür, dass es diese "Wege" (Urheberrecht und freies Internet zu vereinbaren) bisher auch bei den Piraten nicht gibt, denn das Urheberrecht ist ja gerade durch das Internet und seinen Möglichkeiten am meisten bedroht.

Dass die Musikindustrie viel zu spät und teilweise falsch - Stichwort Kopierschutz auf CDs - reagiert hat, wissen wir auch. Es wäre sicherlich sowohl für Musiker als auch für User das Beste, wenn möglichst viele in Flatrate-Streaming-Dienste (habe ich ja oben schon erwähnt)  investierten und dann auch Sven Regener seinen fairen Anteil bekäme (allerdings trifft das derzeit wohl nicht zu)   Aber das bedingt natürlich, dass  die "kostenlosen" Modelle nicht ebenso attraktiv sind.

Besten Gruß

Henning Ernst Müller

 

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alejandro

22.03.2012

Die Piratenpartei will das Urheberrecht doch gar nicht abschaffen.

 

Dann sollen sie sich öffentlich an die Seite der GEMA, der Plattenfirmen und der Künstler stellen und mit denen gemeinsam gegen Google, Youtube und Co argumentieren. Dann wäre diese Aussage glaubhaft.

 

Was die Piraten real tun, verhöhnt diese Aussage aber leider vollständig. 

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Piratenparteiler

22.03.2012

alejandro schrieb:

Dann sollen sie sich öffentlich an die Seite der GEMA, der Plattenfirmen und der Künstler stellen und mit denen gemeinsam gegen Google, Youtube und Co argumentieren. Dann wäre diese Aussage glaubhaft.

 

Die Gema lässt das Internet zensieren (Youtube), bekämpft Freie Lizenzen und schikaniert Musiker welche ihre eigene Musik anbieten. Gab fälle da wurden Musiker von der Gema wegen Urheberrechtsverletzung bzw Verstoß gegen irgendwelche Verträge verklagt weil sie ihre eigene Musik auf ihrer eigenen Homepage angeboten haben. In anderen Fällen müssen Musiker für ihre eigenen Auftritte Gema gebühren bezahlen bekommen dann aber weniger als sie bezahlt haben wieder ausgeschüttet.

 

siehe: http://www.heise.de/tp/artikel/30/30726/1.html

Und:

http://www.heise.de/tp/artikel/30/30586/1.htm

 Eine Zusammenarbeit mit solchen fragwürdigen Organisationen und Gegnern eines Zensurfreien Internets indem das digitale Briefgeheimniss gewahrt bleibt kommt für die Piratenpartei nicht in Frage.

 

Und warum sollte Google böse sein ? Über Google finden ja erst die Leute die Inhalte, Zeitungsartikel usw so das diese öfters gelesen werden, das ist doch im Sinne der Urheber und Verlage. Leistungsschutzrecht und ähnliches würde solche Entwicklungen nur blockieren. Wir haben unser Startup gleich in England gegründet da die hiesigen regeln zu restriktiv sind da sie von kleinen Anbietern noch schwerer eingehalten werden können als von Monopolisten wie Google würde damit erst recht das Monopol zementiert werden.

 

Wenn sich die Gema nicht blocken würde dann gäbe es hier schon lange legale Dienste wie Youtube Music, Spotify oder Netflix usw welche auch den Urhebern zugute kommen würden. Da die Gema sowas bisher erfolgreich verhindert entsteht ein Vakuum am Markt und das wird (Ähnlich wie bei der Alkoholprohibition in den USA) eben von Geschäftemachern ausgefüllt welche sich nicht um Gesetz und Moral kümmern.

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alejandro

22.03.2012

um diesen Behauptungen nun mal mit ein paar Tatsachen ( die sich leicht recherichieren lassen ) entgegen zu treten.

 

Reden wir mal über Zahlen:

Die GEMA hat Youtube ein Angebot über einen 1 Cent / stream gemacht. Das ist schon unglaublich günstig, aber für ein Milliardenunternehmen wie Google wohl doch nocht zuviel. Oder ist es nur pure Verachtung? Meiner Meinung nach Zweiteres, denn das Gegenangebot von Youtube lag in der Gegend von 0.12 Cent/stream. Das würde zu einer Entlohnung aller an einer Komposition Beteiligten von satten 12 Euro bei 10 000 ( in Worten zehntausend )  Streams. Wenn man davon ausgeht, dass das normalerweise durch drei ( Texter, Komponist, Verlag ) geht, kann sich also jeder von denen alle 100 000 ( in Worten einhunderttausend ) streams ein warmes Essen ( für sagen wir mal 40 Euro ) leisten. Natürlich muss er das Geld vorher noch versteuern.

 

Es tut mir leid, aber solche Konditionen nicht zu akzeptieren, dafür muss man die GEMA einfach nur loben. Andernorts in unserem Lande gibt es eine Diskussion über Mindestlöhne, aber das, was hier abläuft, ist noch viel, viel schlimmer. Es ist genau so wie Regener sagt, der Komponist ist'..der Depp in der letzten Reihe'.

 

Zur zweiten Frage, warum Künstler manchmal weniger bekommen, als sie zahlen. Es ist ein bisschen wie bei der Krankenkasse. Die GEMA hat als e.V. in vielen Bereichen ein Solidaritätsprinzip, bei dem eben nicht jeder eins zu eins immer das erhält, was er einzahlt. Es gibt Fonds für Härtefälle, eine Sozialkasse, eine Rentenkasse, Förder- und Preisgelder für die verschiedensten musikalischen Projekte all das total transparent und für jeden nachvollziehbar. Gewinn macht die GEMA überigens nicht, es geht nach Abzug einer geringen Verwaltungsgebühr wirklich alles an die Künstler direkt. All das finde ich sensationell und ehrenhaft, jeder kann das en Detail nachschlagen, recherchieren, wenn er wirklich möchte. Ich kann daran nichts 'zweifelhaftes' entdecken. Es ist eben immer leicht, so ein prätentöses Vorurteil gebetsmühlenartig zu wiederholen, weil es nun mal gerade mainstream ist. Jeder aufrechte 'Pirat' könnte sich leicht vom Gegenteil überzeugen, alle Informationen liegen offen.

 

 

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alejandro

22.03.2012

ich vergaß: 

Wer als Urheber seine Rechte nicht von der GEMA wahrnehmen lässt, und das steht jedem Urheber absolut frei, dessen Videos kann sie auch nirgendwo blockieren.

 

So einfach ist das.

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Piratenparteiler

22.03.2012

0.12 Cent/stream sind wirklich sehr wenig, Youtube zahlt da an die Partner Accounts deutlich mehr pro Stream aus (c.a 50 Cent pro click bei clicktrhoughrate von 1-3% sind c.a 1 Euro/100/200 Streams wenns gut läuft). Habe selbst einen Youtube Partner Account, c.a 70-80% werden da direkt an die Partner ausgeschüttet (Adsense) der Rest reicht Youtube anscheinen um die Kosten zu decken und Gewinn zu machen.

 

Von daher wäre eine Beteiligung von über 70% (Andere Videoanbieter haben 50%) wohl fair in dem Falle von Geschützter Musik/Musikvideos. 1 cent pro Abspielen direkt an die Gema würde jedoch genau dem entsprechen was jetzt im Schnitt an den Account Inhaber/Urheber ausgezahlt wird. Dann würde also die Gema alles bekommen um dann noch den Urheber auszuzahlen würde es kaum mehr reichen.

Gibt mitlerweile einige Youtube Channel betreiber die damit hauptberuflich ihr Geld verdienen.

 

Hier sollte vielleicht erstmal geklärt werden wer das Geld erhalten soll, Urheber, Plattenlabels, Verwertungsgesellschaften im Moment wollen da alle direkt ausbezahlt werden. Wenn da jeder von den 3 1ct/Stream haben will dürfte Youtube ordentlich verluste machen. Wenn man sich irgendwie einigt das den Urhebern 70% zugute kommen sollte das doch ok sein. Zumindest bei den jetzigen Partner Accounts ist das schon jetzt so was für die Urheber im grunde keine schlechte Kondition ist. Man müsste lediglich noch regeln das die Inhalte die von drittpersonen eingestellt werden (Sofern sie Urheberrechtlich geschützt sind) entsprechend ebenfalls an die Urheber weitergeleitet werden und wie das zu geschehen hat. 

 

Da Youtube pläne hat eine legale Plattform für Dokumentar und Kinofilme zu schaffen, bezahlt oder durch Werbung ist da sicherlich das Interesse vorhanden mit den Urhebern zusammenzuarbeiten, man will ja deren Content legal anbieten dürfen. Nur das Problem sind die Nationalen Verwertungsgesellschaften, jede mit anderen Bedingungen, Grenzen bestimmungen usw. Ein Internationales Angebot kann man so wohl nur schwer realisieren. Ich denke da wären EU bzw Weltweite Lizenzierungsmöglichkeiten von Vorteil.

