Was man von Jurastudenten so an Anfragen bekommt: Ein Hilferuf aus Potsdam

27.02.2012
Folgender Hilferuf eines Potsdamer Jurastudenten erreichte mich heute per Post. Da ich etwas irritiert war, habe ich mit dem Studenten geredet. Er erklärte sich einverstanden, daß sein Schreiben ohne konkrete Angaben des Themas, aber mit vollem Namen und Kontaktdaten über den Blog verbreitet wird.
Anfrage zur Finanzierung einer Seminararbeit
Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Hoeren,
als Student der Rechtswissenschaften mit dem Studienschwerpunkt Medien- und Wirtschaftsrecht an der Universität Potsdam richte ich mich mit der Bitte um eine finanzielle Unterstützung für eine Seminararbeit zum Thema
„‘Medienkartellrecht (Thema geändert; TH)“
an Ihr Institut.
Eine Seminararbeit ist Bestandteil der universitären Schwerpunktprüfung; vergleichbar mit einer Bachelorarbeit. Die Arbeit soll die Frage nach der Zulässigkeit von Vorbereitungshandlungen im Rahmen von Unternehmenszusammenschlüssen nachgehen, die sich noch im Stadium der Prüfung durch das Bundeskartellamt befinden, erläutern. Die Arbeit ist bis zum 4. April 2012 durch mich fertig zustellen.
Eine finanzielle Unterstützung meiner Forschungstätigkeiten soll überwiegend meine Ausgaben für Fotokopien, Archiv- Leih- und Bearbeitungsgebühren, Verpflegungskosten, Portokosten und Ausgaben für Fachliteratur decken und Ihnen gegenüber als Gegenleistung verstanden werden, um Ihnen die Nutzungsrechte an der fertigen Arbeit zu übertragen.
Neben meinem Studium engagiere ich mich in der X-Partei seit einigen Jahren kommunalpolitisch vor allem auf dem Gebiet der Bildungs-, Sozial-, und der Integrationspolitik im Berliner Bezirk X. Weitere Informationen zu meinem gesellschaftlichen Engagement können Sie auch gerne dem beigelegten tabellarischen Lebenslauf entnehmen.
Sollte ich Ihr Interesse geweckt haben, so würde ich mich freuen, wenn Sie mir eine entsprechende Zusage und Vereinbarung zukommen lassen würden. Gerne können Sie auch per E-Mail mit mir in Kontakt treten.
Mit freundlichen Grüßen
E. Khazaeli
Siehe auch:
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Kommentare:
27.02.2012
Auf nachträglichen Wunsch von Herrn Khazaeli wurden die Hinweise des Studenten auf seine parteipolitischen Aktivitäten anonymisiert. TH
27.02.2012
Der Mann ist kein politischer Nobody - insofern Dank an Herrn Hoeren für die Verödffentlichung
Siehe
http://www.abgeordnetenwatch.de/ehssan_khazaeli-417-45774.html
http://Link wurde entfernt
http://Link wurde entfernt
27.02.2012
Warum veröffentlichen Sie diesen Brief? Es dürfte nicht die einzige obskure Nachricht sein, die Sie erhalten.
27.02.2012
An MaM: Ich veröffentliche den Brief auf ausdrücklichen Wunsch von Herrn Khazaeli. TH
27.02.2012
War doch überaus gnädig von ihm, Ihnen gegen eine geringe Kostenaufwandsentschädigung die Nutzungsrechte an seinen bestimmt zutiefst erhellenden geistigen Ergüssen überlassen zu wollen. Ich mutmaße, dies Chance haben sie sich nicht entgehen lassen, oder?
27.02.2012
Lieber Herr Jonas,
er hat mir telefonisch mitgeteilt, dass ich für die Finanzierung die Nutzungsrechte erst ab September bekommen könne. Ich mußte aus diesen und vielen anderen Gründen leider von der Finanzierung absehen. Gruss TH
27.02.2012
Habe ich das noch richtig gelesen, dass sich Hr. K. in dem Schreiben oben als X-Aktivist bezeichnet hat? Er ist doch Mitglied der rechtspopulistischen Splittergruppe "XXX".
