WIPO: Rekordzahlen beim Cybersquatting 2008 und Sorgen wegen neuer Top Level Domains im Jahr 2009

von Michael Karger, veröffentlicht am 17.03.2009

Viel Arbeit für die Panels der WIPO: Die Anzahl der im WIPO-Schlichtungsverfahren (Uniform Domain Name Dispute Resolution) verhandelten Beschwerden wegen Cybersquatting ist im Jahr 2008 gegenüber 2007 um 8 Prozent gestiegen. In den vergangenen 10 Jahren wurden über 14.000 Beschwerden verzeichnet. In einer Mitteilung vom 16. März gab die WIPO weitere Zahlen bekannt:

  • Die meisten Streitigkeiten gab es im Zusammenhang mit .com Top Level Domains.
  • Die meisten Beschwerden kamen aus den USA, Frankreich, aus dem United Kingdom und (an vierter Stelle) Deutschland.
  • 85 % der Beschwerden wurden zugunsten des Beschwerdeführers entschieden (die Erfolgsschancen sind also hoch).
  • Die übliche Verfahrensdauer beträgt nach Angabe der WIPO etwa 2 Monate.

Interessant auch, in welchen Bereich der Kampf um Domains am heftigsten tobt:

  • Biotech und Pharma
  • Banking und Finance
  • Internet und IT
  • Retail
  • Nahrung, Getränke und Restaurants

Sorgen bereitet der WIPO die voraussichtlich für Ende 2009 anstehende Einführung neuer generic Top Level Domains: So warnt sie vor einer unkontrollierten Einführung ohne begleitende Verfahren, in denen die Rechte insbesondere der Markenhaber gewahrt werden. Die WIPO  sieht "abundant opportunities for cybersquatters to seize old ground in new domains". Die Cybersquatter freuen sich also schon auf neue Betätigungsfelder.

Zwei Verfahren sollen Abhilfe schaffen: Ein Verfahren vor der Registrierung der Domain (Pre-Delegation Dispute Resolution Procedure) und ein Verfahren nach Registrierung (Post-Delegation Dispute Resolution Procedure).

Die WIPO und die für die Vergabe der Domains zuständige ICANN (Internet Corporation for Assigned Names and Numbers) versuchen offensichtlich, hier eine gemeinsame Linie zu finden. Allerdings warnt die WIPO auffallend nachdrücklich vor den nachteiligen Folgen für den Fall, dass keine Vorkehrungen getroffen werden: Dann drohten endlose Gerichtsverfahren und der Verlust der Verläßlichkeit des Adress-Systems im Internet insgesamt.

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1 Kommentar

Die Zahlen der WIPO sind leider nur die halbe Wahrheit, zwar gibt es einen Anstieg der Fälle um 8%, gleichzeitig ist aber die Zahl der Domain-Neuregistrierungen um 12% angestiegen, auch schon im Vorjahr standen ein 10%-iger Anstieg der WIPO-Fälle einem über 25%-igen Anstieg bei den Domain-Neuregistrierungen gegenüber. Von daher ist das Cybersquatting relativ gesehen auf dem Rückzug.

Weiterhin bleibt anzumerken, dass .com/.net/.org zusammen für über 93% alle Fälle stehen. Nur wenn man diese Namensräume unter Kontrolle bekommt, kann man Cybersquatting effektiv vermindern. Abzuwarten bleibt, ob die neuen Top-Level-Domains auch nur ansatzweise so interessant für Cybersquatter werden wie .com/.net/.org. Ich schätze mal nein und bin damit einer Meinung mit der Mehrzahl der ICANN-Kenner.

Interessant anzumerken ist auch, dass gerade bei den Markeninhabern mittlerweile zwei sehr unterschiedliche Lager gibt, zum einen die, die die neuen Top-Level-Domains partout nicht wollen und anderseits die, die eine eigene Firmen-Top-Level-Domain (.firma, dotfirma) oder Marken-Top-Level-Domain (.marke, dotmarke) anstreben. Unter den Letzteren sind z.B. Ebay, Deloitte, DHL und die Postbank zu finden, mit den entsprechenden Top-Level-Domain.

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