 

Zur Struktur der Gema kann ich nicht viel sagen, nur das bei den Piraten auch viele Musiker mit dabei sind welche unzufrieden damit sind wie das derzeit bei der Gema läuft. Es wurde sogar eine Petition initiert welche von Künstlern und Gema Mitgliedern getragen wurde und über 100.000 Unterschriften bekam.

 

https://epetitionen.bundestag.de/index.php?action=petition;sa=details;petition=4517

 

Von daher denke ich das es durchaus grundlegenden Reformbedarf gibt. Denn das jetzige System ist auf die Digitale Welt so wirklich gar nicht angepasst und sorgt für viel Unsicherheit. Das Urheberrecht wie wir es jetzt haben ist schließlich Historisch bedingt auf Verlage und Firmen zugeschnitten. Das Privatpersonen einmal in der Lage sein würden massenhaft kopien zu erstellen konnte damals schließlich niemand ahnen. Gewisse Fairuse bzw Ausnahmebestimmungen für den Privaten nicht kommerziellen Bereich wären dashalb durchaus hilfreich.

 

Neue Geschäftsmodelle wären auch zu überlegen. Wie gesagt Filehoster wie Rapidshare kosten 9.99 im Monat (Genausoviel wie legale Anbieter) haben aber im Gegensatz zu diesen viele millionen Kunden. Das ist doch ein Potential, man richtet ein Serversystem/Netzwerk ein auf dem alle Leute eine Zugangsgebühr zahlen im Gegenzug dazu aber legal ihre geschützten Dateien tauschen können. Die Downloadzahl liese sich ermitteln und im Gegenzug an die Urheber ausschütten. Wie der Soziologe Jeremy Rifikin schreibt geht es im Internet weniger um den Verkauf von Dateien (Frei kopierbare Dateien lassen sich schlecht verkaufen) sondern es ist eher mit der Schaffung von Zugriffsmöglichkeiten Geld zu verdienen.

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Herr Kreß

22.03.2012

Es hat hier keiner behauptet, dass die GEMA Gewinn macht, ich sage: Sie verteilt die Einnahmen ungerecht, oder wie erklären Sie sich das Solidaritätsprinzip der GEMA hiermit?

Ich finde diesen Artikel über die Verteilung innerhalb der GEMA recht aufschlussreich.

 

Wieviel Gewinn macht Youtube denn?

Wieso sollte Youtube auch nochmal für ein Stück an die GEMA zahlen, während ich schon die CD gekauft/das Konzert besucht habe und über den Festplattenkauf auch schon erheblich mehr beigesteuert habe, als unter "normalen" Umständen zu erwarten wäre.

 

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Piratenparteiler

22.03.2012

Ach ja, was Google angeht, ich denke man sollte den Konzern zerschlagen. Also Mail, Websuche, Youtube jeweils in einzelne unabhängige Unternehmen ausgliedern. Das Gleiche auch mit Microsoft. Monopolisierung ist immer schlecht für alle beteiligten ;)

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sehnefeld

22.03.2012

wie ist denn die Sache Youtoube vs. Urheberrecht in anderen Ländern (z.B. USA) geregelt? Pochen die Urheber hier einfach nicht auf eine Urheberrechtsverletzung oder bestehen da bereits Verträge?

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@sehnefeld,

die Lage in den USA ist etwas anders, aber jüngst gab es ein neues Lizenz-Übereinkommen, das Sie hier nachlesen können. Soweit ich verstehe erhält die Harry Fox Agency (in etwa: GEMA) 15 % der Werbeeinnahmen jedes Videos, das mit Sounds der Mitglieder von HFA hochgeladen wird. Was das in euro-ct. gerechnet ist, weiß ich allerdings nicht. Aber: Auch in den USA bedurfte es solcher Preisverhandlungen - auch dort muss youtube an die Urheber zahlen.

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Blinkfeuer

23.03.2012

Der Herr Regner, genauer "Element of Crime" wurde ja bekannt, wenn ich meiner Hörererinnerung trauen darf (und das mache ich jetzt, da ich nicht viel gucke), mit Sendeminuten im Öffentlichen Radio, bezahlt auch von Leuten, die ihn nie hörten oder hören wollten, aber zahlen mussten. Denkt er da an einen Finanzausgleich? Oder macht er lieber den Schumi, den "Kaiser", vergisst dann gerne die "Anschubfinanzierung"? 

Vermute, die 3. TV Sender oder BIOlek dürften ihn auch gefeatured haben, aber sooooo lange ist es her, zu lange um es zu erinnern, Meister Sven R.?

Und diese Auftritte, die waren ja alle aus den zugänglichen Archiven zu löschen, denn die Freiheit (Gauck), ihn nie populär werden zu lasssen, die wäre sicher beim Privatfunk/TV zu verorten gewesen.

Wer also keine "Melodien für Millionen" anbietet, sollte über zusätzliche Verbreitungswege sich doch freuen. (Macht er aber nur, solange unbekannt......)

 

(Nebenthema: Gut, Blog der Juristen,aber wie zulässig ist die u.g. Mollom PP InDissmUnsremLande? Nicht inhaltlich, sondern sprachlich. wer Produkte verkauft, muss übersetzen. Zu heikel?)

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alejandro

23.03.2012

@Herr Kress

 

Eine interessante Thematik.

 

Gerechtigkeit, egal wo, ist niemals eine einfache Sache.

Als wahrhaft basisdemokratische Institution kann auch die GEMA nur in die Richtung navigieren, die die Mitglieder vorgeben, die den Stress und Aufwand, an den entsprechenden jährlichen Hauptversammlungen teilzunehmen, auf sich nehmen. 

 

Verteten sind dort in vom Marken- und Kartellamt sorgsam überwachtem Proporz idealenweise alle Mitglieder der GEMA. Die 'Ordentlichen' in persona ( so sie denn erscheinen ) und die 'Angeschlossenen' und 'Außerordentlichen' ( deren Rechte von der GEMA nach außen hin in gleicher Weise wahrgenommen werden wie die der ordentlichen Mitglieder ) mittels zahlreicher gewählter Vertreter.

Es wird über drei lange Tage über sehr komplexe Problematiken diskutiert und abgestimmt. Es gibt drei sogenannte 'Kurien': Komponisten, Textdichter und Verleger. Ein Prozess, der viel Kraft kostet, und der hohe Intelligenz und Aufmerksamkeit erfordert.

 

Ich denke, es ist ein bisschen so, wie die Piraten sich die Arbeit in ihrer Partei vorstellen, und ich finde es persönlich unglaublich, dass es so etwas in Deutschland überhaupt gibt.

 

Nun habe ich allerdings den menschlichen Faktor noch nicht erwähnt. Und der lautet  nach meiner inzwischen 30-jährigen Erfahrung: Musiker interessieren sich größtemteils weder für ihre eigene legale oder existenzielle Situation noch für juristische oder urheberrechtliche Zusammenhänge. Musiker wollen Musik machen, und sie leben dabei oft vom Prinzip Hoffnung oder von Mutti.

 

Dies ändert sich nur dann ( und auch dann nicht immer ), wenn das Musikmachen durch erste Erfolge zur ausschließlichen Beschäftigung wird, und wenn der Musiker sich erhofft, von seiner meist extrem engagierten Arbeit auf ähnliche Weiser seinen Lebensunterhalt bestreiten zu können wie sein Klassenkamerad, der inzwischen irgendeinen bürgerlicher Beruf ausübt. Auch ein Musiker muss Miete, Stom, Krankenversicherung etc. bezahlen, dazu oft noch Instrumente und Equipment, und nach einer kreativen Phase braucht sein augelaugtes Nervensystem auch mal Urlaub. All das kostet. Und nicht nur die Bruchteile von ein paar Cent, wie sie Youtube und Co für die Nutzung der Werke anbieten, sondern ganz real je nach Familiengröße durchaus den ein oder anderen Tausender pro Monat.

 

an diesem Punkt seiner Karriere beginnt der Musiker zum ersten Mal Fragen zu stellen. Er will dann wissen, wer alles auf dem Trittbrett seiner Arbeitsleistung mitfährt, wie genau die Verwertungskette funktioniert, und was dabei verdient wird. Normalerweise versteht er an diesem Punkt, dass es allein die GEMA ist, die ihm hier zur Seite steht, die national und international für ihn eine essentielle Dienstleistung erbringt: nämlich darauf zu achten, dass er soweit möglich, zumindest nicht komplett beschissen wird, und das Geld für ihn auch wirklich einzutreiben.