27.02.2012
Für die Studienarbeit auch noch Geld verlangen unter der Begründung, dass man ja tapferer Parteisoldat sei. Darauf hätte ich früher mal kommen sollen. Hunderte Jurastudenten geben ihre Arbeit ohne solche Forderungen ab. Die haben finanzielle Unterstützung wahrscheinlich alle dank reicher Eltern nicht nötig oder sind nach Ansicht des Antragstellers mit dessen hochwertigen "Forschungen" nicht gleichzusetzen. Immerhin. mit solch dreistem Auftritt ist er in der Politik genau richtig.
27.02.2012
Günstiger als mit dieser Masche kann Eigen-PR nicht laufen.
Ich hatte bis zu den Schwerpunktveranstaltungen das zweifelhafte Vergnügen mit diesem jungen Mann studieren zu dürfen. Schon da hat sich der bittere Beigeschmack der Erkenntnis gerührt: Auch solche werden Juristen.
An dieser Stelle möchte ich für die anderen Potsdamer Studenten sprechen: Dieses Exemplar ist eine Ausnahme. Der Rest von uns macht die Schwerpunktbereichsprüfung ganz normal, ohne Finanzierung oder andere zweifelhafte Aktivitäten.
Falls sie die Möglichkeit haben, Prof. Hoeren, anonymisieren sie das Anschreiben und retten sie die Ehre der anderen Potsdamer Jurastudenten :)
27.02.2012
Was mich wundert ist dass der Anfrager unterstellt dass seine Arbeit bzw. die Nutzungsrechte daran etwas wert sei. Ich habe immer gedacht dass wissenschaftliche Publikationen eher Ruhm bringen und kaum Geld, ausser für die Verlage. Teilweise müsse sogar Geld gezahlt werden ("Druckkostenzuschuss"). Oder bin ich falsch informiert?
27.02.2012
Auch ich kenne diesen Herrn und habe diese Erfahrung gemacht. Mehr Falschheit in einer Person ist mir im Studium bisher auch nicht entgegen gekommen.
27.02.2012
Die Aufforderung ist jedenfalls so lächerlich wie das bisherige parteipolitische Engagement des Herren.
28.02.2012
An MaM: Ich veröffentliche den Brief auf ausdrücklichen Wunsch von Herrn Khazaeli. TH
Auch Fernsehsender, die in einer bestimmten Art von Sendeformaten eine bestimmte Sorte von Mitmenschen vor großem Publikum der Lächerlichkeit preisgeben, tun das in aller Regel auf ausdrücklichen Wunsch der Kandidaten...
28.02.2012
Sehr geehrter Herr van Noyten,
m.E. verdienen solche Hilferufe eine Öffentlichkeit. Herr Khazaeli hat mir gestern abend gemailt, daß er auch einzelne Spernden entgegen nimmt und ich zu diesem Zweck seine Handynummer an vertrauenswürdige Personen weitergeben darf. Mit herzlichem GRuss TH
28.02.2012
@van Hoyten: Ich glaube nicht, dass Herr Hoeren den Verfasser bloßstellen möchte. Die Motive des verschmitzten Professors bleiben doch immer ein wenig hinter Ironie verborgen.
Man mag spekulieren, dass hier in Wahrheit Fachkollegen der Lächerlichkeit preisgegeben werden sollen, die schon ein originelles, wenn auch wenig aussichtsreiches Ansinnen - bei all seiner Belanglosigkeit - als Affront auffassen, nur weil "hunderte Jurastudenten" (wohl weniger Rechenschwäche als eine Metapher für die herrschende Meinung) ihre Arbeit ohne derart schockierendes Aufrührertum abgegeben haben.
In einer tieferen Metaebene des Textes regt Khazaeli schließlich fundamentale Wissenschaftskritik an: Die anarchische Vorstellung, dass "seine Arbeit etwas wert sei", kollidiert mit der Alltagserfahrung der meisten Juristen, dass gerade die Publikationen zu Ruhm und Ehre gereichen, für die besonders viel Druckkostenzuschuss fließen musste.
Angesichts soviel Hintergründigkeit, erkühne ich mich zu der Mutmaßung, dass "Khazaeli" und Kommentatoren, die ihn zu kennen vorgeben, in Wahrheit neue, gelungene Kunstprodukte des Meisters selbst sind.