 

Das macht die GEMA nun schon seit vielen Jahren, und jeder, dessen Werke wirklich einmal auch nur ein wenig erfolgreich war, weiss dies zu schätzen, und würde nie im Leben wieder aus der GEMA austreten.

 

Den Wahrheitsgehalt des von Ihnen erwähnten Artikels kann ich schwer einschätzen. Fakt ist: Verschwörungstheorien sind allgegenwärtig in diesen Tagen, und möglicherweise ist dies ebenfalls eine davon. Wie sie selber schon schreiben, ist der damalige 'Rebell' Jörg Evers nun ja selber Vorsitzender, er hat also alle Möglichkeiten, die Aufmerksamkeit auf diese Thematik zu lenken und sie zu korrigieren.

 

Um nun den Faden nicht zu verlieren: wenn statt der wenigen Mitglieder, die ihr eigenes Leben ernst genug nehmen, um sich in diese Thematik einzuarbeiten und an den GEMA Sitzungen teilzunehmen, wirklich jeder, Komponist, der im Netz seine Meinung äußert, dort auftauchen und aktiv mitarbeiten würde, dann, ja dann, könnte dort alles Mögliche beschlossen werden.

 

In der Demokratie ist es unterm Strich nun mal so: wer nicht mitmacht und mitgestaltet, der darf sich hinterher auch nicht beschweren.

 

In diesem Sinne attestiere ich, dass nicht alles, was in der GEMA beschlossen wird, immer zu 100% gerecht ist. Aber es läge allein in der Hand der Mitglieder, dies in welchem Sinne auch immer zu beeinflussen und zu ändern.

 

soviel fürs Erste.

 

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alejandro

23.03.2012

 

(Nebenthema: Gut, Blog der Juristen,aber wie zulässig ist die u.g. Mollom PP InDissmUnsremLande? Nicht inhaltlich, sondern sprachlich. wer Produkte verkauft, muss übersetzen. Zu heikel?)

[/quote]

 

Ja, obwohl es auch nicht mein Thema hier ist, stimme ich zu. Was bitte, bedeutet das? Muss ich das wissen, bevor ich mich hier äußere? 

( Bei Antworten bitte berRam223 khnmsd-86 beachten )

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@Blinkfeuer, @alejandro,

wegen der Mollom PP habe ich einmal beim Sys-Admin angefragt. Das ist m.E. neu und möglicherweise gar nicht beabsichtigt. Es erscheint nur bei nicht als Member eingeloggten Lesern. Danke für Ihren Hinweis.

Ergänzung: Mollom ist zentral wichtig  zur Spam-Abwehr.

Henning Ernst Müller

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Henry

23.03.2012

Mir stellt sich die Frage, wieso viele Verwertungsgesellschaften in anderen Ländern problemlos zu einer Einigung mit YouTube (Google) kommen konnten, die aber in Deutschland nicht möglich erscheint. 

 

So sehr ich verstehe, dass Künstler angemessen bezahlt werden sollten, so sehr kann ich allerdings auch die Meinung von ÝouTube verstehen. Erstens: YouTube und Google sind zwei paar Schuhe. Der Hauptumsatz, den Google erwirtschaftet, stammt nicht von YouTube sondern aus anderen Bereichen. Das hier YouTube eine Lizenz zum Gelddrucken ist stimmt so nicht. Videostreaming ist teuer, einfach wegen der benötigten Datenraten und des hohen Volumens der Videos. Trotzdem ist YouTube sozusagen werbefrei (ich nutze Opera und konnte keine Werbung entdecken) und man kann trotzdem auch Full-HD-Videos (1080p) "on the fly" also ohne Warte- und Zwischenspeicherzeit anschauen. Man muss sich also fragen, wie man Forderungen nach Centbeträgen pro Klick rechtfertigen will. Bei anderen Videoplattformen im Internet sieht es da anders aus: Die Seite ist mit Werbung gepflastert, die Videos sind qualitativ Minderwertig und der Konsument (also letztendlich wir alle) darf immer erst einmal 30 s Werbung anschauen, bevor er das Video sehen darf. Das dieser Zwang Werbung ansehen zu müssen nicht im Sinne des Verbrauchers ist, sollte jedem klar sein. Und auch denjenigen, die die "Inhalte" liefern sollte bewusst sein, dass ich auf neue Musik (vor allem Independence Label) stoße, weil ich Links bei Twitter oder Facebook folge. Nur werde ich dann nicht 30 s meiner Zeit opfern um mir Werbung zu Gemüte zu führen, sondern einfach das Fenster wieder schließen. Dadurch entfällt die Möglichkeit, dass der Künstler mich durch seine Musik überzeugt und ich dafür auch Geld ausgeben werde. Und niemand kann behaupten, dass das Internet nicht die beste Möglichkeit ist um seine Kunst einer breiten Masse nahe zu bringen. Walk of the Earth, Arctic Monkeys oder Justin Bieber beweisen das Gegenteil. 

 

Die andere Frage die sich stellt ist: Was ist denn überhaupt ein Klick? Die Abbrecherquote bei Videos ist hoch, viele schauen auch das gleiche (einmal geladene) Video mehrmals an. Und Chrome lädt Seiten im Hintergrund, die man in Zukunft vielleicht besuchen könnte - das da andere Browser nachziehen ist nur eine Frage der Zeit. Also was ist ein Klick und wie kommt man so auf einen fairen Nenner? 

 

Auch der zweite Teil des Interviews ist vollkommen unbegründet. Die Kulturflatrate auf die er offensichtlich Bezug nimmt - und bitte korrigieren Sie mich, wenn ich hier falsch liege - ist keine Aufhebung des Urheberrechts. Es geht dabei um eine gerechte und angemessene Pauschalvergütung für Kulturgüter. Einerseits ist Software, wie die Programme um die Steuererklärung zu machen, weit davon entfernt ein Kulturgut zu sein (also auch nicht in der Kulturflatrate inbegriffen),  andererseits heißt ja Flatrate nicht "für Umme" sondern nur "für einen festen Preis soviel man will". Wenn man die Ausschüttungssummen der GEMA in den letzten Jahren betrachtet ergibt sich bei 30 Millionen Breitbandanschlüssen in Deutschland ein Kostenaufwand von etwa 26 Euro pro Jahr und Anschluss. Wohlgemerkt ist der reale Wert darunter, da es sich nur um den Privatgebrauch handelt und kommerzielle Nutzung von Musik in z. B. Werbung weiterhin kostenpflichtig wäre. Ich fände es auch deutlich gerechter, wenn jedermann bezahlen müsste, denn z. Z. tragen die ehrlichen Kunden all jene Schwarzkopierer mit. Das das dann trotzdem nicht ganz gerecht ist, ist mir bewusst. Allerdings stört sich auch die Gebühreneinzugszentrale nicht daran, Personen mit Notebook (wie mich) zu Kasse zu bitten, obwohl ich weder einen Fernseher besitze, noch irgendwelche öffentlich rechtlichen Videoportale im Netz besuche. 

Dass sich an der Preisgestaltung, der Verteilung der Einnahmen und vor allem den rechtlichen Grundlagen etwas ändern muss ist offensichtlich. Einerseits hat sich das Konsumverhalten geändert, sodass jetzt immer mehr Menschen immer mehr Musik wollen, andererseits sinken vor allem durch günstige Halbleiter und Softwarelösungen die Produktionskosten ständig. Zusätzlich dazu muss ein Album nicht mehr gepresst, in alle Welt verschifft und unter das Volk gebracht werden, sondern kann einfach ins Internet gestellt werden. Die Kosten für den Anbieter sind praktisch vernachlässigbar gering. Dazu passen Preise für ein Downloadalbum, die genauso hoch sind wie die Preise für ein gleichwertiges Album als CD vor mehr als 5 Jahren nicht mehr ins Bild! Wohlgemerkt ist der Download qualitativ minderwertiger als die CD. 

 

Und nichts ist uncooler als unbegründete Schwarzmalerei. 

 

Soviel von mir. 

 

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Lagezentrum

23.03.2012

Sven Regener sollte erstmal überlegen, bevor er die Piratenpartei und andere so verunglimpft und beleidigt. Seine Schmäh-Rede zeugt von höchster Wutanstauung, er sollte sich mal entspannen und wirklich zufrieden sein, daß er nicht von Hartz IV leben muß.

_
Das Wort "Würde" kennen manche Menschen nur noch als Konjunktiv II in dem Satz: "Für Geld würde ich alles machen."

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In der Diskussion über die "richtige" Verbreitung von (populärer) Musik in den Zeiten des Internet  wird von manchen  Schweden als Vorbild angeführt.

Schweden hat eine enorm große Verbreitung des kostenpflichtigen (Flatrate)-Streaming-Dienstes Spotify, bei gleichzeitig harter Verfolgung von illegalen Kopieraktivitäten. Das hat offenbar Auswirkungen (musikindustrie.de):

Seit der Einführung schärferer Gesetze zur Bekämpfung illegaler Musikverbreitung im April 2009 hat sich der schwedische Musikmarkt von 2008 auf 2009 gegen den weltweiten Trend positiv entwickelt. Zusätzliche positive Impulse werden auf die Etablierung von Spotify zurückgeführt. Nach einer schwedischen Studie gelang es Spotify unter anderem, viele Nichtzahler wieder zu Musikkunden zu machen. Auch von 2009 auf 2010 konnte Schweden noch mit verhältnismäßig geringen Verlusten (-4,6 %) punkten.

Der Nachteil von spotify ist allerdings dessen Zwangskopplung an den facebook-Konzern, aber es gibt ja auch andere Dienste

Zudem klagen Musiker, dass sie am Klick-Umsatz wesentlich weniger beteiligt sind als bei den physischen Datenträgern, also letztlich auf Hartz IV-Niveau bezahlt würden. Diskussion im podcast bei delamar.

Eine allgemeine Kulturflatrate für alle Haushalte/Einzelpersonen/Internetanschlüsse hört sich erst einmal wie das Ei des Columbus an, bedeutet aber, dass viele Menschen für etwas zahlen sollen, was sie gar nicht nutzen oder nutzen wollen. Dies führt ja schon bei der GEZ und den GEMA-Anteilen an Datenträgern und Geräten  zu m.E. berechtigter Kritik - diese hätte noch viel mehr Anlass bei einer allg. Kultur-Internetflatrate.

Ich denke, bei aller berechtigten Kritik an Regeners Tirade - worauf man sich mit ihm einigen könnte wäre das Bemühen um Fairness - im Umgang mit Musikern, aber auch im strafrechtlichen/zivilrechtlichen Umgang mit etwa jugendlichen Internetusern, die illegal kopieren.

Was ich weniger nachvollziehen kann ist der "selbstverständliche" Anspruch, jedes Musikstück müsse bei YouTube umsonst zur Verfügung stehen.

 

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alejandro

23.03.2012

 

Was ich weniger nachvollziehen kann ist der "selbstverständliche" Anspruch, jedes Musikstück müsse bei YouTube umsonst zur Verfügung stehen.

 

[/quote]

 

Danke. Das sehe ich auch so. Es handelt sich dabei um privaten Musikkonsum und warum sollte der anders als irgendein anderer privater Konsum kostenlos sein?

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Henry

23.03.2012

Es geht ja auch gar nicht um jedes Musikstück. Es geht nur um Stücke von Mitgliedern der Gema. Leider schreiben deren Bedinungen vor, dass die Künstler ihre eigenen Stücke nicht selbst unters Volk mischen dürfen. Deswegen sind auch die meisten Stücke von offiziellen Kanälen der Künstler gesperrt, also Stücke, die sie selbst hochgeladen haben und an denen sie die Rechte besitzen. 

Es gibt natürlich keinen selbstverständlichen Anspruch, dass alle Musik bei YouTube zu finden sein muss. Das ist ja allerdings auch nicht das Thema. Sein Problem ist ja die Vergütung, nicht das die Inhalte generell zur Verfügung stehen. 

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alejandro

23.03.2012

@Henry

 

Es steht jedem Musiker frei, seine Rechte von der GEMA wahrnehmen zu lassen oder nicht. Wenn er sich dafür entscheidet, dann kann er sicher sein, dass sein Werk von einem Verbund internationaler Wahrnehmungsgesellschaften geschützt wird. Das ist schon eine tolle Sache, aber es bringt eben auch mit sich, dass die GEMA in gewissen Fällen keine Freigabe zur Veröffentlichung erteilt. Es ist also schon ein Exklusivvertrag, den man da abschließt, und dafür gibt es viele gute Gründe.

 

Wenn man das nicht möchte, weil einem daran etwas nicht behagt, dann braucht man der GEMA nicht beizutreten und kann dann ganz individuell entscheiden, was mit seiner Musik passiert, wer einem dafür unter Umständen etwas bezahlt und wer nicht. Die GEMA bleibt dann komplett außen vor.

 

Ich würde aber persönlich niemandem dazu raten, das zu tun, denn mit dem handling, das dann gegebenenfalls auf einen zukommt, dürfte so ziemlich jeder überfordert sein.

 

Ausnahme wäre natürlich, dass man keinerlei Absicht hegt, mit seiner Musik Geld zu verdienen.

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Sehr geehrter Henry,

Sie schreiben:

Es gibt natürlich keinen selbstverständlichen Anspruch, dass alle Musik bei YouTube zu finden sein muss. Das ist ja allerdings auch nicht das Thema. Sein Problem ist ja die Vergütung, nicht das die Inhalte generell zur Verfügung stehen.

Nun weiß ich natürlich nicht, was Sven Regener sich zum Thema gesetzt hat - es handelt sich ja um eine spontane Äußerung.

Aber ein Ausgangspunkt ist wohl der Ärger vieler YouTube-Nutzer, die die GEMA und auch einzelne Künstler verantwortlich machen dafür, dass sie ihre Musik dort nicht angeboten bekommen - der Piratenparteiler spricht zB. oben sogar davon, die GEMA zensiere das Internet.

Der enge Zusammenhang mit der Frage der Vergütung ist aber doch offensichtlich: Angenommen, YouTube würde mit jedem einzelnen Künstler verhandeln und, sagen wir Madonna würde für jeden Klick 5 cent haben wollen, was You Tube aber ablehnt. Dann sagt Madonna: In Ordnung, dann verzichtet ihr eben auf meine Musik, ich vertreibe sie dann selbst auf einem Downloadportal. Falls ich aber doch meine Musik bei YouTube finde, klage ich auf Unterlassung/Schadenersatz.  Kann man das als Zensur bezeichnen? Hätten User berechtigten Anlass, sich darüber zu beschweren, dass sie die Musik von Madonna nicht bei YouTube umsonst zu hören bekommen?

Es geht hier offenbar um knallharte Tarifverhandlungen, bei denen wir Musikkonsumenten an der Seitenlinie stehen. Solange man (YouTube/GEMA) sich nicht einig ist, bleibt die Musik gesperrt. Wer als Internetuser die freie Verfügbarkeit der Musik auf YouTube als selbstverständliches Recht der User begreift, der steht auf der Seite von You Tube in diesen Verhandlungen. Und diese Seite hat in den Medien und im Internet sehr viel Zuspruch gefunden, u.a. auch bei den Piraten. M.E. hat Sven Regener mit seiner Attacke im Kern durchaus zutreffend darauf hingewiesen, dass die User mit dieser Haltung jedenfalls nicht auf der Seite der Musiker stehen.

Beste Grüße

Henning Ernst Müller

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Henry

23.03.2012

@ alejandro:

Dem stimme ich auch voll und ganz zu, es ist für die Künstler nicht tragbar ohne die Gema auszukommen. Allerdings ist es doch sehr bedenklich, wenn Künstler die Kontrolle über dei Verbreitung ihrer Musik abgeben und dann nicht in ihrem Interesse gehandelt wird, sondern in dem Interesse einer anderen möglicherweise größeren oder höhrer dotierten Gruppe Künstler. In anderen Ländern gibt es nicht solche nutzlosen Regelungen, wie zum Beispiel, dass eine Band, die ihre eigene Musik aufführt, Gema-Gebühren bezahlen muss, die sie dann aber teilweise oder in vollem Umfang zurück erhalten werden. Das sorgt nicht nur für Unmut bei den Mitgliedern, sondern erhöht die Verwaltungskosten und schmälert die Summe, die ausgezahlt wird. 
  Ein anderes Beispiel ist die Fußfessel, die Mitglieder der Gema dazu verdonnert jegliche Rechte an vorhandenen und noch kommenden Werken ausschließlich von der Gema wahrnehmen zu lassen (exklusives Nutzungsrecht). Es ist Künstlern also nicht mögliche einzelne Kompositionen unter eine Creative-Commons-Lizenz zu stellen und so der Gemeinheit zu nicht kommerziellen Zwecken zur Verfügung zu stellen. 