28.02.2012
Lieber Herr Richard,
das ist ja mal eine Deutung, die mir tatsächlich ein verschmitztes Grinsen ins Gesicht treibt. Aber keine Angst; so tiefsinnig ist der Thread nicht. Herrn Khazaeli gibt es wirklich; er hat mir das genannte Schreiben in dieser Form geschickt (eidesstattliche Versicherung wird nachgereicht). Ich habe mehrfach mit ihm telefoniert/gemailt und wußte auch erst nicht, daß er in Berlin so bekannt ist. Jedenfalls bekam ich auch viele Mails von BerlinerInnen zur Person. Die obigen Hinweise von Kommentatoren haben insofern einen äußerst realen Hintergrund. Aber Ihre Deutung hat trotzdem amüsiert :-) TH
29.02.2012
Der Meister wäre ja sonst ein Wiederholungstäter: http://www.spiegel.de/unispiegel/wunderbar/0,1518,424426,00.html
Über die selbstveranlasste Transparenz des Persönlichkeitsprofils lacht man in Göttingen Tränen.
29.02.2012
Dazu auch
http://blog.beck.de/2008/05/27/was-man-von-jurastudenten-so-als-umfrage-...
29.02.2012
Jaaa, an den von Kersting erwähnten Blog-Eintrag erinnere ich mich. Ein perverser Fall. ein Student schickte mir (und vielen anderen Kollegen) einen mehrseitigen Fragebogen zu einem Urteil des BVerfG - für seine Seminararbeit. Ich veröffentlichte die Anfrage - ein Aufschrei: Verstoss gegen das Urheberrecht des Studenten - bis sich herausstellte, daß der Fragebogen aus einer Besprechung von Telemedicus heraus vom Studenten abgekupfert war. Hatte ich fast vergessen TH
01.03.2012
Warum zeigt ein Hochschullehrer immer wieder sein Bedürfnis, sich von Schwächeren ausgesprochen medienwirksam abzugrenzen?!
Seine wiederkehrenden Versuche, Beiträge (z.B. #18), die seine Obsession in Erinnerung rufen, zu löschen, könnten ebenfalls auf mangelnde Souveränität hindeuten.
01.03.2012
Haelloechen Halloechen,
ich habe nichts gelöscht und kann auch nach den Beck-Richtlinien und technischen Optionen gar nicht löschen. Ich kann Kommentare nur melden; sie werden von der Beck-Redaktion nach Prüfung gelöscht. Ich habe mich nicht von "Schwächereren" "abgegrenzt"(?). Herr Khazaeli ist kein "Schwächerer", er ist ein Student für Medienrecht mit breitem politischem Background, der mich um finanzielle Hilfe gebeten hat (auch auf seinen Wunsch hin über den Beck-Blog).
02.03.2012
...netter Satire-thread das Ganze.
05.03.2012
Lieber Herr Prof. Hoeren,
wie erinnerlich, les´ ich als Sozialwissenschaftsjournalist seit 10 Jahren ab+an Ihre Fachbeiträge, "kaufte" auch Ihre-e-Lehrbuchversion ...
Den Studiebrief an Sie freilich halt´ ich schlicht für nonpublicable,
best;-) Ihr Richard Albrecht
10.03.2012
Hoeren ist haeufig etwas komisch, halt ein ehemaliger Priester?
10.03.2012
"Komisch" nehme ich als Kompliment; ein ehemaliger Priester war und und ich nie gewesen. Gruss Th
10.03.2012
Was ist denn die Moral von der Geschichte, ausser der allgemeinen Schlechtigkeit der Welt? Es gibt unterschiedliche Menschen, einige sind frecher als andere, Multikulti aka the Clash of Civilisations tut ein uebriges, und die Leute haben nicht gelernt, auf die eigenen Faehigkeiten zu vertrauen, im Zweifel wissen sie gar nicht, was eine Seminararbeit ist. Weil es ihnen ihre Professoren nicht richtig erklaert haben. Es ist wohl in keinem Fach wie in Jura so, dass die Lehre derartig an den eigentlichen Problemen der Studenten vorbeiredet wie in Jura. Hat TH ersnthaft ueber die Finanzierung der Arbeit nachgedacht? Wie betreibt er selbst Forschung? Oder ist es die in Brandenburg und so auch am Griebnitzsee so alltaegliche Subventionsmentalitaet? Gelernt von NRW?