Zitat: Gema Berechtigungsvertrag

"Der Berechtigte überträgt hiermit der GEMA als Treuhänderin für alle Länder alle ihm gegenwärtig zustehenden und während der Vertragsdauer noch zuwachsenden, zufallenden, wieder zufallenden oder sonst erworbenen Urheberrechte in folgendem Umfang zur Wahrnehmung nach Maßgabe der folgenden Bestimmungen:"[1]

Hier sind einfach Überarbeitungen der Richtlinen und Satzungen notwendig, damit man mit der heutigen Zeit gehen kann. Der Zehnt hat schon seit Jahren ausgedient. 

----------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Henning Ernst Müller,

ich bin der Meinung, dass er wohl nicht ganz Unrecht hat, mit dem was er da über die Fronten sagt. Natürlich steht die Gema als schwarzes Schaf da und, weil sie die Musiker repräsentiert auch diese. Allerdings kommen die Kritiken ja nicht von ungefähr, sondern sind durchaus auf rationale Ansichten zurückzuführen:

  • Aus den Verhandlungen heraus ließ Google verlauten, dass 0,6 Cent pro Klick gefordert wurden und die Gema darauf beharrte. Von Seiten der Gema aus wurde das weder dementiert noch eine anders lautende Stellungnahme abgegeben, man kann also von der Richtigkeit der Information ausgehen. Jeder Webseitenbetreiber weiß, dass man durch normale Werbung auf einer Internetseite solchen Umsatz pro Aufruf nicht erreichen kann. Durch zusätzliche und penetrantere Werbung leidet die Plattform und der Nutzer. 
  • Das Hauptproblem ist aber eigentlich nicht Deutschland, sondern der Rest der Welt - der hat es nämlich geschafft, sich mit YouTube zu einigen. Deswegen scheint es ja offensichtlich nicht an YouTube zu liegen oder daran, dass sich Künstler in größerem Maße daran stören würden, dass ihr Videos auf dieser Plattform stehen. Das lässt nur einen logischen Schluss zu: Die Gema hat Schuld an der YouTube-Misere in Deutschland. Das mag vielleicht nicht ganz der Wahrheit und den Tatsachen entsprechen, aber es ist auf jeden Fall etwas wahres daran. 

Von der Aussage, dass es Zensur ist, wenn etwas nicht bei YouTube steht möchte ich mich aber distanzieren. Rechteinhaber sollten die Möglichkeit haben ihre Rechte auch geltend zu machen. Das aber der Lobbyismus manch seltsame Blüte treibt, sollte man auch nicht außer Acht lassen. Welche Dinge in ACTA und SOPA angeführt werden oder auch die rückwirkende Urheberrechtsabgabe für Festplatten, die seit 2008 verkauft wurden sind Sachen, die vielleicht die Rechteinhaber auf ihrer Position stärken mögen, aber in viel zu großem Umfang andere Personenkreise benachteiligen. Eine gesunde Skepsis der neusten Streiche aus Schilda gegenüber ist also immer angebracht, aber hier nicht dem Thema zuträglich. 

Etwas anderes sollte man auch bedenken: YouTube ist maßgeblich für den Erfolg des Internets verantwortlich gewesen. Wer hätte sich vor ein paar Jahren träumen lassen, dass man heute hochaufgelöste Videos direkt auf das Handy streamen lassen und dann an den Fernseher weitergeben kann? Wer hätte gedacht, dass es einmal ein Videoportal geben wird, bei dem jedermann alle seine Kreationen kostenlos einstellen, mit hoher Geschwindigkeit abrufen und einem breiten Publikum präsentieren kann? Und das auch noch ohne in Werbung ertränkt zu werden. Was wäre Facebook ohne die eingebetteten Videos die jeder postet? Hier die deutsche Evolutionsbremse zu spielen, ist bei Weitem keiner Heldenrolle zuschreibbar, aber die Möglichkeit auf einen neuen Nenner zu kommen, der, ohne die Freiheit des Internets und die Urheberrechte der Künstler zu beschneiden, einen fairen Nutzen und eine faire Vergütung beeinhaltet, ließe Deutschland dann im internationalen Vergleich doch sehr fortschrittlich erscheinen. Es findet sich nur immer niemand, der sich der Sache annimmt. 

szlig;fessel, die Mitglieder der Gema dazu verdonnert jegliche Rechte an vorhandenen und noch kommenden Werken ausschlie

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alejandro

24.03.2012

Lieber Henry,

mein Musikmachen muss mich ernähren, ob sich das Geschäftsmodell von Youtube rechnet oder nicht, ist mir egal. Ich brauche Youtube nicht, aber Youtube braucht ganz offensichtlich mich ( und alle anderen professionellen Musikmacher ), denn ohne uns wären sie schlichtweg NICHTS, denn niemand würde sich dorthin verirren, wenn man dort nur launige Urlaubsvideos betrachten könnte. Wenn sie mir ( und allen anderen Urhebern ) also keine Entlohnung anbieten können, die unsere Arbeit rentabel machen würde - und 0,6 Cent sind da weitaus zu wenig - dann sehe ich keinen Grund, ihr offensichtlich nicht tragfähiges Geschäftsmodell mit meiner Arbeit zu subventionieren. Warum sollte ich das auch tun? Wer meine Musik hören will, der findet Vorabversionen auf den entsprechenden Künstlerhomepages und auch auf den Downloadplattformen, oder er hört die Titel irgendwo im Radio. Weitere kostenlose Quellen sind für mich nicht nur nicht sinnvoll, sondern eher kontraproduktiv. die Herstellung eines erfolgversprechenden Titels benötigt bei mir zwischen einer und zwei Wochen Arbeitszeit, wenn es eine Topproduktion werden soll, und sie dürfen sich gerne selber ausrechnen, was dabei für mich übrig bleibt, wenn pro stream nur 0,6 Cent ( BRUTTO ) erzielbar sind.

 

Noch etwas, das mich amüsiert: Die GEMA hat Youtube um eine genaue Auflistung der einzelnen Streams gebeten. Youtube behauptet, dies sei technisch nicht möglich und verweigert es bis heute.

 

Nun frag ich Sie: wer ist hier die Bremse in Fortschritt und Transparenz? 

 

 

 

 

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Henry

24.03.2012

@ alejandro:

Leider segelst du an der Wahrheit vorbei. Nicht YouTube muss dich ernähren, sondern deine Musik. Und YouTube ist da eher das Sahnehäubchen, denn du verdienst nicht durch YouTube sondern durch andere Einnahmequellen. Glaubst du, dass die Leute, die Musik in dieser wirklich schlechten Qualität bei YouTube downloaden die gleiche Musik ehrlich kaufen würden, wenn es diese nicht bei YouTube gäbe? 

Was ist also besser? Ich denke, dass 0,12 Cent, die YouTube pro Klick geboten hat, zwar nur 1/5 von 0,6 Cent sind, aber immer noch 0,12 Cent mehr, als gar nichts. 

Deine Argumente sind zwar nicht von der Hand zu weisen, scheinen aber im internationalen Vergleich wohl weniger Wert gewesen zu sein, als das Geld, dass YouTube zahlt. Wo wir dann auch wieder zurück bei der Frage wären: Warum scheitert man hier gerade in Deutschland? 

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Henry

24.03.2012

Einschub:

Hier ist noch ein sehr interessanter Kommentar zu der "Wutrede".

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alejandro

24.03.2012

mit Verlaub,

0.12, das ist leider präzise garnichts. Faktisch und bei jedwedem Nachrechnen. Es ist eine Nichtbezahlung. Eine Summe, so klein, dass es geradezu skurril erscheint, darüber im Rahmen einer 'Bezahlung' zu diskutieren. Selbst für ein fast beliebiges Vielfaches dieser Summe kann ich so gut wie nichts erwerben, das in meinem täglichen Leben eine Rolle spielt. Ich bitte hier, selbständig nachzurechnen. Das muss wirklich verstanden werden.

Es ist ein psychologiscges Phänomen: zu große und zu kleine Zahlen verlieren ihre Aussagekraft, man kann sie sich nicht vorstellen.

Wenn ich mich zu diesem Thema äußere, dann geschieht dies aus meiner sehr konkreten und natürlich persönlichen Sicht. Eine Frage wie 'warum scheitern wir damit in Deutschland' ist für mich theoretisch, und ich stelle sie mir nicht. Ich produziere etwas, und kann mir nicht leisten, es in welcher Qualität auch immer, zu verschenken. Niemand könnte das, niemand würde es in einem anderen Bereich von einem Anderen verlangen.

 

Youtube ist ein synthetisches Gebild, deseen Idee eigentlich 'broadcast youself' war, und das es erst recht kurz gibt. Es mag genau so schnell wieder verschwinden, so wie 'myspace' oder etlche andere zuvor auch. Wer weiß das schon? Aufgrund dieser möglicherweise sehr kurzlebigen Situation, und einer durch geschickte Stimmungsmache gefütterten  Unzufriedenheit derer, die sich an kostenloses Entertainment gewöhnt haben,  die Grundpfeiler des Urheberrechts ins Wanken zu bringen, dafür sehe ich wirklich keinen Anlass.

Musik ist auch bei ganz legalem erwerb sehr kostengünstig, und es herrscht keinerlei Mangel, es entstehen keine persönlichen Härtesituationen oder Benachteiligungen, wenn das Urheberrecht so bleibt, wie es ist. Es ist alles eine Frage echter Fairness, und dazu gehört auch die Einsicht, dass man nicht alles haben muss, was man rein technisch vielleicht haben kann.

Zum Vergleich mit anderen Ländern kann ich nur sagen: warum sind die Renten in Deutschland nicht so hoch wie in Griechenland? Weil irgendwann ein kluger Rechner erkannt hat, dass es auf lange Sicht zu nichts führt, und weil man sich in Deutschland auf das beschränkt hat, was für alle Beteiligten auch langfristig tragfähig ist.

 

 

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Henry

24.03.2012

@ alejandro: 

Weißt du wie viel eine Seitenaufruf im Internet wert ist? 0,12 Cent sind hier schon sehr großzügig bemessen. Das dieser Zahlenwert, der nach dem Komma steht sehr wohl noch eine Beachtung verdient hat sieht man an Tankstellen (jeder Liter wird fast einen Cent teurer), am Aktienmarkt (und Wechselkursen) und auch an Firmen wie Facebook: Diese verdienen auch nicht mehr Geld pro Seitenaufruf und haben trotzdem einen Wert von beispielsweise 100 Millarden Dollar oder um das ganze "faßbar" zu machen 100000000000 $ erreicht. Auch Kleinvieh macht Mist. 

Wenn jeder das verdienen würde, was er denkt bekommen zu müssen, würde hier nichts mehr laufen. Wenn jemand einen Job für 5 Euro ausschlägt, weil er "für das Geld nicht arbeitet" sich aber gleichzeitig darüber beschwert, dass er zu wenig Geld zur Verfügung hat ist das doch irgendwie verwerflich. Wenn man also auf einen Zusatzverdienst verzichtet, weil man noch mehr Geld als das gebotene will, schadet man sich irgendwann selbst. Einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag pro Jahr links liegen zu lassen, ist gewagt, während man es nicht unterlassen kann zu betonen, wie schlecht es doch der Branche geht. 

 

Um noch einmal Klarheit zu schaffen: Das Urheberrecht hat mit YouTube gerade nichts zu tun, dass ist eine reine Tarifverhandlung. Es geht bei einer Neuregelung um illegale Downloads und faire Besoldung der Künstler, nicht um ein Recht auf kostenlose und unbegrenzte Musik bei YouTube - das ist doch an den Haaren herbei gezogen! Die Kulturflatrate spielt sich nur auf privater Ebene ab - sobald aber eine kommerzielle Verwendung vorliegt (z. B. Werbespot) muss man immer noch bezahlen. 

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Sehr geehrter Henry,

Sie schreiben:

Um noch einmal Klarheit zu schaffen: Das Urheberrecht hat mit YouTube gerade nichts zu tun, dass ist eine reine Tarifverhandlung.

Ich stimme zu, es geht um eine Tarifverhandlung (s.o.) Aber es geht bei diesem Tarif natürlich auch um das Urheberrecht, das eben die Basis dafür ist, dass eine künstlerische Leistung nicht einfach ohne ggf. bezahlte Erlaubnis verbreitet/verwertet werden darf. 

Es geht bei einer Neuregelung um illegale Downloads und faire Besoldung der Künstler, nicht um ein Recht auf kostenlose und unbegrenzte Musik bei YouTube - das ist doch an den Haaren herbei gezogen!

Für die Musiker liegt der  Zusammenhang in ihrer Geldbörse. Ich denke aber auch, Herr Regener täuscht sich darüber, dass ein höherer YouTube Tarif ihm tatsächlich erheblich mehr einbringen würde.

Die Kulturflatrate spielt sich nur auf privater Ebene ab - sobald aber eine kommerzielle Verwendung vorliegt (z. B. Werbespot) muss man immer noch bezahlen.

Auf die Nachteile der Kulturflatrate (eigentlich so was wie die GEMA nur in viel größer, deshalb ist sie ja auch in der Piratenpartei sehr umstritten) aus meiner Sicht habe ich oben hingewiesen. Wann genau eine kommerzielle Verwendung vorliegt, ist dann das nächste Problem. Wenn ein privater Blog auch ein bisschen Banner-Werbung macht, könnte das schon als kommerziell gewertet werden. Und natürlich auch YouTube wäre eine kommerzielle Verwendung, sofern sich YouTube (was ja immer mehr der Fall ist) durch Spots finanziert. Ebenso facebook. Aber wenn die Kulturflatrate nicht mal das Posten von Musikstücken auf facebook abdeckt, wäre sie wohl für viele Leute witzlos. Aber möglicherweise sind diese Probleme der Kulturflatrate in den Diskussionen darum schon längst gelöst. Ich will nicht den Anschein erwecken, als wäre ich da der Experte.

Besten Gruß

Henning Ernst Müller

P.S. Passender Kommentar von Sibylle Berg (SPON): Die Idioten werden siegen.

 

 
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alejandro

25.03.2012

Es ist natürlich ganz richtig, dass der Tarifstreit zwischen GEMA und Youtube nur insofern mit dem Urheberrecht zusammenhängt, dass es ihn ohne das Urheberrecht in seiner jetzigen Form womöglich gar nicht gäbe, weil der Urheber in einem anderslautenden Rechtekontext vielleicht keinerlei Einfluss mehr auf die Preisgestaltung bei der Verwertung seines Produktes hätte.

 

Danke auch für die nützliche Info, was ein Seitenaufruf wert ist. Ich glaube das, und finde dennoch dass sich auf einer Seite, deren Aufruf eben nicht mehr erbringen kann, nicht der Content befinden sollte, den ich disproportional höherem Aufwand hergestellt habe. Es ist nun mal das Ergebnis meiner Erwerbsarbeit, und ich kann mir schlichtweg nicht leisten, es zu diesem Preis weiterzugeben.

 

Wer den Song jederzeit und in voller Länge auf Youtube hören kann, wird dies vielleicht ein paar Mal tun, und dann weiterziehen, er kann ja jederzeit wieder darauf zurückgreifen. Das ist schlecht für mich, denn andernfalls würde der Konsument vielleicht die üblichen 99 Cent investieren, also ein fast tausendfaches der Summe, die mir Youtube zukommen ließe. Das wäre besser für mich, und ich finde diesen Preis ok und zumutbar. Deshalb möchte ich als Urheber zu diesen Konditionen zur Zeit nicht auf Youtube sein. Die GEMA nimmt meine Interessen wahr und setzt mein diesbezügliches Recht durch, verweigert Youtube also die Weitergabe. Vorenthalten wird diese Musik dadurch jedoch dennoch Niemandem. Wer sie haben möchte, muss dafür lediglich meine Konditionen akzeptieren, so wie bei jedem anderen Geschäft auch. Wem diese unangemessen erscheinen, der braucht den Song ja nicht zu kaufen. 

Das Urheberrecht in seiner jetzigen Form ermöglicht mir ( bzw. der von mir beauftragten Verwertungsgesellschaft GEMA ) hier also nicht mehr und nicht weniger, als einen gewissen Einfluss auf den VK meines Produktes. Eine Selbstverständlichkeit in allem Handel und Wandel. Wohlgemerkt birgt das natürlich auch Risiken, denn wenn ich den Wert meines Produktes überschätze, werden die Käufer mich ignorieren.

 

Ich kann daran rein gar nicht Verwerfliches finden ( es sei denn ab jetzt dürften auch in allen anderen Bereichen die Kunden den Herstellern die Preise diktieren ) und weiß nicht, warum aufgrund eines so normalen Vorganges Änderungsbedarf am Urheberrecht bestehen sollte.

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Regenz

26.03.2012

Erfreulich, dass hier eine Diskussion stattfindet, bei der sich die Diskutanten nicht herabsetzen und persönlich angreifen, sondern ihre Sicht von GEMA, youtube und Urheberrecht erklären.

Für mich hängen die Preisverhandlungen zwischen GEMA und youtube und das Urheberrecht zusammen. Regener sagte, dass er die Praxis von youtube ablehnt, wenig bis gar nichts an die Musiker zu zahlen, deren Musik youtube anbietet, aber gleichzeitig von Firmen, die mit youtube Werbung an die Musikhörer plazieren, Einnahmen zu erzielen. Dies gilt ja wohl für youtube überall auf der Welt.