Wie kann man ausserdem mit dem Urheberrecht der Studenten argumentieren, wenn es doch ehzer, so jedenfalls hier, um das allgemeine Persoenlichkeitsrecht geht. Ein Mensch steht am Pranger und TH macht sich darueber lustig.
10.03.2012
Komisch war eher so auf Nebensaechlichkeiten gemuenzt aka haarscharf daneben
10.03.2012
Priester dann eben dann doch nicht, anyway, thanks fuer das interessante Thema!
10.03.2012
Danke für die neuen Beiträge. Zu 27: Im Falle des Studenten mit dem Fragebogen (siehe oben) gings um Urheberrecht (siehe 18 und 19).
Hier bei Herrn Khazaeli überhaupt nicht. Aber bei ihm geht es auch nicht um das Persönlichkeitsrecht. Herr Khazaeli hat mich ausdrücklich telefonisch um die Veröffentlichung im Beck-Blog gebeten und sich mehrfach erkundigt, ob denn schon Spenden oder zumindest allgemeine Interessensbekundungen eingegangen sind. Auch wenn er ausweislich seines Lebenslaufs aus gutem Hause kommt, scheint er derzeit ein Finanzproblem zu haben. Warum soll ich mich da einem solchen Hilferuf verweigern? Das hat mit einem "Pranger" nichts zu tun; ich mache mich nicht über eine Person lustig. Gruss TH
12.03.2012
"Nicht alles, was juristisch rechtens ist, ist auch richtig" (Wulff)
12.03.2012
"Nicht alles, was richtig ist, ist auch gut" (Wolf)
12.03.2012
"Nicht alles ist Panda, was fällt" (chinesisches Sprichwort)
12.03.2012
Zur Dummheit des Satzes (30) unseres Ex-Bundespräsidenten siehe
http://blog.beck.de/2011/12/22/ich-sehe-ein-nicht-alles-was-juristisch-r...
incl. Kommentare
22.03.2012
Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Hoeren.
Unter ausdrücklicher Befürwortung Ihres persönlichen Engagements hinsichtlich der Unterstützung des von Herrn Khazaeli verfolgten Begehrens, muss ich leider gleichsam unter Rückgriff auf bisher getätigte Kommentare auch meine Bedenken zum Ausdruck bringen. So ist mir zunächst daran gelegen, hiermit klarstellen zu wollen, dass es gänzlich nicht in meinem Bestreben liegt, einen Kommilitonen in irgendeiner Weise öffentlich zu kompromittieren. In Anbetracht der Umstände sei jedoch darauf hinzuweisen, dass nicht bereits erstmalig, ein eher, teils gar unter Heranziehung „dezent unlauter wirkender“ Methoden, „leicht ambivalent und bedenklich“ zu kategorisierendes Verhalten seitens besagtem Kommilitonen ein gewisses öffentliches Aufsehen erregt hat. Zur „Veranschaulichung“ ist auf die bereits angebrachten Exemplarischen Verweise (Links) innerhalb vorheriger Kommentare zurückzugreifen.
Eine analytische Betrachtung des Schreibens von Herrn Khazaeli vermag aber auch gar (sozial-)kritische Aspekte erkennen lassen. Denn unter der Berücksichtigung der eigenen und wahrscheinlich auch auf die vieler anderer Studenten zutreffenden finanziellen Lage (wobei natürlich auch viele nicht nur in bloße Erwägung ziehen, neben dem Studium einer bezahlten „Nebentätigkeit“ nachzugehen) sehe ich es persönlich (ebenfalls) als ein „Manko“ an, dass eine finanzielle Unterstützung, bspw. in Form des BAföG, nicht jedem überall und gänzlich unabhängig von elterlichen Einkommen in einem gewissen Grade zugutekommt. Denn hierbei erfolgt eher selten eine Differenzierung danach, wie groß die durch Eltern gewährte finanzielle Unabhängigkeit tatsächlich ist.
Trotz meiner (wohl eher als negativ zu betrachtenden) kritischen Auseinandersetzung mit der hier aufgeworfenen „Problematik“ wünsche ich dem Herrn Khazaeli viel Erfolg. Sowohl für sein weiteres Studium als auch hinsichtlich seiner finanziellen Betsrebungen.
@ Gedankensalat: Ich danke dir für dein Kommentar und kann dieses nur bestätigen sowie befürworten!
LG