Ich sehe youtube sehr ähnlich. Ich finde Werbung ätzend. Ich würde lieber 5 Euro um Monat für einen werbefreien Musikkanal zahlen als mir kostenlos Musik auf youtube anzuhören und Werbung sehen zu müssen.

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Johannes

26.03.2012

Meines Erachtens ist das kein beachtliches Niveau, dass Regener in diesem Gespräch an den Tag legte, auch hat er keine Argumente vorgetragen, sondern nur Industriepolemik betrieben.

Die Perspektive der Nutzer und nicht-Industrielobbyisten ist hingegen weit überzeugender, zu welcher ich etwa auch diesen kleinen Beitrag empfehle: "Sven Regener, du erzählst Unsinn, und ich erklär dir, warum" https://11k2.wordpress.com/2012/03/22/sven-regener-du-erzahlst-unsinn-un... .

Es ist schön, dass Sie sich dieses Themas auch im Blog annehmen.

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Sehr geehrter Herr Johannes,

Regeners Text hat vielleicht "kein beachtliches Niveau", aber er ist ein guter Auslöser für eine Diskussion, die ja jetzt überall geführt wird. Beachten Sie bitte, dass es eine mündliche Rede ist, kein Artikel, bei dem er die Goldwaage bemüht hat.

Aber auch die von Ihnen verlinkte und empfohlene Antwort Fritz Effenbergers halte ich nicht für das Gelbe vom Ei: Ich gehe auf ein paar der Punkte ein (Quelle):

Erste grosse Überraschung: Das Internet ist kein Plattenladen. Sorry, aber da habense dich angelogen. Das Internet ist statt dessen so eine Art Radio- oder Fernsehsender. Merkt man schon daran, dass es Strom braucht. Du kannst da Sachen draus “aufnehmen”, wie beim Radio, aber nichts draus wegnehmen (“stehlen”).

Die große Überraschung überrascht mich nur wegen der Ahnungslosigkeit des Autors: Radio- und Fernsehsender zahlen für die gesendeten Musikstücke (an die GEMA!), der Konsument zahlt für die Sendungen per GEZ (!) bzw. über die Werbung, die er sich anhören muss. Der user kann auch nicht (ohne Internet-Hilfe) die Stücke gezielt hören, die er im Radio aufnehmen will, sondern eben nur das, was gerade gesendet wird (wie viel Stunden habe ich früher neben dem Radio verbracht, bis das Stück kam, bei dem ich die Aufnahmetaste drücken wollte!)

Dritte Überraschung: Ich lebe von meiner Arbeit als Urheber, vor allem als Journalist, mit Artikeln, die zu 100 % frei im Internet zu lesen sind. So leid es mir tut, das schon wieder sagen zu müssen, aber die Industrie-Ära ist vorbei, und mit ihr das Geschäftsmodell der massenproduzierten Kulturdatenträger. Viele Musiker auf der Welt leben inzwischen von neuen Geschäftsmodellen. Mach das doch auch, bitte.

Das Geschäftsmodell würde mich auch interessieren, denn da fehlt mir etwas: Wenn sich Herr Effenberger  mit den Texten, die er schreibt (und die für die User kostenlos sind) ernähren kann, dann muss ihn doch irgendwer dafür bezahlen. Entweder ist es ein Printprodukt, von dem er sein Geld erhält, dann gehört es zu den wenigen im Printmarkt, die noch nicht unter dem internet leiden, denn natürlich leiden gedruckte Presseorgane in ihrer Mehrheit auch unter der Internetentwicklung, nur eben ein bisschen später als die Musikindustrie. Oder er bekommt sein Geld, weil er so ein toller Typ ist, dass im Umfeld seiner Texte alle werben wollen. Allerdings, die Abhängigkeit von Werbepartnern ist ein eigenes Problem des Journalismus, denn darunter leidet die Unabhängigkeit der Presse erheblich.

Das Problem, im Internet für Content Geld zu bekommen, ist doch allg. bekannt. Mag sein, dass Herr Effenberger so gut ist, dass ihn das Problem nicht betrifft, oder er eine Nische gefunden hat, in der er (noch) gut leben kann. Aber wenn tatsächlich alle das genauso machten, würde schnell klar sein, dass in dem dann bestehenden Überangebot (der überall kostenlos verfügbaren und beliebig kopierbaren Texte) nicht annähernd genug Geld übrig ist, um davon einen Großteil der Journalisten zu bezahlen. Möglicherwiese leben viele Musiker von neuen Geschäftsmodellen. Ich bezweifle, dass es so viele sind. Einzelbeispiele dafür sind bekannt und es werden immer wieder dieselben Bands zitiert ("Radiohead"), die allein durchs Touren oder durch freiwillige Fan-Zahlungen genug Geld verdienen. Aber dass man insgesamt auch ohne Urheberrecht auskommt und Musiker sowie  Autoren dann noch ihren fairen Anteil bekommen, ist damit nicht belegt.

Auch die User sollten sich nicht täuschen: Bisher hat das Geschäftsmodell internet (etwa für fb) immer noch einen gewissen Blasencharakter: FB z.B. hat es geschafft hunderte Millionen in ihrem kostenlosen Netz einzufangen, aber wenn sie wirklich anfangen sollten, massiv Werbung auf all den Seiten zu platzieren, damit sie Geld verdienen, zeigt sich doch erst, ob dies auf Dauer erfolgreich ist. Alternativ könnten sie versuchen, die Daten ihrer Nutzer zu missbrauchen.

Insofern stimme ich Effenberger zu: Möglicherweise ist die Ära vorbei, in der die alten Geschäftsmodelle überhaupt noch funktionierten, aber wenn GEMA und Regener mehr für YouTube-Videos verlangen, lassen sie sich doch auf den neuen Markt gerade ein. Sie stehen halt nur auf der "anderen Seite" des Geschäftsmodells.

Aber ich bin wirklich kein unbedingter Verteidiger des Systems Urheberrecht/GEMA, insbesondere wegen der Auswüchse der Abmahnindustrie und des Strafrechts, die damit einhergehen. Ich sehe im Moment nur nicht, dass die bisher vorgeschlagenen Alternativen (auch nicht die bei der Piratenpartei diskutierten) die Probleme so lösen, dass die Autoren/Musiker fair herauskommen.

Beste Grüße

Henning Ernst Müller

P.S.: Das Geschäftsmodell, das Herr Effenberger allen empfiehlt, findet sich hier, nebst der Kommentare, die dieses Modell z.T. nüchtern betrachten.

 

 

 

 

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klabauter

26.03.2012

Tja, zumindest zeitweise scheint Herr Effenberger Tätigkeiten ausgeübt zu haben, die üblicherweise mit einer Vergütung des Urhebers einhergehen, und nicht von Luft, Liebe und Gratis-Texten im Internet:

http://www.neue-szene.de/nsa/uploads/archiv/077b98ac435e4e4a633866a17c7e4272.pdf

 

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Johannes

26.03.2012

Sehr geehrter Herr Prof. Müller,

es ist natürlich richtig, dass man derzeit noch für Musik an die Gema und TV an GEZ zahlt oder eben Werbung konsumiert. Aber auch diese Modelle sind gestrig und müssen gerade diskutiert werden, was beide Autoren in ihren knappen Beiträgen freilich nicht tun.

Insbesondere ist die Höhe der Vergütungen diskussionswürdig, auch etwa bei CD- oder DVD-Käufen, da diese nach Ansicht Vieler schon lange weit zu hoch sind. Die Gewinne daraus landen freilich bei der Medienindustrie und kaum bei den Künstlern. Das Thema wird etwa derzeit auch im Verhältnis Journalisten - Verlage diskutiert.

Nicht zu vergessen ist auch, dass die neuen Medien wie Youtube und Socialmedia für die alte Industrie eine sehr weitreichende PR machen, ohne die sich die Menschen erstens nicht für die meisten Bands interessieren würden, geschweige denn Kenntnis von diesen hätten und so auch keine Konzerte besuchen oder CDs/MP3s kaufen würden. Auf diese PR könnten die Majors vielleicht verzichten, da sie alternativ horrende Marketingaufwendungen tätigen könnten, um ihre Mainstream-Künstler zu bewerben und dann weiterhin überteuerte Musik- und Ticketpreise zu fordern. Die im Musikmarkt zahlenmäßig jedoch weit überragenderen Indiebands können sich diesen PR-Verzicht durch die neuen Medien jedoch nicht leisten, um überhaupt bekannt zu werden und Konzerte zu füllen.

Das Effenberger von seinen frei lesbaren Artikeln leben kann, könnte natürlich daran liegen, dass er so ein toller Typ ist, muss es aber nciht. Denkbar ist, dass er einfach eine gute Schreibe hat, so dass er viele Aufträge bekommt, entweder als PR für events, etwa Musikkonzerte oder auch ganz klassisch für Verlage schreibt, die kostenlos die Beiträge online stellen und dafür Werbung schalten. Vieles ist denkbar, und insbesondere die Massenmedienindustrie muss es nur tun das Denken.

Und selbstverständlich ist es richtig, dass man über Zahlungen von Google/youtube reden muss. Denn wer horrende Gewinne mit Werbung einfährt, sollte auch in der Lage sein, den Künstlern per Klick Millicents zu vergüten, was freilich auch wieder überwiegend den Mainstreammusikern zu Gute kommt. Daher muss auch darüber nachgedacht werden, wie insbesondere anspruchsvolle Indiemusik stärker gefördert werden kann. Dies könnte etwa dadurch geschehen, dass Massenkünstler ab einem bestimmten Vergütungsbetrag Prozente an eine Künstlergesamtkasse abführen müssen. Diese kehrt sie wiederum an die unterhalb dieser Einkommenschwelle liegenden Künstler in prekären Verhältnissen nach einem Schlüssel zur Kompensation aus. Ein soziales Urheberrechtsmodel für Künstler und Nutzer wäre zukunftsgewandt.

Warum das Urheberreht auch postmortal bis 70 Jahre nach dem Tod gelten soll, lässt sich auch keinem Menschen erklären.

Mochte ich alternative Regeners Musik und Buch früher auch, hat er mir die Freude daran durch seine pauschalen und unflexiblen Aussagen nun wie auch vielen anderen Nutzern neuer Medien genommen. Regeners Stellungnahme erinnert mich an einen alternden Musiker, der heute nichts maßgeblich marktrelevant Neues schafft und sich über den allgemeinen Rückgang des Umsatzes seiner alten Werke nach dem inhaltsleeren Ansatz "Früher war alles besser" beklagt. Das ist jedoch kein denkwürdiger Ansatz für eine zukunftsgewandte Urheberrechtsdebatte bzw. innovative Gesetze, die Kreativität im Internet zuliessen, anstatt lediglich der kommerziellen Medienindustrie horrende Gewinne zu verschaffen.

Im Übrigen: Bei den Piraten werden alle diese zukunftsweisenden und weitere Ansätze diskutiert, ganz vereinzelt auch bei den Grünen.

Beste Grüße,
Johannes

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alejandro

26.03.2012

Mit Verlaub,

 

ich finde, dass das nur Leute wirklich kompetent diskutieren können, die über Jahre alle Seiten des Business kennengelernt haben, und die selber auch über einen längeren Zeitraum Abrechnungen aus allen möglichen Verwertungen erhalten haben.

Ich zähle zu diesen Leuten, und ich weiß genau, wovon ich rede.

 

Bei den Piraten habe ich bisher noch niemanden vernommen, der in ernstzunehmender Weise die Urheberseite verteten würde. Was dort formuliert wird, sind Luftschlösser und Utopien, im Ergebnis vermutlich größtenteils wesentlich ungerechter und unsozialer, als die existierenden und gewachsenen Regelungen.

 

Populismus eben, der auf Konsumentenseite im Moment prima ankommt.

Verdenken kann ich es ihnen nicht, schließlich wollen sie Macht und Einfluss, und dieser Weg, diese zu erlangen, drängt sich im Moment geradezu auf.

 

Ehrenhaft ist es es jedoch nicht, wobei ich auch da vielen zugute halte, dass sie keinerlei Ahnung haben, wovon sie reden. Das hält in unseren Zeiten aber leider Niemanden mehr davon ab, sich mit solch 'gefühlter' Kompetenz wichtig zu machen.

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Emil

26.03.2012

@alejandro Genau um solch gestrige, unflexible und konservative Industrie-Positionen aufzudecken gibt es die Piraten und sie haben Erfolg, sehr zu Recht. :-)

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Emil

26.03.2012

Übrigens, kürzlich eine kleine aber unterhaltsame news von Lawrence Lessig gelesen: "The German rights agency GEMA has blocked my TED Talk in Germany Hey GEMA LAß MICH LOS!

 

Würde die Industrie ihre grenzenlose Gier zügeln, dann funktionierte auch deren Unternehmen im Einklang mit dem freien Internet der Menschen!

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alejandro

26.03.2012

Man kann über alles reden, wenn man es denn kann.

Ich habe in den letzten Tagen sicher an die 500 Blogbeiträge zum Thema gelesen. Die meisten auf Piratenseite hatten nicht die geringste Sachkenntnis, konnten kaum Urheber und Künstler unterscheiden, geschweige denn die verschiedenen Rechte und deren Funktionen, verwechselten Plattenfirma, Verlag und Gema. Es ist nun mal leider ein komplexes Thema, das man nicht so einfach begreift. Ich habe kaum einen Piraten gelesen, der versucht hätte, Licht in dieses Dickicht zu bringen, wozu auch, die dumpfe und faktenfreie Verteufelung aller Urheber und ihrer teuflischen Oberorganisation GEMA passt einfach besser in die aktuelle Agenda.

 

Ich kann's  ja verstehen, und bleibe doch dabei, dass es äußerst unehrenhaft ist.

 

 

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Emil

26.03.2012

@alejandro Selbst weiss ich, dass die Piraten gerade bei diesen Themen über besonders hohe Fach- und Sachkompetenz verfügen. Von Ihnen hingegen konnte ich nur substanzloses und trollhaftes "bashing" lesen, daher verzichte ich auf die weitere Lektüre. Bitte selbst um Verständnis, aber in der knappen Zeit lese ich dann doch lieber kompetente wegweisende Beiträge. :-)

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@alejandro, @emil, 

nur zur Erinnerung: In diesem Blog wird besonders auf die Diskussionskultur geachtet und persönliche "Anmache" wird nicht geduldet.

Weder trifft es zu, dass sich an so einer Diskussion nur Menschen beteiligen dürfen/sollten, die jahrelang in diesem Business gearbeitet haben, noch trifft es zu, dass alejandro hier trollhaftes bashing betrrieben habe.

In den letzten Tagen habe ich, durchaus auch durch die Lektüre der sehr kontroversen Debatten bei der Piratenpartei (zB für und wider Kulturflatrate) festgestellt, wie komplex diese Angelegenheit ist, die sich auch kaum mit einfachen Floskeln (alte Industrie, neues Internet) lösen lässt.

Auch die Position der "Piraten" - und das ist ja die Partei, für die das ein zentrales Thema ist - ist m. E. recht enttäuschend unklar. Man schaue hier.

Nämlich "wie" das freizügigere Urheberrecht denn aussehen soll, wird daraus nicht klar, außer ein paar Ausblicke in die Zukunft, also etwa kostenpflichtige Streamingangebote.  Wie kostenpflichtige Streamingangebote funktionieren sollen, wenn man etwa kostenfreies peer-to-peer gleichzeitig völlig frei zulässt, ist mir jedoch nicht ganz klar: In nullkommanix wären (dann ja legale) Angebote aufgebaut, die jeden streaming-Dienst toppen. Auch die GEMA (Rechteverwerter) soll ja nicht abgeschafft werden. Immerhin soll es mehr Mitspracherechte der Urheber geben - in welcher Hinsicht? Also weniger Rechte der Urheber, dafür mehr Mitsprache bei deren Verwertung.

In anderen Punkten (Verkürzung der 70 Jahre) bin ich ganz der Auffassung der Piraten.

Beste Grüße

Henning Ernst Müller

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alejandro

26.03.2012

Ich schrieb 'kompetent diskutieren' und meinte damit, sich mit zuverlässiger Sachkenntnis einbringen, und das können in diesem Umfeld zur Zeit nun mal nicht allzu viele der Diskkussionsteilnehmer, da - wie Sie selber festgestellt haben - die Materie nun mal eine recht komplexe ist. 

Diskutieren darüber soll natürlich jeder, egal wie sachkundig er zur Zeit auc sein mag, doch es gehört zum Wesen einer guten Diskussionkultur, bei seinen Äußerungen möglichst zwischen Fakten und Meinungen zu unterscheiden, auch wenn dies nicht immer ganz einfach ist.

In diesem Sinne versuche ich, möglichst viele Fakten und konkrete Erfahrungen beizutragen, und darauf hinzuweisen, wenn mir Dinge faktisch unrichtig erscheinen.

Auch für mich eine Gratwanderung, doch dahinter steht in jedem Falle eine konstruktive Absicht.

 

 

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